Technik

Octagon-Action für die Konsole UFC 4 lädt zur anspruchsvollen Prügelpause

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Schlägt ein wie ein sauberer linker Haken: UFC 4 weiß zu überzeugen.

(Foto: Electronic Arts)

Einmal selbst den Thron der Käfigkämpfer besteigen: UFC 4 machts möglich. Dabei schlüpft der Spieler in die Haut von McGregor und Co. oder erweckt seinen Fighter zum Leben. Ein gelungener Karrieremodus und verbessertes Gameplay hinterlassen blaue Flecken und ordentlich Eindruck.

Videospieladaptionen von Mixed Martial Arts ähnelten lange den Ursprüngen des Sports selbst: wilde Hinterhof-Prügeleien ohne Glanz. Diese Zeit ist mit UFC 4 endgültig vorbei. Octagon-Action im Primetime-Modus ist angesagt. In der Kampfsportsimulation von EA Sports darf der Spieler sowohl in die Haut von Conor McGregor und Co. schlüpfen als auch seine ganz eigene Karriere starten. Mit einem unterhaltsamen Karrieremodus und dynamischen Kämpfen gelingt dem vierten Teil der Serie das, was der Sport in der Corona-Zeit bereits hingelegt hat - ein aufsehenerregendes Comeback, das Zocker begeistern dürfte.

Als die großen US-Sportarten zu Beginn der Pandemie auf Eis lagen, machte sich die UFC bereits im Mai wieder auf, Kämpfe zu veranstalten. Statt grölender Fans hörte man das Klatschen von Legkicks und Aufwärtshaken. Vom derzeitigen Ausnahmezustand ist in der Videospieladaption allerdings nichts zu spüren, die Arenen sind voll mit virtuellen Zuschauern. Doch von denen wird der Spieler erst einmal nicht angefeuert: UFC 4 beginnt mit dem Storymodus, als Nobody wird man von Coach Davis bei einem Straßenkampf entdeckt und unter dessen Fittiche genommen, um einen Vertrag bei der Kampfsport-Organisation Ultimate Fighting Championship (UFC) zu bekommen - und später Goat ("Greatest of all time") zu werden.

Entsprechend darf der Spieler als Erstes auswählen, wie sein Charakter aussehen, mit welchem Stil er kämpfen und in welcher Gewichtsklasse er antreten soll. Tattoos aller Art, skurrile Frisuren oder knallbunte Klamotten - bei der Gestaltung des eigenen Käfigkämpfers sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Der Karrieremodus fungiert gleichzeitig als Tutorial, um die komplexe Steuerung kennenzulernen. Die Kombinationen aus Boxen, Muay Thai, Ringen und Jiu Jitsu sind facettenreich und sorgen für eine gelungene Individualisierung des eigenen Kampfsportlers.

Über Amateurkämpfe arbeitet man sich seinen Weg in den Profibereich und lernt mit jedem Kampf mehr über die Mechaniken des Spiels dazu. Bei den Top-Kämpfern angekommen, gilt es, die bevorstehenden Duelle selbst zu vermarkten. Plakatwerbung, Social-Media-Fehden oder Interviews -je mehr Hype der Fight bekommt, desto besser die Bezahlung. Mit dem hart verdienten Geld kann sich der Spieler weitere Kampftechniken kaufen, die per Sparringsrunde von den großen UFC-Stars vermittelt werden. Allerdings mangelt es der Story zuweilen an Protagonisten. Zwischensequenzen mit den Stars der Szene wären eine Bereicherung gewesen.

Ausdauer und Timing bestimmten Kampfgeschehen

Dafür ist das Brot- und Butter-Geschäft äußerst umfangreich: Spieler können ihr Move-Set verbessern, indem sie Attacken, Blocks oder Aufgabegriffe immer wieder im Training oder in Kämpfen einsetzen. Attribute wie Ausdauer oder Schlag- und Kick-Power müssen sie mit Skill-Punkten aufwerten, die es sich zu verdienen gilt. Spannend daran ist, dass Verletzungen die Skills wieder zurücksetzen - egal, ob Knochen und Muskeln in Trainingseinheiten oder in Kämpfen nachgeben. Wer nachlässig trainiert oder im Octagon regelmäßig auf die Mütze bekommt, läuft Gefahr, sich selbst dauerhaft zu schwächen.

Für Spieler, die den Vorgänger von 2018 nicht gespielt haben, wird das Kampfsystem eine Herausforderung darstellen. Nicht nur, dass es unzählige Move-Kombinationen aus Punches, Kicks, Takedowns und Submissions gibt. Das Ganze muss auch mit dem richtigen Timing, vorausschauendem Blocken und dem stetigen Blick auf den Ausdauerbalken ausgeführt werden. Wem durch überhastete Aktionen die Luft ausgeht, der wird für seinen Gegner ein leichtes Opfer sein.

Während bei Spielen wie Street Fighter oder Mortal Kombat wildes Button-Mashing noch gelegentlich zum Erfolg führt, wird bei UFC 4 nur der belohnt, der ein Gespür für die eigenen Qualitäten und die Schwächen des Gegners entwickelt. Selbst Schlagreichweite, Gewicht und Kampfstile haben spürbare Auswirkungen auf die Duelle im Octagon. Das Gameplay überzeugt: Vor allem die Wechsel zwischen Faust-, Clinch- und Ringkampf sind sehr flüssig und vermitteln ein realistisches MMA-Gefühl.

Wie eine Großveranstaltung in Las Vegas

Die Inszenierung ist entsprechend packend. Vom Einlauf in die Halle über das Intro von Ringansager Bruce Buffer bis hin zu den originalgetreuen Referees - UFC 4 fühlt sich an wie eine Großveranstaltung in Las Vegas. Die Fans gehen bei gelungenen Aktionen frenetisch mit, der US-Kommentar durch UFC-Legende Daniel Cormier und Jon Anik ist immer unterhaltsam und auf den Punkt. Der deutsche Kommentar und auch die Synchronisation sind eher ein Schwachpunkt des Spiels, den man aber nach Belieben abstellen kann.

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Neben dem Karrieremodus bietet das Spiel verschiedene Online-Modi, bleibt aber überschaubar. Ranglisten-Kämpfe und ein Blitzmodus mit abgewandelten Regeln, das war's auch schon. Im Gegensatz zum Vorgänger verzichtet EA zudem auf einen "Ultimate Team"-Modus, der Serienablegern wie Fifa oder Madden jährlich Milliardeneinnahmen garantiert. Inwieweit ein Team-Modus bei einem Individualsport überhaupt Sinn ergibt, war vielen MMA-Fans ohnehin nicht klar. Mikrotransaktionen gibt es im Spiel dennoch, allerdings handelt es sich dabei vorwiegend um minimale kosmetische Anpassungen des eigenen Kämpfers.

Mit UFC 4 ist EA Sports in jedem Fall der nächste Schritt gelungen. Dazu kommt eine enorme Auswahl prominenter Fighter - mehr als 220 Käfigkämpfer stehen zur Verfügung, inklusive UFC-Boss Dana White, Bruce Lee, Tyson Fury und Anthony Joshua. Der überzeugende Karrieremodus und verbessertes Gameplay sind die großen Stärken der Kampfsport-Simulation, in der man sich stundenlang festspielen kann oder auch nur eine kurze unterhaltsame Prügelpause einlegt.

Quelle: ntv.de