Wirtschaft

Viele Probleme mit Zulieferern Airbus und Boeing kämpfen mit Auftragslage

Boeing und Airbus haben ihre eigenen Nachfrageprognosen für die nächsten Jahre angehoben. Ihre Auftragslage haben die Flugzeughersteller vor allem der gestiegenen Nachfrage nach Flugreisen zu verdanken.

Boeing und Airbus haben ihre eigenen Nachfrageprognosen für die nächsten Jahre angehoben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Boeing und Airbus haben so viele Bestellungen für neue Flugzeuge in den Büchern, dass sie es kaum schaffen, alle pünktlich zu liefern. Die Hersteller bekommen es deshalb zunehmend mit wütenden Kunden und aufgeschobenen Zahlungen zu tun.

Airbus hat in diesem Jahr bisher weniger Flugzeuge ausgeliefert als im Vorjahreszeitraum, obwohl das Unternehmen seinen Kunden 80 Maschinen mehr versprochen hat. Airlines müssen deshalb Alternativen finden, ihre Routen ändern oder Flüge absagen. Da Flugzeuge in der Regel bei Lieferung bezahlt werden, bleiben bei den Flugzeugbauern viele Zahlungseingänge aus. Das hat den Cashflow von Airbus in diesem Jahr belastet.

Boeing hat bisher keine Liefertermine verpasst und verspricht, auch weiterhin pünktlich zu liefern. Das Unternehmen kämpft jedoch mit den gleichen Zuliefererproblemen wie Airbus. Vor allem fehlen Triebwerke. Boeing will dieses Jahr erstmals 800 Maschinen ausliefern, bis Ende des Jahrzehnts sogar 900 pro Jahr.

Airbus lässt derzeit die skandinavische Fluglinie Primera Air auf bestellte Maschinen vom Typ A321neo warten, weil Triebwerke des Herstellers CFM International fehlen. Die Firma ist ein Joint Venture von General Electric und Safran. Primera musste bereits die Einführung neuer Routen, zum Beispiel zwischen New York und Birmingham, verschieben. British Airways wartet aus demselben Grund auf Maschinen vom Typ A320neo.

Willie Walsh, Chef des Mutterkonzerns International Consolidated Airlines Group, sagt, dass er "von der Leistung von Airbus sehr enttäuscht" sei. Er muss derzeit Flugzeuge mieten und ältere, weniger effiziente Modelle aus der eigenen Flotte einsetzen, bis die neuen Maschinen eintreffen. CFM ist derzeit bis zu sieben Wochen in Verzug. Das Unternehmen hole jetzt jedoch auf und werde vor Jahresende wieder im Plan liegen, sagt Sébastien Imbourg, Executive Vice President des Triebwerksherstellers.

Boom bei Flugreisen lässt Auftragsbücher anschwellen

Boeing
Boeing 367,00

Boeing hat auch mit Lieferproblemen bei Triebwerken zu kämpfen, in diesem Fall für den Flugzeugtyp 737 Max, konnte bisher jedoch alle Maschinen pünktlich fertigstellen. Beiden Herstellern fehlen auch Komponenten für den Bau von Flügeln und Flugzeugrümpfen, die von Spirit Aerosystems hergestellt werden. Spirit hat selbst Probleme in der Lieferkette.

Boeing und Airbus, die beiden größten Flugzeughersteller auf dem Markt, könnten dieses Jahr zusammen 1.600 Flugzeuge ausliefern. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2000. Bei der Farnborough Air Show in dieser Woche dürften ihre Auftragsbücher noch weiter anschwellen. Wegen der starken Nachfrage versuchen sie schon seit Jahren, ihre Lieferketten effizienter zu gestalten.

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Airbus 135,00

Boeing-Chef Dennis Muilenburg hat gerade die branchenweite Nachfrageprognose für die nächsten 20 Jahre von 41.000 im vergangenen Jahr auf 43.000 Verkehrsflugzeuge im Wert von 7 Billionen Dollar angehoben. Airbus hat eigene Prognosen zuletzt ebenfalls angehoben. Ihre Auftragslage haben die Flugzeughersteller vor allem der gestiegenen Nachfrage nach Flugreisen zu verdanken.

2018 könnte das Passagieraufkommen das neunte Jahr in Folge steigen. Der Branchenverband IATA rechnet damit, dass dieses Jahr 4,4 Milliarden Passagiere Flugreisen antreten werden. 2010 waren es nur 2,7 Milliarden. Wegen höherer Ölpreise wollen Airlines auch ihre Flotten modernisieren, um weniger Treibstoff zu verbrauchen.

Zulieferer geben eigenen Zulieferern Schuld

Den Zulieferern fällt es jedoch schwer, bei dieser Entwicklung mitzuhalten. Zu einem Zeitpunkt in diesem Jahr warteten bei Airbus über 100 fast fertige Maschinen lediglich auf die Triebwerke. Airbus-Chef Tom Enders sagte diesen Monat, dass es "machbar", aber "schwer" sei, das Jahresproduktionsziel noch zu erreichen.

Airbus bezieht Triebwerke für den beliebten A320neo von zwei Zulieferern, die beide mit Problemen zu kämpfen haben. CFM liegt bis heute nicht im Plan, berichtet Airbus. Safran-Chef Philippe Petitcolin gibt die Schuld an den Verzögerungen den eigenen Zulieferern für Metallteile. Diesen Sommer wolle das Unternehmen jedoch aufholen.

Außerdem kauft Airbus Triebwerke von Pratt & Whitney, einer Sparte von United Technologies. Pratt & Whitney hat nach eigenen Aussagen Bestellungen zurückgehalten, weil man zuerst Designprobleme beheben wollte, die zu einem frühzeitigen Komponentenausfall geführt hatten. Inzwischen liefere Pratt & Whitney jedoch pünktlich, berichtet Airbus.

Spirit Aerosystems hat Flugzeugteile für Maschinen des Typs A350 vorübergehend sogar per teurer Luftfracht an die schottischen Fabriken geschickt, um pünktlich zu sein, sagt Scott McLarty, Vice President für Großbritannien und Malaysia bei Spirit. Jetzt, da das Unternehmen wieder aufgeholt hat, schickt es Komponenten wieder mit dem Schiff. "Die Arbeit besteht heute nicht nur darin, eine Fabrik zu betreiben, sondern auch darin, die ganze Lieferkette zu managen", sagt McLarty.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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