Wirtschaft

Bund verbockt Airline-Rettung Air Berlins Gläubiger sind die Dummen

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Die Bruchlandung war programmiert.

(Foto: dpa)

Bei der Air-Berlin-Pleite wurden die Steuerzahler geprellt, Kunden abgezockt und potenzielle Käufer an der Nase herumgeführt: Die meisten werden ihr Geld nie wiedersehen.

Die Bruchlandung von Air Berlin allein war schon schlimm genug. Doch auch die Abwicklung der einst stolzen Fluglinie läuft katastrophal. Auf der zweitägigen Gläubigertagung in Berlin wollen Insolvenzverwalter Lucas Flöther und der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus zumindest etwas Licht ins Dunkel bringen. Schon jetzt ist klar: Viel zu erwarten haben die Gläubiger nicht.

Air Berlin
Air Berlin ,01

Die Kassen der Airline sind leer. Großaktionär Etihad hatte sie schon Jahre vor der Pleite nur noch mit Bürgschaften am Himmel gehalten. Als Etihad Mitte August den Stecker zog, folgten monatelanges Hickhack um Schulden und Staatsbürgschaft, Ticket-Chaos für Passagiere und zu guter Letzt noch der Gau mit Niki, als das Landgericht Berlin die Insolvenz der Airline-Tochter nach Österreich verlegte.

Mehr als ein paar Krumen werden für die Gläubiger nicht abfallen. Und selbst dafür müssen sie noch streiten. Große Teile von Air Berlin wurden zwar an Lufthansa und Easyjet verkauft. Das bedeutet aber nicht, dass alle von dem Geld etwas bekommen.

Was aus der Verwertung in die Insolvenzkasse fließt, landet als erstes beim größten Gläubiger, dem Staat. Und selbst hier wird die Pleite Löcher reißen. Insgesamt 150 Millionen Euro hatte Berlin zugebuttert, um den Betrieb von Air Berlin aufrechtzuhalten. Insider prognostizieren, dass maximal die Hälfte davon, also 75 Millionen Euro, zurückfließen werden.

Niki als Pfand hinterlegt

Schuld daran ist der Staat selbst. Mit seinem Plan, Niki als Pfand für den Kredit an Air Berlin zu nehmen, hat er sich verzockt. Erst ließen die EU-Wettbewerbshüter der Verkauf an Lufthansa platzen, was Niki nach Air Berlin auch noch in die Pleite ritt. Und danach stoppte ein Gericht den Verkauf an die britisch-spanische Airline-Holding IAG. Jetzt geht Niki voraussichtlich zurück an ihren Gründer Niki Lauda.

Ob der Steuerzahler von dem Verkaufserlös von Niki jetzt noch einen Cent sehen wird, ist fraglich. Bei dem vom Bund verbürgten Kredit der KfW an Air Berlin gebe es ein "reales Risiko" für einen Teilausfall, räumte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries bereits im Dezember ein. Dieses Risiko ist allenfalls noch größer geworden.

Zwar will der Bund "unter Beachtung der Vorschriften der Bundeshaushaltsordnung alles tun, um den Schaden für den Steuerzahler zu begrenzen", wie es in einer offiziellen Stellungnahme der Regierung heißt. Fakt ist aber: Bis zum 9. Januar erhielt sie lediglich Rückzahlungen in Höhe von rund 61 Millionen Euro. Berlins Plan, die Lufthansa als nationalen Champion zu installieren, kommt den Steuerzahler teuer zu stehen.

Wende für Lufthansa und IAG

Für die übrigen Gläubiger sieht es noch schlechter aus. Den Schaden durch den Verschiebebahnhof beim Air-Berlin-Verkauf haben nur die einst mit 109 Millionen Euro bewertete - damals flugfähige - Niki, sondern auch die beiden großen Kaufinteressenten: Lufthansa (70 Millionen Euro) und IAG (16,5 Millionen Euro) investierten zweistellige Millionen-Summen, um Niki in der Luft zu halten. Dieses Geld dürfte ebenso versenkt sein. Lufthansa hat sich beim Leichenschmaus dafür an anderen Stellen schadlos gehalten.

Am meisten geschröpft werden Anleihe-Gläubiger und Passagiere. Selbst die etwa 200.000 Käufer des größten Air-Berlin-Bonds mit sagenhaften 8,25 Prozent Zinsen dürfen kaum hoffen. Weitere Anleihen im Volumen von rund 480 Millionen Euro, die in Großbritannien aufgelegt und häufig von Hedgefonds gekauft wurden, haben eine große Londoner Kanzlei hinter sich. Aber auch ihre Chancen stehen schlecht.

Geprellte Kunden, die ihre bereits bezahlten Flüge nicht mehr antreten konnten, versuchen ebenfalls an ihr Geld zu kommen. Ein findiger Berliner Anwalt organisiert eine Sammelklage gegen das Luftfahrtbundesamt. Seiner Ansicht nach hätte es früher eingreifen müssen. "Das Luftfahrtbundesamt hat seine Amtspflicht verletzt und hätte spätestens im Frühjahr nach Veröffentlichung der ersten Air Berlin Quartalszahlen für 2017 einschreiten müssen", ist sich Lothar Müller-Güldemeister sicher.

Forderungen an Luftfahrtbundesamt und Etihad

Die Bundesbehörde muss regelmäßig prüfen, ob Fluggesellschaften wirtschaftlich noch in der Lage sind, die vorbezahlten Leistungen für Flugtickets auch tatsächlich zu erbringen. Möglicherweise geschah dies zu spät. Ende 2016 beliefen sich die Schulden von Air Berlin auf 781,9 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2017 kamen weitere 293,3 Millionen Euro hinzu. Trotzdem verkaufte die Airline weiter fleißig Tickets. Sechs Wochen vor der Pleite hatten die Buchungen ein Volumen von 856 Millionen Euro.

Gewinnt Müller-Güldemeister, bekommt er ein Drittel der erstrittenen Entschädigung und seine Mandanten zwei Drittel. Auch für dieses Geld muss der Steuerzahler im Ernstfall geradestehen. Insgesamt geht es um einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe. Verliert Müller-Güldemeister, müssen ihm seine Kunden nichts bezahlen.

Auf der zweitägigen Veranstaltung in Berlin wollen die Gläubiger auch über einen Antrag abstimmen, Geld von Etihad zu fordern. Der Ex-Großaktionär soll insbesondere für die geplatzten Anleihen von Air Berlin aufkommen, heißt es. Die Gläubigervertreter berufen sich darauf, dass Etihad weitgehende Garantien für Air Berlin abgegeben und dann gebrochen hat. Noch im April 2017 bekundete die Golf-Airline schriftlich, Air Berlin weitere 18 Monate zu unterstützen. Zuletzt hieß es, die erhobenen Forderungen gegen Etihad könnten sich auf 1,5 bis 2 Milliarden Euro summieren. Air Berlin könnte sich damit auch für Etihad als noch größeres Milliardengrab entpuppen.

Quelle: n-tv.de

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