Technik

Druck zeigt Wirkung Telekom lockert Drosselung

Die Telekom erkennt offenbar, dass die angekündigte Bandbreitendrosselung für Vielnutzer ab 2016 ein PR-Debakel ist, will den Plan aber nicht grundsätzlich aufgeben. Das Unternehmen kündigt stattdessen an, das DSL-Tempo weniger extrem abzubremsen.

Die Deutsche Telekom reagiert nun doch auf die heftige Kritik von Netzaktivisten, Politikern und vor alllem Nutzern, an den Plänen des Unternehmens, ab 2016 das DSL-Tempo für Kunden drastisch zu drosseln, wennn sie ein bestimmtes Datenvolumen verbraucht haben. Man habe in den vergangenen Wochen einen intensiven Dialog mit den Kunden geführt und verstanden, dass es ein Problem gibt, sagte Telekom-Marketing-Chef Michael Hagspihl in einer Telefon-Pressekonferenz.

An der grundsätzlichen Strategie wolle man zwar festhalten, sagte Hagspihl. "Wer viel verbraucht, soll mehr bezahlen." Aber man habe sich entschlossen, den Kurs stärker an die unterschiedlichen Nutzergruppen anzupassen. Deshalb werde die Telekom die DSL-Geschwindigkeit für Intensivnutzer nach Erreichen der Volumengrenze ihres Vertrages nicht auf 384 Kilobit pro Sekunde reduzieren, sondern auf zwei Megabit pro Sekunde. Für Normalnutzer soll es günstigere Tarife geben und wer sein Volumen verbraucht hat, soll Zusatzoptionen hinzukaufen können. Die Änderungen beträfen auch rückwirkend Verträge, die seit Mai 2013 abgeschlossen wurden.

Wie genau die günstigeren Tarife aussehen könnten, sagte Hagspihl nicht. Dies sei auch nicht möglich, da es sich um "dynamische Werte" handele, die sich noch ändern könnten. Die Volumengrenze, ab der gedrosselt wird, hänge von der Entwicklung des Durchschnittsverbrauchs ab. Damit tritt die Telekom Einwänden entgegen, bis 2016 könnten weit mehr Kunden betroffen sein als jetzt von dem Unternehmen angegeben.

Kritiker nicht zufrieden

Für Kritiker der Drosselpläne ist die Änderung aber nur ein "minimales Zugeständnis". Auch mit zwei Megabit pro Sekunde werde man 2016 kaum mehr als E-Mails lesen können, erklärte Markus Beckedahl von dem Verein Digitale Gesellschaft, der sich für Verbraucherschutz im Netz stark macht. Haushalte mit mehreren Internetnutzern wie Familien seien weiter benachteiligt. "Wenn mehr als eine Person im Haushalt Videos schaut, ist das Internet für die anderen nicht mehr benutzbar."

Der "entscheidende Punkt" bleibe unverändert, sagte Beckedahl: Angebote, die Teil der "Managed Services" der Telekom sind, würden nicht in das monatliche Freivolumen eingerechnet. Er sieht dadurch das Gebot der Netzneutralität verletzt, nach dem alle Inhalte im Internet gleichberechtigt behandelt werden sollen. Dieses Prinzip müsse per Gesetz verankert werden, forderte er.

Quelle: ntv.de, mit dpa

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