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Heiß diskutierte Frage Schadet Schnellladen dem Akku?

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Moderne Top-Smartphones können schnell geladen werden. Ist das schlecht für den Akku?

kwe

Immer mehr Smartphones bieten eine Schnelllade-Funktion. Das ist praktisch, weil man so zwischendurch in wenigen Minuten mehrere Stunden Laufzeit tanken kann. Aber ist das auf Dauer nicht schädlich für die Batterie?

Jedes aktuelle Top-Smartphone bietet seinen Nutzern eine Schnelllade-Funktion und die Hersteller liefern gewöhnlich auch ein entsprechendes Netzteil mit. Qualcomm verspricht beispielsweise, bei seinem neuesten Chip Snapdragon 835 mit Quick Charge 4.0 in nur 5 Minuten bis zu 5 Stunden Laufzeit tanken zu können. Aber auch die Vorgänger-Version pumpt den Akku vier Mal schneller voll als herkömmliches Laden. Eigentlich ist dies eine tolle Sache. Denn schließlich geht vielen Smartphones bei intensivem Gebrauch schnell die Puste aus. Doch viele Nutzer sind misstrauisch und verwenden lieber ein älteres Ladegerät, weil sie fürchten, schnelles Laden lasse auch den Akku schneller altern. Ist das tatsächlich so oder machen sie sich grundlos Sorgen?

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Wenn der Akku fast gefüllt ist, lädt er langsamer.

(Foto: kwe)

Eindeutig kann diese Frage wohl nicht geklärt werden. Wahrscheinlich gibt es einen negativen Effekt, es kommt aber darauf an, ob er groß genug ist, um einen Verzicht auf die Schnellladefunktion zu begründen. Hier lautet die Antwort eher Nein. Denn die Hersteller haben den Prozess so optimiert, dass die ungewünschten Auswirkungen möglichst klein gehalten werden.

Hitze schadet

Schädlich für Akkus sind vor allem hohe Temperaturen jenseits von 40 Grad Celsius, da dann die Zellen deutlich schneller oxidieren. Dies verhindern bei aktuellen Schnelllade-Funktionen aber Kühlsysteme und die Elektronik, die auch dafür zuständig ist, dass Spannung und Stromstärke immer im grünen Bereich bleiben. Das heißt, der Akku lädt nicht durchgehend mit Volldampf, sondern immer so schnell, wie es der jeweilige Füllstand erlaubt.

Regel-Elektronik und -Algorithmen werden dabei umso wichtiger, je mehr Leistung die Smartphone-Netzteile bieten und je höher die eingesetzten Stromstärken und Spannungen sind. Standard-Ladegeräte liefern bei 5 Watt Ausgangsleistung und 5 Volt Spannung Ladestromstärken von 1,5 Ampere. Neue Schnelllade-Geräte speisen Akkus mit rund 5 Ampere, wobei die Spannung bis zu 9 Volt und die Leistung bis zu 28 Watt betragen kann. Damit steigt die Gefahr der Überhitzung und starken Schädigungen bis hin zur Explosion der Batterie immens an, wenn Lade-Management und Bauteile nicht optimal arbeiten und aufeinander abgestimmt sind. Dabei sind übrigens Smartphones ohne Schnelllade-Funktion nicht gefährdet, deren Elektronik zieht sich bei Turbo-Netzteilen nicht mehr Strom als bei ihren herkömmlichen Geräten.

Hohe Energiedichte birgt Risiken

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Qualcomms neuer Standard Quick Charge 4 soll 20 Prozent schneller als der Vorgänger laden, dabei aber 30 Prozent effizienter und 5 Grad kühler arbeiten.

(Foto: Qualcomm)

Üblich bei Lithium-Ionen-Akkus ist das sogenannte IU-Ladeverfahren, bei dem die Batterie so lange mit einem konstanten Ladestrom bei steigender Spannung geladen wird, bis die zulässige Lade-Schlussspannung erreicht ist - ungefähr bei 70, 80 Prozent. Danach wird mit konstanter Spannung weitergeladen, wobei der Ladestrom immer weiter absinkt. Bei modernen Akkus mit hoher Energiedichte, die schnell geladen werden sollen, ist dieses Verfahren ebenso wenig ideal wie eine schlichte Stufenregelung.

Tatsächlich gingen Fachleute noch vor gar nicht allzu langer Zeit davon aus, dass schnelles Laden Smartphones wesentlich schneller altern lässt. Unter anderem warnte Ende 2014 Qnovo-Chef Nadim Maluf vor den Folgen dieser Technik in einem Blogeintrag. Doch der Batterie-Experte kündigte schon damals an, dass dieses Problem schon bald gelöst werden würde. Qnovo liefert seit 2015 unter anderem Software für das Akku-Management von Qualcomms Quick Charge.

Schneller, effizienter, kühler

Bei aktuellen Schnelllade-Techniken messen Sensoren permanent Stromfluss, Spannung sowie Temperatur, und die Elektronik stellt sicher, dass die Werte immer im grünen Bereich bleiben. Algorithmen sind dafür zuständig, dass der Akku möglichst effizient zu jedem Zeitpunkt die für seinen aktuellen Zustand optimale Versorgung erhält. So sollen unter anderem Qualcomms Quick Charge 4.0, Samsungs Fast Charge oder Huaweis SuperCharge nicht nur schneller laden als vorangegangene Standards, sondern auch effizienter und damit kühler arbeiten. Das Resultat: Der Akku soll nicht oder nur geringfügig schneller altern als beim langsamen Laden.

So lange keine Langzeitmessungen vorliegen, kann nicht endgültig gesagt werden, ob auch moderne Schnellade-Verfahren Akkus nicht doch signifikant schneller altern lassen. Die Indizien sprechen aber dafür, dass die Hersteller die Probleme mit der Technik weitgehend in den Griff bekommen haben. Dafür spricht auch, dass es kaum Beschwerden von Nutzern gibt, die ältere Geräte mit Schnelllade-Netzteil betanken. Vermutlich ist der Nutzen der Funktion weit höher als ihre möglichen Nachteile. Trotzdem kann es nicht schaden, wenn man ein Smartphone mit einem langsameren Netzteil lädt, wenn man keine Eile hat, beispielsweise über Nacht.

Quelle: n-tv.de

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