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Aaron Greenberg im Interview Warum Microsoft auf "Cloud Gaming" setzt

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Games-Marketing-Chef Aaron Greenberg.

(Foto: Michael Bauer)

Auf der Gamescom stellen Tech-Hersteller ihre Neuheiten ins Schaufenster. Im Interview mit n-tv.de spricht Microsofts Games-Marketing-Chef Aaron Greenberg über preisgekrönte Titel sowie Entwicklung und Trends der Videospielbranche. Der Software-Riese will künftig mehr in "Cloud Gaming" investieren.

n-tv.de: Herr Greenberg, wie war die Gamescom für Sie bisher?

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Aaron Greenberg: Es ist toll. Letztes Jahr kamen schon über 300.000 Besucher, und die Messe wird jedes Jahr größer und größer. Wir freuen uns darüber, dass die Spieler endlich Hand an die neuesten Titel für die Xbox legen können.

Was sind für Sie die Highlights auf der Messe?

Letztes Jahr haben wir die "Xbox One X" auf den Markt gebracht - die weltweit leistungsstärkste Konsole. Dieses Jahr stellen wir Spiele von Publishern vor, die aus dieser Power einen Vorteil ziehen. Wir sind sehr auf Games mit einer 4K-Auflösung konzentriert, wie "Forza Horizon 4".

Viele Gamer haben aber keinen Fernseher, der die 4K-Auflösung unterstützt. Würden Sie nicht sagen, die Konsole ist ihrer Zeit etwas voraus?

Für Leute, die in einen 4K-Fernseher investiert haben, wollen wir Spiele liefern, damit sie dieses Erlebnis voll auskosten können. Für diejenigen, die keinen Fernseher mit dieser Auflösung besitzen, liefert die Konsole kürzere Ladezeiten, bessere Bildfrequenzen und eine bessere Performance.

Vor zehn Jahren gab es für die breite Masse noch nicht einmal HD. Die Technologie hat sich verändert genauso wie die Konsolen. Aber wie hat sich der Spieler in den letzten zehn Jahren verändert, und was wird sich in Zukunft ändern?

Die Community ist größer geworden, und die Spieler verbringen mehr Zeit mit Videospielen. Gaming als Unterhaltungsform ist insgesamt gewachsen. Wir entwickeln eine Strategie für Konsolen, PC und auch für mobile Endgeräte. In der Zukunft werden wir in "Cloud Gaming" investieren, das heißt, das Spiel muss nicht mehr lokal installiert werden. Denn wir glauben, der Spieler will qualitativ gute Titel auf jedem möglichen Gerät und von überall aus spielen.

Haben Sie nicht das Bedürfnis, auch die klassischen Spieler glücklich zu machen?

Für uns ist es wichtig, neue Spieler willkommen zu heißen, aber auch die Kernspieler zufriedenzustellen. Daher werden wir auch weiterhin in unsere größten Franchises wie "Halo", "Gears of War" oder "Forza" investieren.

Sie haben jetzt die konsolen-exklusiven Franchises genannt, mit denen Spieler auf Microsoft-Plattformen gehalten werden beziehungsweise neue Spieler angelockt werden sollen. Ist dieser Baustein wichtiger in der Unternehmensstrategie, als andere Entwickler zu fördern?

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Kunst im Spiel: Der Microsoft-Titel "Ori and the Will of the Wisps" erhielt den Gamescom-Award im Bereich "Skill und Puzzle".

Beides ist wichtig. Wir wollen natürlich eine Bibliothek an Spielen aufbauen, die wir entwickelt haben und die nur auf unseren Konsolen spielbar sind. Externe Entwickler, die Spiele zuerst auf unserer Plattform herausbringen, machen das aus technischen Gründen. Sie haben die Möglichkeit, ihren Titel in unserem "Game Preview"-Programm vorzustellen und von den Nutzern anspielen zu lassen. So bekommen sie früh im Entwicklungsprozess ein Feedback.

In diesem Jahr wurden zwei Microsoft-Spiele mit Gamescom-Awards ausgezeichnet. "Forza 4" und "Ori and the Will oft he Wisps". Das eine ist ein Racing-Titel und das andere ein modernes Jump-and-Run - eher klassische Spieletypen. Was macht beide so besonders?

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"Forza Horizon 4" soll mehr sein als nur ein Rennspiel.

"Ori" ist handgezeichnet und kommt am ehesten an die Bezeichnung "Kunst in einem Spiel" heran. Die Spielmechanik geht dann in Richtung "Metroid". Das begeistert Kernspieler, aber auch neue Gamer. Und "Forza" ist ein großes Franchise, das gerade in Deutschland sehr beliebt ist.

Die Deutschen sind auch vernarrt in Autos und Bier.

Zwei Dinge, die Deutschland so großartig machen (lacht). In vielerlei Hinsicht ist "Forza" aber mehr ein Open-World-Game als ein Rennspiel. Du kannst abseits der Strecken fahren und deine eigenen Renn-Parkours bauen und online mit anderen fahren. Es ist ein ziemliches umfassendes Spiel, das sich damit auch vom typischen Renn-Genre abgrenzt.

Aktuell scheint der Markt ja von Endzeit-Spielen überflutet zu werden. Ist das ein Trend, dem man als Entwickler folgen muss?

Es ist faszinierend zu sehen, für was sich Entwickler entscheiden und bei was sie glauben, dass es läuft. Dieses Jahr auf dem E3-Meeting hatten wir zu viele post-apokalyptische Spiele im Portfolio. Also haben wir entschieden, einige Spiele nicht in unseren Steckbrief aufzunehmen, weil sie sich zu ähnlich waren. Letztendlich entscheiden aber die Spieler. Wenn es weiter Verlangen nach solchen Spielen gibt und sie auch erfolgreich sind, dann werden wir das auch liefern. Solche Trends gibt es jedes Jahr. In diesem Jahr sind es Endzeit-Spiele und Battle-Royale-Varianten.

Wenn Sie über die Gamescom laufen, sind die Kampagnen der anderen großen Konsolenvertreiber Sony und Nintendo dann eher Inspiration oder Ansporn?

Was mir an der Gamescom gefällt: Es fühlt sich hier nicht an wie ein Wettstreit, eher wie eine Community. Hier treffen sich Führungskräfte der ganzen Branche, die zusammenarbeiten, um Gaming als Unterhaltungsform zu fördern. Wir wissen, dass die Spieler auch zu den Ständen von Sony und Nintendo laufen. Letztendlich wollen sie als Konsumenten eine tolle Show geboten bekommen und wir sind stolz ein Teil davon zu sein.

Das Interview mit Aaron Greenberg führte Michael Bauer.

Quelle: n-tv.de

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