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Ein aktuelles Sicherheitsupdate ist für Android-Smartphones nicht selbstverständlich.
Ein aktuelles Sicherheitsupdate ist für Android-Smartphones nicht selbstverständlich.(Foto: jwa)
Dienstag, 06. März 2018

Seltene und späte Updates: So unsicher sind Android-Smartphones

Eine Studie zeigt, wie schlecht es bei Android-Smartphones um die Versorgung mit Sicherheitsupdates steht. Rühmen darf sich kaum ein Hersteller, manche große Marken fallen rasselnd durch.

Wie lange darf ich mit Sicherheitsupdates rechnen, wenn ich mir ein neues Smartphone kaufe? Die Antwort auf diese Frage fällt je nach Hersteller und Betriebssystem höchst unterschiedlich aus. Während iPhone-Nutzer in der Regel fünf Jahre lang Sicherheitsupdates bekommen, sieht das im Android-Universum ganz anders aus. Hardware und Software kommen hier in den allermeisten Fällen nicht wie bei Apple aus einer Hand, und zwischen der Veröffentlichung eines neuen Software-Updates durch Google und der Anpassung und Verteilung durch die Hersteller liegen oft Monate. Eine Studie legt jetzt schonungslos offen, wie es bei den einzelnen Herstellern um die Update-Disziplin bestellt ist.

Die Sicherheitsforscher von Securitylab haben sich für ihren "Smartphone Security Update Availability Report", der "Android Headlines" vorliegt, unter anderem die Betriebssysteme iOS und Android vorgenommen. Interessant ist dabei vor allem das Abschneiden der einzelnen Android-Hersteller. Die Experten untersuchten, wie lange ein Hersteller seine Geräte mit Sicherheits-Updates versorgt, wie lange es dauert, bis sie verteilt werden und ob die Hersteller sich für die Verteilung von Updates auf Mobilfunkanbieter verlassen.

Google und Essential führen

Die Tabelle zeigt, wo Sicherheitsupdates schnell ankommen - und wo nicht.
Die Tabelle zeigt, wo Sicherheitsupdates schnell ankommen - und wo nicht.(Foto: SecurityLab/Android Headlines)

Den besten Support sieht Securitylab überraschenderweise nicht bei Googles eigenen Geräten, sondern bei der von Ex-Android-Chef Andy Rubin gegründeten Firma Essential, die bisher aber auch nur ein Smartphone im Angebot hat. Das PH-1 bekommt laut der Studie neue Sicherheitsupdates binnen weniger Tage. Das Unternehmen verspricht die konstante Versorgung mit Sicherheitsupdates für volle drei Jahre - überprüfen kann man das zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht, denn das PH-1 ist erst seit Herbst 2017 auf dem Markt. Google ist mit der Veröffentlichung von Sicherheitsupdates für seine Pixel-Geräte zwar ähnlich schnell, braucht laut der Studie aber länger, um auch alle Geräte weltweit per automatischem Update zu versorgen - zwei Wochen hat Securitylab für ungebrandete Geräte als Zeitfenster ermittelt.  

Nach Google und Essential kommen laut Securitylab Blackberry, Nokia und Fairphone. Blackberry und Fairphone verteilen Sicherheitsupdates binnen weniger Wochen an alle Geräte, Nokia braucht einen Monat, um alle zu versorgen. Fairphone und Oneplus sind die einzigen Hersteller, die Sicherheitsupdates für alle Geräte unabhängig von Mobilfunkanbietern verteilen, Oneplus verteilt allerdings nur alle zwei Monate ein komplettes Sicherheitsupdate, dazwischen gibt's nur die nötigsten Aktualisierungen.

Die Großen brauchen lange

Die großen Marken Sony, Samsung, LG, Huawei, Asus und Motorola liefern ein ähnliches Bild ab. Die ersten Smartphones dieser Marken bekommen Updates ebenfalls binnen Wochen, es dauert aber länger (laut Studie "Monate"), bis alle Geräte versorgt sind. Grund dafür ist sicherlich die Tatsache, dass diese Marken zahlreiche Geräte auf dem Markt haben und die umfassende Versorgung aller Modelle deutlich aufwändiger ist. Schlechter sieht es bei Honor, HTC und den Billigmarken Blu und Wiko aus. Hier dauert es laut der Studie schon Monate, bis überhaupt mit der Verteilung von Sicherheitsupdates begonnen wird.

Immerhin informieren als einzige Hersteller neben Google auch Samsung und LG ihre Nutzer über aktuelle Android-Sicherheitsupdates, merkt "ZDNet" an. Bei Samsung und bei LG kann man auf Englisch nachlesen, welche Lücken mit den aktuellen Updates gestopft werden. So viel Transparenz bietet sonst nur Google mit seinem monatlichen Security Bulletin. Alle anderen Hersteller halten sich in Sachen Updates bedeckt.

Schlecht sieht es auch mit der langfristigen Versorgung aus: Nur Kunden von Google und Essential dürfen drei Jahre lang auf Sicherheitsupdates hoffen. Blackberry, Nokia, Sony und Fairphone bieten ihren Kunden mit einer "mittleren bis hohen" Wahrscheinlichkeit zwei Jahre lang Sicherheitsupdates an, wobei diese beim Fairphone laut Studie nicht immer vollständig sind und nicht alle Lücken flicken. Huawei, LG und Samsung versprechen bei ihren Geräten aus 2017 Sicherheitsupdates für maximal 2,5 Jahre, die Wahrscheinlichkeit dafür ist laut Securitylab aber "mittel bis niedrig". Bei Asus, Motorola, Oneplus, Honor und HTC sieht's nicht besser aus, hier ist das Niveau der durchschnittlichen Support-Dauer "niedrig". Schlusslicht bilden auch hier die Billigmarken Blu und Wiko, bei denen Nutzer sich offenbar gar keine Hoffnungen auf Updates machen dürfen.   

Quelle: n-tv.de