Wirtschaft

Gewaltpläne von Trump-Anhängern Amazon schaltet Parler offline

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Parler ist derzeit nicht zu erreichen.

(Foto: imago images/Hans Lucas)

Viele Trump-Anhänger, die sich von Netzwerken wie Twitter oder Facebook gegängelt fühlten, sind in den letzten Monaten zu Parler umgezogen. Auf der Plattform können sich auch Radikale ungebremst austoben. Nach Google verbietet nun auch Apple den Download. Amazon zieht dem Dienst den Stecker.

Amazon hat den umstrittenen Nachrichtendienst Parler abgeschaltet. Der Handelsriese löschte den Dienst, der überwiegend von radikalen Trump-Anhängern genutzt wird, am Vormittag aus seinem Cloud-Dienst Amazon Web Services (AWS). Damit werde Parler vorübergehend zumindest so lange offline sein, bis man einen neuen technischen Anbieter gefunden habe, schrieb der Gründer des Netzwerkes, John Matz. Nach dem gewaltsamen Sturm auf das US-Kapitol hatten bereits die Tech-Giganten Google und Apple Parler aus ihren App-Stores verbannt.

In einem Brief an Parler schrieb Amazon, dass das Netzwerk nicht schnell genug gegen Inhalte auf der Plattform vorgegangen sei, in denen zur Gewalt aufgerufen wird. "Wir haben eine stetige Zunahme dieser Inhalte auf Ihrer Website gesehen, die alle unsere Nutzungsbedingungen verletzen", hieß es in dem Schreiben. Angesichts der Ausschreitungen im US-Kapitol am Mittwoch bestehe ein "ernsthaftes Risiko, dass diese Art von Inhalten weiter zur Gewalt anstacheln wird."

Laut Parler-Gründer Matz könnte Parler nun "bis zu einer Woche" nicht verfügbar sein, bis ein anderer Cloud-Anbieter gefunden ist. "Wir werden unser Bestes tun, um sofort zu einem neuen Anbieter zu wechseln", schrieb er in seinem Profil.

Kein Download mehr möglich

Apple und Google hatten den Nachrichtendienst mit derselben Begründung ausgeschlossen. Parler habe gegen die App-Store-Bedingungen verstoßen, hieß es in einer Nachricht von Apple an das Unternehmen, über die der TV-Sender CNN berichtet. Im Play-Store von Google und im App-Store von Apple ist somit der Download der Nachrichten-App blockiert. Apple verwies auf Beiträge von Nutzern, die einen weiteren bewaffneten Protest in Washington planen.

"Die Prozesse, die Parler eingerichtet hat, um die Verbreitung von gefährlichen und illegalen Inhalten zu moderieren oder zu verhindern, haben sich als unzureichend erwiesen", bemängelte Apple. Insbesondere habe man weiterhin direkte Gewaltandrohungen und Aufrufe zur Anstiftung zu gesetzwidrigen Handlungen gefunden, die gegen die Richtlinien verstießen. Parler sei aus dem App-Store entfernt worden, bis die Probleme gelöst seien.

Ein Google-Sprecher hatte sich am Freitag ähnlich geäußert. Die Richtlinien von Google verlangten, dass Apps mit nutzergenerierten Inhalten über eigene Richtlinien verfügten, um "Inhalte wie Beiträge, die zur Gewalt aufrufen, (zu) entfernen", hieß es. Angesichts der anhaltenden und akuten Bedrohung der öffentlichen Sicherheit werde Parler nicht mehr verfügbar sein, bis diese Probleme behoben seien.

Parler-Chef beruft sich auf Redefreiheit

Parler ist ein soziales Netzwerk, zu dem viele Trump-Anhänger gewechselt sind, nachdem sie von Diensten wie Twitter ausgeschlossen wurden. Twitter hatte am Freitag Trumps privaten Account dauerhaft gesperrt. Drei Tage nach dem Sturm aufs Kapitol durch Trump-Anhänger begründete der Kurznachrichtendienst den Schritt damit, dass Trumps jüngste Tweets das Risiko einer weiteren Anstiftung zur Gewalt erkennen ließen.

Der Geschäftsführer von Parler, John Matze, kritisierte auf seiner Plattform laut CNN, Apple werde Parler verbieten, "bis wir die freie Meinungsäußerung aufgeben, breite und invasive Richtlinien wie Twitter und Facebook einführen und wir eine Überwachungsplattform werden". Parler beschreibt sich selbst als "unvoreingenommenes" Medium, das die Redefreiheit unterstützt und sich auf den Schutz der Rechte der Nutzer konzentriert.

US-Medienberichten zufolge wurden die gewalttätigen Proteste von Trump-Anhängern am Mittwoch, die in der Erstürmung des Kapitols in Washington gipfelten, maßgeblich über Apps wie Parler organisiert. Personen in Trumps Umfeld hatten Parler immer wieder als Alternative zu Twitter oder Facebook beworben, die angeblich konservative Ansichten unterdrückten. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, erklärte Ende Juni auf Twitter, sie habe sich ein Konto bei Parler eingerichtet, weil sie die Nase voll davon gehabt habe, dass Konservative auf anderen Plattformen "zensiert" würden.

Quelle: ntv.de, ino/chr/dpa/rts