Technik

Virtual Reality ganz ohne Kabel Oculus nimmt VR die Kinderkrankheiten

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Auch die Oculus Quest hat wie viele VR-Geräte ihren Preis.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wenig Bewegungsfreiheit, Kabelsalat oder ein High-End-Rechner als Voraussetzung - Virtual Reality stand bisher vor allem vor technischen Hürden. Mit den neuen Modellen Oculus Rift S und Oculus Quest soll das vorbei sein. Dabei lässt sich ein Problem allerdings nicht lösen.

Virtual-Reality-Gaming soll endlich den Markt erobern und Spieler begeistern. Oculus schickt mit der Rift S und der Quest zwei neue leistungsstarke Geräte ins Rennen, von denen letzteres sogar als eigenständige VR-Konsole gilt. Vom Handling, Tracking, Grafik sowie zahlreichen neuen hochwertigen Spielen durfte sich n-tv.de beim Hands-on-Event in London überzeugen.

Vor allem die kabellose VR-Konsole Quest geht neue Wege. Sie bietet quasi unbegrenzte Bewegungsfreiheit und lässt den Spieler in die Virtuelle Realität abtauchen. "Das war ein großes Loch für die ganze Branche. Und daher versuchen wir unser Bestes, Flexibilität und Portabilität mit der Quest zu liefern", sagte dazu Jason Rubin, der bei Oculus für Partnerships & Content verantwortlich ist.

Die kabellose Konsole an sich sorgt für die angepriesene Portabilität, die Flexibilität garantiert die integrierte Software Passthrough+. Damit lässt sich der Raum für das VR-Erlebnis vorab abstecken. Egal ob im Büro, im Wohnzimmer oder im Freien - ein Anecken mit der Umgebung ist fast ausgeschlossen. Droht der Spieler seinen abgegrenzten Spielraum zu verlassen, baut das Gerät umgehend ein Warngitter auf.

Spiele kratzen am Triple-A-Niveau

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Ganz ohne Kabel genießt der n-tv-Redakteur das volle 360-Grad-Erlebnis.

(Foto: Michael Bauer)

Die leistungsstärkere Rift S liefert ähnliche Features wie die Quest, ermöglicht aber mit einer fünften Kamera ein besseres Tracking des Spielerverhaltens. Das erlaubt ein flüssigeres  Gamingerlebnis und lässt auch eine höhere Auflösung bei Spielen zu. Aus einem Kabelsalat bei den Vorgängermodellen ist beim Rift-Nachfolger nur ein Kabel übriggeblieben. Der leichte Druck, den das Kabel auf der Schulter ausübt, lässt sich auch nicht ganz ausblenden. Die Rift S richtet sich auch eher an Gamer, die schon High-End-Rechner besitzen - denn der wird in jedem Fall benötigt.

Die vorgestellten neuen Titel für beide Konsolen reichen von Sportsimulationen ("Sports Scramble") über Rollenspiele ("Stormland") und Rätseladventures ("Shadow Point") bis hin zu Shootern mit Multiplayerfunktion ("Dead or Buried II"). Vielfalt ist also für beide neuen Oculus-Geräte geboten. Die Qualität ist dabei recht schwankend. Generell gilt: Je weniger Freiheiten und Dynamik dem Spieler gegeben werde, desto schöner sind die Spielwelten und desto höher ist auch der Genuss des 360-Grad-Erlebnisses - eben weil die Zeit zum Umschauen einfach da und Teil der Spiele ist. Während Spiele wie "Stormland" den Eindruck vermitteln, dass die VR-Branche in Sachen Grafik und Storytelling auf Triple-A-Titel hinarbeitet, erinnert "Dead or Buried II" eher an Shooter aus den frühen 2000er-Jahren.

"Motion Sickness" bleibt großes VR-Problem

Ein weiteres Problem der VR-Branche lässt sich an dem Shooter allerdings ebenfalls gut verdeutlichen. Je mehr virtuelle Bewegung auf den Spieler einprasselt, desto anfälliger wird er für "Motion Sickness". Diese Täuschung der Sinnesorgane kommt bei einigen Menschen zustande, weil der menschliche Gleichgewichtssinn dem Gehirn mitteilt, dass gar keine realitätsbezogene Bewegung vorhanden ist. Das kann dann zu Übelkeit und Kopfschmerzen führen.

*Datenschutz

Eine echte Lösung für das Problem gibt es allerdings nicht. "Da reagiert jeder Mensch unterschiedlich", bestätigt auch Rubin. Mit der VR-Brille ginge es Personen dann wie anderen auf einem Boot, die unter Seekrankheit leiden. Daher sollte auch jeder Interessierte vor dem Kauf eines VR-Geräts es zumindest einmal getestet haben.

Insgesamt ist auch eine Investition in die neuen Geräte von Oculus kein preiswertes Vergnügen. Sowohl die Rift S als auch die Quest sollen für je 449 Euro noch im Frühjahr in den Handel gehen. Wer einen VR-Einstieg wagen und ein breites Spieleerlebnis haben will, ist mit der mobilen Quest besser bedient, schließlich kämen bei der Rift S noch Kosten für einen leistungsstarken Rechner hinzu.

Quelle: n-tv.de

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