Wirtschaft

Pleite lässt fast alle bluten Lufthansa ist auch ohne Niki fein raus

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Der nationale Champion Deutsche Lufthansa kommt die Bundesregierung teurer als geplant zu stehen.

(Foto: picture alliance / Boris Roessle)

Lufthansa bläst den Kauf der Air-Berlin-Tochter Niki ab. Es folgt Chaos: Tausende Passagiere stranden, Beschäftigte bangen um ihre Jobs, Steuergeld ist vermutlich futsch. Nur die Kranich-Airline profitiert.

Es ist eine Pleite wie ein Paukenschlag: Die österreichische Niki, die eigentlich als Perle im Nachlass der bankrotten Fluggesellschaft Air Berlin galt, ist genauso am Ende wie ihre Mutter. Der Schock sitzt tief. "Kurz vor Weihnachten die Niki mit 28 Flugzeugen in die Insolvenz zu schicken, ist eine harte Sache", sagte Gründer Niki Lauda nach dem plötzlichen Rückzug der Kaufinteressentin Lufthansa.

Niemand hatte mehr mit einer Bruchlandung bei der Übernahme durch die Kranichlinie gerechnet. Lufthansa war immerhin bei Air Berlin zum Zuge gekommen. Die Kritik am Konzern, alles einzusammeln, was vom Himmel fällt, um sein Monopol auszubauen, war im Laufe der Monate verstummt. Zwar äußerte die europäische Monopolkommission bei Niki weiterhin Bedenken, gehört wurden diese aber nicht. Die Erwartungen waren umso höher: "Die Lufthansa wäre der Wunschpartner, da ist langfristiges Engagement erkennbar", hoffte Niki-Betriebsrat Stefan Tankovits noch wenige Stunden bevor die deutsche Airline Niki fallen ließ.

Dass hier offenbar eher der Wunsch Vater des Gedankens war, hat nun fatale Folgen: Bis zu 60.000 Passagiere haben schon diesen Donnerstag kein gültiges Ticket mehr oder sitzen am Flughafen fest. 1000 Mitarbeiter - rund 790 Beschäftigte in Österreich und 210 in Deutschland -  blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Sollte sich auf die Schnelle kein neuer Investor finden, müssen sich Piloten und Flugbegleiter neue Jobs suchen. Es beginnt eine noch schlimmere Zitterpartie als zuvor. Denn laut Insolvenzverwalter Lucas Flöther hat die Airline nur noch "ein paar Tage Zeit", einen neuen Investor zu finden.

Hat sich Berlin verzockt?

Auch die Bundesregierung spürt das Niki-Beben. Die Strategie, die insolvente Air Berlin der Lufthansa zuzuschustern, entpuppt sich plötzlich als teure Luftnummer. Das ist blamabel für Berlin. Ex-Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte unbedingt einen nationalen Champion schaffen wollen. Auch Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte sich für diese Lösung ausgesprochen. Der Preis dafür: Ein Teil des Staatskredits von 150 Millionen Euro an Air Berlin ist nun wahrscheinlich futsch. Wieder einmal bleibt der Steuerzahler auf der Rechnung sitzen.

Der Bund werde "alles" tun, den Schaden für den Steuerzahler zu begrenzen, versuchte Regierungssprecher Steffen Seibert zu beschwichtigen. Wie das gehen soll, ließ er jedoch nicht wissen. Dafür hagelt es nun erst recht Kritik. "Nun endet der Lufthansa-Lobbyismus von Merkel, Dobrindt & Co. mit einer Bruchlandung", erklärte die Grünen-Wirtschaftspolitikerin Katharina Dröge. Ähnliche Kritik gibt es aus den Reihen der FDP: Die schwarz-rote Bundesregierung hätte einen Überbrückungskredit für Air Berlin frühzeitig ausschließen müssen.

Niki Lauda nimmt zweiten Anlauf

Die Verlierer des geplatzten Deals können jetzt nur auf einen neuen Kaufinteressenten hoffen. Und der könnte Niki Lauda sein. Der ehemalige Formel-1-Weltmeister hat zum zweiten Mal den Finger gehoben: "Natürlich bin ich immer noch an Niki interessiert." Lauda hatte zusammen mit Condor den Hut in den Ring geworfen, aber gegen Lufthansa den Kürzeren gezogen. Jetzt hofft er auf ein besseres Geschäft. Auf die Frage, wie viel Geld er für einen Neustart für Niki in die Hand nehmen würde, sagte Lauda: "Der Preis, den man für eine insolvente Airline zahlen muss, ist niedriger als der für eine, die noch fliegt."

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Auch Österreichs Regierung geht in die Spur, um zu retten, was zu retten ist. "In Sachen Niki braucht es eine Lösung, die möglichst viele heimische Arbeitsplätze sichert und gerade jetzt, in der anstehenden Reisezeit rund um Weihnachten, Chaos für die Kundinnen und Kunden vermeidet", sagte ein Sprecher des Wiener Verkehrsministeriums. Die Lösung werde in enger Abstimmung mit der EU-Kommission und Deutschland zu finden sein. Mehr ließ die Regierung auch noch nicht durchblicken.

Die Einzige, die von diesem Chaos profitiert, ist Lufthansa: Die Airline hat sich nicht nur bereits einen Großteil der 90 Flugzeuge von Air Berlin gesichert, indem sie mit den Leasingpartnern neue Verträge abgeschlossen hat. Sie kann nach dem geplatzten Niki-Deal auch die Start- und Landerechte, die sie aus wettbewerbsrechtlichen Gründen bereit war abzutreten, einsammeln. Die Slots werden nach einem feststehenden Schlüssel neu verteilt: Airlines mit starken Positionen an einem Airport - zu denen auch Lufthansa zählt - erhalten automatisch 50 Prozent dieser Rechte. Und es kommt noch besser: Bei den übrigen 50 Prozent, die an andere Airlines gehen, können sich nun die Lufthansa-Töchter Austrian, Brussels oder Swiss bedienen.

Der bessere Deal für Lufthansa

Auch bei den Kosten für die Air-Berlin-Übernahme macht der Konzern nun seinen Schnitt: Ursprünglich wollte er 230 Millionen Euro zahlen. Bis zu 200 Millionen sollten an Niki gehen, der Rest an die kleinere Regionalfluggesellschaft LGW. Den größeren Posten hat sie sich nun gespart.

Und auch von der Not der Beschäftigten profitiert Lufthansa. Geht Niki pleite, braucht Lufthansa die Piloten aus Österreich, die neue Jobs suchen, auch nur noch einzusammeln - und das zu einem guten Preis, denn Niki zahlt niedrigere Löhne. Auch wenn Lufthansa bereits seit Wochen Geld in die österreichische Airline gepumpt hat, kann Spohr mit der Entwicklung also ganz zufrieden sein.  

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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