Langfristige Folgen befürchtetDIHK erwartet auch bei schnellem Kriegsende anhaltende wirtschaftliche Verwerfungen

Selbst im Fall einer schnellen Beendigung des Iran-Kriegs dürften die wirtschaftlichen Verwerfungen nach Einschätzung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) länger anhalten.
"Es wird Wochen dauern, Experten sagen bis zu Monaten, dass es dann wieder richtig läuft", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier in Berlin.
Treier verwies auf zerstörte Infrastruktur für die Suche nach und Förderung von Gas in der Region, Probleme beim Abtransport per Schiff und Produktionsausfälle in Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und im Irak. Mit Blick auf die Ölpreise sei es "nicht verwegen anzunehmen", dass es über einen längeren Zeitraum zu einem um 40 bis 50 Prozent höheren Niveau komme.
Man sei schnell bei einem Zuwachs der Inflationsrate von einem halben Prozentpunkt gegenüber der Situation vor dem Krieg, sagte Treier. Auch die Störungen der Lieferketten unter anderem durch die Blockade der Straße von Hormus wirke sich aus. Zudem sei Dubai als wichtiger Umschlagpunkt für Luftfracht gestört.
Das Wachstum von Deutschland als exportorientierter Volkswirtschaft leide schon seit Jahren unter Problemen im Welthandel, sagte Treier. Seit 2019 gebe es praktisch kein Wachstum. Bis zum Jahresbeginn sei das Bruttoinlandsprodukt in dieser Phase nur um 0,2 Prozent gewachsen. In der gleichen Zeit sei die Weltwirtschaft um 18 Prozent gewachsen, die USA um 16 Prozent, Italien um 6 Prozent und Frankreich um 5 Prozent.
Treier plädierte für einen Ausbau der Handelsbeziehungen mit anderen Ländern, wo immer möglich - so etwa mit Südamerika über das Mercosur-Abkommen oder über das jüngst zwischen der EU und Australien vereinbarte Freihandelsabkommen.