Wirtschaft

Großvermieter mit "Verständnis" Adidas rudert bei Zahlungsstopp teils zurück

Wegen der Corona-Krise muss Adidas auf der ganzen Welt Filialen dicht machen. Die Lösung aus Sicht des Sportartikelherstellers: Keine Miete mehr zahlen. Dafür gibt es heftige Kritik. Nun rudert das Unternehmen teilweise zurück.

Adidas will den privaten Vermietern seiner Filialen ungeachtet der Schließungen in der Corona-Krise nun doch unverändert die Miete zahlen. "Wir haben sie ausgenommen, sie werden ihre April-Miete wie gewohnt erhalten", sagte Unternehmenschef Kasper Rorsted der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die meisten eigenen Geschäfte würden aber von großen Immobilienvermarktern und Versicherungsfonds angemietet. Diese hätten für die Maßnahme, die Mietzahlungen vorläufig einzustellen, "überwiegend Verständnis gezeigt".

Rorsted reagierte damit auf scharfe Kritik an den Plänen des Sportartikelherstellers. Nach seinen Angaben kann der Konzern derzeit weltweit nur in drei Ländern normal seinem Geschäft nachgehen: "Damit wurde auf einen Schlag fast unser gesamter Vertrieb eingestellt; wir erwirtschaften, wenn man den Onlinehandel abzieht, normalerweise 60 Prozent unseres Umsatzes in diesen Märkten, der ist einfach weg."

Unter anderem hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil das Verhalten von Adidas, aber auch Unternehmen wie H&M als "unverantwortlich" kritisiert. "Ich habe dafür kein Verständnis", sagte Heil dem "Handelsblatt". Adidas habe in den vergangenen Jahren hohe Gewinne erzielt. "Jetzt müssen alle die Krise gemeinsam schultern. Alle sind gefordert, sich nicht wegzuducken."

Scharfe Kritik kam auch vom Verband Haus & Grund. Wenn große Unternehmen wie Adidas, Deichmann und andere jetzt reihenweise ihre Ladenmieten nicht mehr bezahlten, sei das ein Dammbruch, sagte Verbandspräsident Kai Warnecke.

In Deutschland sind Mieter von Wohn- und Geschäftsräumen zwar weiterhin verpflichtet, ihre Mieten zu zahlen. Jedoch kann ihnen wegen eines Notgesetzes in der Corona-Krise bei Zahlungsrückständen aus dem Zeitraum 1. April bis 30. Juni 2020 zunächst nicht gekündigt werden. Sollte die Epidemie länger dauern, könnte dieser Zeitraum auch verlängert werden. Mit dem Notfallgesetz will die Politik verhindern, dass Wohnungsmieter ihr Zuhause verlieren und Ladenmieter ihre berufliche Existenz.

Um das Unternehmen zu entlasten, will Adidas in den kommenden Tagen Kurzarbeit für Produktion, Lager sowie Mitarbeiter in den selbst betriebenen Läden beantragen. Sollten die Einschränkungen mehrere Wochen andauern, erwartet Rorsted "schlimmere Verwerfungen als in der Finanzkrise 2008/2009".

Quelle: ntv.de, chr/AFP/rts