Wirtschaft

Ablösung bei der Deutschen Bank? Aktionäre wollen wohl Achleitner loswerden

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Hat offenbar nicht den nötigen Rückhalt: Paul Achleitner.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bis 2022 läuft das Mandat von Aufsichtsratschef Achleitner. Doch einem Medienbericht zufolge sind einflussreiche Aktionäre der Deutschen Bank derart unzufrieden mit dessen Arbeit, dass sie sich noch in diesem Jahr um einen Nachfolger bemühen.

Großaktionäre der Deutschen Bank setzen sich einem Medienbericht zufolge für eine vorzeitige Ablösung von Aufsichtsratschef Paul Achleitner ein. Es gebe "konkrete Gedankenspiele", Achleitner vor Ablauf seiner Amtszeit 2022 zu ersetzen, berichtet der "Spiegel" ohne konkrete Angaben von Quellen. Noch sei mit keinem potenziellen Kandidaten gesprochen worden, zum Jahreswechsel allerdings dürfte die Suche intensiviert werden.

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Wie das Magazin weiter schreibt, werde eine Persönlichkeit mit internationalem Netzwerk, besten Drähten zu Politik, Wirtschaft und Aufsichtsbehörden in Deutschland sowie hoher Glaubwürdigkeit an den Kapitalmärkten gesucht. Dieses Profil treffe etwa auf Nikolaus von Bomhard zu, den Aufsichtsratschef des Rückversicherers Munich Re. Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann sei genannt worden. Die Bundesbank lehnte einen Kommentar ab. Von Bomhards Büro war ebenfalls nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Deutsche Bank erklärte, Nachfolgefragen im Aufsichtsrat seien klar geregelt und würden durch den Nominierungsausschuss vorbereitet.

Achleitner sitzt dem Kontrollgremium seit 2012 vor. Er steht bei vielen Aktionären in der Kritik. Ihm wird etwa angelastet, keine glückliche Hand bei Personalentscheidungen gehabt zu haben und viel zu lange am riskanten Investmentbanking festgehalten zu haben. Bei der letzten Hauptversammlung wurde er mit nur 71,6 Prozent des anwesenden Kapitals entlastet, kein Aufsichtsratsmitglied erhielt weniger Zuspruch. Einen Rückzug hatte er ausgeschlossen.

Sewing sitzt offenbar fest im Sattel

Im Aufsichtsrat der Deutschen Bank gab es zuletzt Veränderungen: So wechselte der Jurist Stefan Simon in den Vorstand des Instituts und wurde im Kontrollgremium ersetzt von Dagmar Valcarcel. Neu zieht dort der ehemalige UBS-Vorstand Jürg Zeltner ein, der den Briten Richard Meddings ablöst. Zeltner ist Chef der Luxemburger Privatbankengruppe KBL European Private Bankers, hinter der die katarische Herrscherfamilie Al-Thani steht. Diese ist wiederum Großaktionär bei der Deutschen Bank. Auch Simon galt als Vertrauter des Scheichs.

Der aktuelle Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, der Tausende Stellen streicht und das Investmentbanking stutzt, hat dem "Spiegel" zufolge die Rückendeckung der mächtigsten Investoren. Zeige seine Strategie ab kommendem Jahr keinen Erfolg, werde auch Sewing unter Druck geraten, zitiert das Blatt aus einem "Investorenkreis".

Sewing ist bereits der vierte Chef der Bank, seit Achleitner vor sieben Jahren den Vorsitz des Aufsichtsrats übernahm. In dieser Zeit verlor der Aktienkurs der Deutschen Bank rund 70 Prozent. Die Erträge der Bank sanken, die digitale Infrastruktur gilt als veraltet und hohe Boni für Mitarbeiter trotz Verlusten liefern viel Angriffsfläche.

Quelle: n-tv.de, fzö/rts/AFP

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