Gaza-KonfliktUNO fordert Zugang zum Gazastreifen zur Untersuchung geborgener Leichen

Die UNO hat den Zugang zum Gazastreifen zur Untersuchung dort geborgener Leichen gefordert.
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk verlangte, dass "internationalen Ermittlern der Zugang zu allen Teilen des Gazastreifens gestattet wird, um bei der Beweissicherung zu helfen". Die derzeit laufende Bergung sterblicher Überreste überwiegend von Frauen und Kindern in dem Palästinensergebiet verweise auf die Möglichkeit, dass dort womöglich Kriegsverbrechen begangen worden sein könnten.
Die sterblichen Überreste "ganzer Familien" würden an Orten freigelegt, "die durch israelische Angriffe dem Erdboden gleichgemacht wurden", erklärte Türk. "Ich fürchte, dass die bislang geborgenen Überreste nur die Spitze des Eisbergs sein könnten." Der UN-Menschenrechtskommissar verwies zudem darauf, dass immer noch "viele Gebiete im Gazastreifen, in denen die israelische Armee im Einsatz ist, weiterhin von Bulldozern planiert werden, ohne Respekt für die Toten unter den Trümmern".
Es sei entscheidend, Beweise für Rechtsverletzungen zu sichern, auch an zerstörten Orten. Dabei müsse jede Anstrengung unternommen werden, "um diese Opfer zu dokumentieren und zu identifizieren, forensische Informationen und biologische Proben zu sichern, ihre Begräbnisorte zu erfassen und ihre Familien zu informieren", forderte Türk.
Nach Angaben des von der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas kontrollierten Zivilschutzes im Gazastreifen wurden seit dem vergangenen November mehr als 630 Leichen geborgen. Türks Büro zufolge schätzt der Zivilschutz die Gesamtzahl der unter den Trümmern Vermissten auf mehr als 8000.
Die islamistische Hamas und ihre Verbündeten hatten bei ihrem Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 mehr als 1200 Menschen getötet, 251 wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte mit massiven Angriffen im Gazastreifen, bei dem nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mehr als 73.000 Menschen getötet wurden.