Wirtschaft
Gemeinsam wollten Etihad und Air Berlin einst die Luftfahrt-Welt erobern.
Gemeinsam wollten Etihad und Air Berlin einst die Luftfahrt-Welt erobern.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 06. März 2018

Milliardensumme angepeilt: Air-Berlin-Gläubiger verklagen Etihad

Überraschend und entgegen einer Zusage dreht Etihad der defizitären Air Berlin im Sommer 2017 das Geld ab. Der deutschen Fluglinie bleibt nur die Insolvenz. Ihre Gläubiger wollen sich nun das Geld vor Gericht mithilfe eines Prozessfinanzierers zurückholen.

Für die arabische Fluggesellschaft Etihad hat die Insolvenz von Air Berlin ein juristisches Nachspiel. Die Gläubiger der ehemals zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft haben nach Informationen aus ihrem Umfeld beschlossen, Etihad auf Schadenersatz zu verklagen. Insolvenzverwalter Lucas Flöther hofft im besten Fall auf eine Milliardensumme. Er wirft Etihad vor, seine Finanzierungszusage an Air Berlin nicht eingehalten zu haben.

Video

Etihad hatte schriftlich zugesagt, die defizitäre Fluglinie für weitere 18 Monate finanziell über Wasser zu halten, aber nach vier Monaten die Reißleine gezogen. Daraufhin musste Air Berlin im August 2017 Insolvenz anmelden.

Der Gläubigerausschuss habe am Montagabend grundsätzlich beschlossen, die Schadenersatzklage voranzutreiben, erklärt ein Insider. Flöther habe mehrere Gutachten in Auftrag gegeben, die zu dem Schluss kommen, dass es sich bei der Zusage von Etihad um eine "harte Patronatserklärung" handele, die nicht einfach zurückgezogen werden könne.

Etihad war mit 29 Prozent größter Aktionär von Air Berlin und hatte das Unternehmen darüber hinaus über Jahre mit Milliarden gestützt. Ohne die Zusage wäre Air Berlin mutmaßlich schon früher Pleite gewesen.

Mehrere Prozessrisiken

Mit dem vor Gericht erstrittenen Geld von Etihad könnte ein größerer Teil der Gläubigerforderungen beglichen werden. "Die Ansprüche gegen Etihad sind potenziell der wichtigste Vermögenswert im Verfahren", sagte Flöther der "Süddeutschen Zeitung". Ohne den Prozess würden die meisten Gläubiger nach derzeitigem Stand völlig leer ausgehen.

Doch das Verfahren birgt auch Risiken. Zum einen muss der Prozess extern vorfinanziert werden, weil Flöther die dafür nötigen fünf Millionen Euro nicht hat. Dem Insider zufolge versucht er im Auftrag des Gläubigerausschusses, über eine Ausschreibung einen Prozessfinanzierer zu finden. Im Erfolgsfall kassieren diese Unternehmen in der Regel 20 bis 30 Prozent der Schadenssumme. Zudem ist unklar, wo das Verfahren stattfinden würde: Einem Gutachten zufolge wäre ein Prozess in Deutschland, aber auch in London denkbar, dem Firmensitz der Air Berlin plc. Auch Abu Dhabi als Sitz von Etihad kommt infrage.

Flöther und Air Berlin wollten die Berichte nicht kommentieren. Das Insolvenzverfahren sei nicht öffentlich, hieß es. Auch Etihad wollte bisher keine Stellung beziehen.

Quelle: n-tv.de