Technik

"Welches Smartphone nutzen Sie?" Apple und Samsung wählen Jury

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Ein Großteil der Verhandlung wird sich um abgerundete Ecken von rechteckigen Bildschirm-Telefonen drehen.

(Foto: REUTERS)

In Kalifornien Geschworene für den Patent-Prozess von Apple und Samsung zu finden, ist gar nicht so einfach. Das Gericht trifft immer wieder auf Leute aus der IT-Branche, die bei dem Thema kaum unparteiisch bleiben können. Und irgendein Produkt von Apple oder Google hat fast jeder im Haushalt.

Im Patent-Prozess von Apple und Samsung in Kalifornien kann die heiße Phase beginnen: Am 30. Juli sind die zehn Geschworenen ausgewählt worden. Es nahm den ganzen ersten Tag in Anspruch, die sieben Männer und drei Frauen auszusuchen. Die Gegend um San Jose ist eine Hochburg der IT-Industrie, die Apple-Zentrale ist nur wenige Kilometer entfernt - und entsprechend viele der zufällig ausgesuchten Kandidaten waren zu tief in den Konflikt verstrickt, um als unvoreingenommen durchzugehen.

So räumte ein Apple-Mitarbeiter laut US-Medienberichten sofort ein, dass er seinen Arbeitgeber gewinnen sehen wolle. Ein Google-Beschäftigter wurde von den Apple-Anwälten ausgesiebt - der Internet-Konzern ist die treibende Kraft hinter dem mobilen Betriebssystem Android, um das es bei dem Prozess auch geht. Der Vater von einem der Geschworenen-Kandidaten arbeitet ausgerechnet in der Rechtsabteilung von Apple, mehrere halten selbst Patente, einer besitzt mehrere tausend Apple-Aktien. Ein Mann wurde entschuldigt, weil er gerade erst seine eigene Firma gestartet hatte und der Prozess mindestens bis Mitte August dauern soll.

"Ich habe gar kein Handy"

Die vorsitzende Richterin Lucy Koh ging sogar so weit, alle Kandidaten zu fragen, welches Smartphone oder Tablet und welchen Computer sie persönlich nutzen. Es stellte sich heraus, dass rund ein Drittel der Befragten Smartphone-Besitzer sind, und ihre Geräte fast ausschließlich entweder von Apple stammen oder mit Googles Betriebssystem Android laufen. Eine Frau gab hingegen an, überhaupt kein Handy zu haben. Außerdem erkundigte sich Koh danach, welche Browser und Suchmaschinen die Kandidaten nutzen. Wie erwartet, fand sie kaum jemanden, der nicht Google-Produkte nutzt.

Am Ende landeten auf der Geschworenenbank unter anderem ein Stadt-Angestellter, ein Sozialarbeiter, ein Ingenieur, ein Angestellter des Telekom-Riesen AT&T und ein arbeitsloser Videospiele-Fan, der Softwareentwickler werden will. Am 31. Juli - am Abend mitteleuropäischer Zeit - beginnen die Parteien mit ihren Eröffnungsansprachen, für die sie jeweils eineinhalb Stunden haben.

Apple fordert 2,5 Milliarden Dollar

In dem möglicherweise entscheidenden Prozess geht es um die gegenseitigen Vorwürfe der beiden führenden Smartphone-Hersteller. Apple behauptet, dass Samsung für seine Smartphones und Tablets in großem Stil Design und Funktionen von iPhone und iPad abgekupfert habe. Die Südkoreaner weisen diese Beschuldigungen zurück und werfen Apple im Gegenzug vor, unrechtmäßig diverse von Samsung-Patenten geschützte Technologien zu nutzen, etwa beim UMTS-Datenfunk. Apple fordert in dem Verfahren mehr als 2,5 Milliarden Dollar Schadenersatz.

Hintergrund des Patentkriegs ist der Kampf um das lukrative Smartphone-Geschäft, in dem heute Android führt. Es geht um die Vorherrschaft in einem schnell wachsenden Milliarden-Markt. Apple hält sich zugute, mit dem iPhone den Trend für moderne Smartphones gesetzt zu haben und argumentiert, man würde mehr Geräte verkaufen, wenn sie nicht so schamlos von der Konkurrenz auch im Detail kopiert würden.

Die beiden Seiten konnten ihre Argumente bereits in diversen Verfahren in anderen Ländern testen. So gelang es Apple in Deutschland, Samsungs Tablet Galaxy Tab 10.1 unter Hinweis auf ein geschütztes Design-Muster lange vom Markt fernzuhalten. Inzwischen haben die Südkoreaner mit der veränderten Variante 10.1N zumindest in den Augen der deutschen Richter eine Form gefunden, die Apples Rechte nicht verletzt.

Quelle: ntv.de, kwe/dpa

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