MERICS analysiert WirtschaftspolitikChina baut Kontrolle über Lieferketten und Technologien weiter aus

China geht bei der Stärkung seiner wirtschaftlichen Sicherheit einer Studie zufolge zunehmend in die Offensive.
Die Kontrolle über kritische Branchen, Lieferketten und Technologien ist zentral für das Ziel der Kommunistischen Partei, China zu einer weitgehend eigenständigen und fortschrittlichen Industrienation zu entwickeln, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung des in Berlin ansässigen Mercator Institute for China Studies (MERICS) hervorgeht. Seit Mitte 2026 eingeführte Vorschriften hätten das Instrumentarium erheblich erweitert. Ziel sei es, die eigene Wirtschaft vor Sanktionen zu schützen, den Zugang zu ausländischen Märkten zu sichern und den Abfluss kritischer Technologien, von Wissen und Talenten zu verhindern.
Dafür komme ein breiter Mix aus rechtlichen und außergesetzlichen Maßnahmen zum Einsatz. So habe Peking etwa Exportkontrollen für Graphit, das für die Batterieproduktion wichtig ist, sowie für Technologien im Bereich Seltener Erden erlassen. Zudem werde die Bewegungsfreiheit von chinesischen Fachkräften in Schlüsselsektoren wie Halbleiter oder Künstliche Intelligenz (KI) eng überwacht. Zum Arsenal gehörten ferner eine neue "Liste bösartiger Entitäten" sowie Vergeltungsmaßnahmen gegen ausländische Firmen und Staaten.
Diese Strategie bedrohe den globalen Wettbewerb und berge für Europa das Risiko einer massiven Deindustrialisierung. Die Studie verweist auf Chinas auf 1,2 Billionen Dollar angeschwollenen Handelsüberschuss 2025 und einen Rekord von zehn Millionen exportierten Autos. Diese Überkapazitäten zeigten, wie stark chinesische Firmen auf die Weltmärkte drängten. Für Europa sei Untätigkeit daher keine Option, da dies mittelfristig zu noch größeren Abhängigkeiten und wirtschaftlichen Verwerfungen führen könne.