Wirtschaft

450 Atomkraftwerke weltweit Asien treibt Ausbau der Atomenergie voran

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Das Daya-Wan-Kernkraftwerk in der Provinz Guangdong ist eines von 23, die China zurzeit betreibt. 26 weitere befinden sich im Bau - die chinesische Führung will damit unter anderem die Luftverschmutzung bekämpfen.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Deutschland soll es nur noch wenige Jahre dauern, bis alle Atomkraftwerke vom Netz sind. Andere Teile der Welt sind der Kernkraft gegenüber dagegen deutlich aufgeschlossener. Die Atomenergiebehörde prophezeit ein anhaltendes Wachstum.

Der weltweite Ausbau der Atomenergie schreitet trotz des niedrigen Ölpreises und der zunehmenden Konkurrenz durch erneuerbare Energien voran. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) rechnet in einer neuen Studie mit einer Zunahme der Kapazitäten bis 2030 um mindestens 1,9 Prozent. Demnach steigt die Leistungsfähigkeit der Kraftwerke nach einer konservativen Schätzung weltweit von insgesamt 382 Gigawatt im Jahr 2015 auf mehr als 390 Gigawatt im Jahr 2030. Wächst die Weltwirtschaft auf ihrem aktuellen Niveau weiter, könnten es gar 598,2 Gigawatt werden.

An der Spitze der Bewegung stehen der Studie zufolge China und Südkorea - von derzeit 93,8 Gigawatt Leistung würden ihre Kapazitäten vorsichtig geschätzt künftig auf mehr als 132 Gigawatt steigen. Auch in Nahost und Südasien seien Steigerungen von derzeit 6,9 Gigawatt auf 27,7 Gigawatt zu erwarten. In dieser Region ist Indien das Zugpferd.

Angesichts der Überalterung des weltweiten Parks von 450 AKW geht die IAEA davon aus, dass in den kommenden 15 Jahren etwa 150 Gigawatt durch neugebaute AKW hinzukommen. Mehr als die Hälfte der derzeit laufenden Kernkraftwerke sind nach Angaben der Organisation älter als 30 Jahre und stehen langfristig vor der Abschaltung.

Deutschland schwimmt gegen den Strom

In Osteuropa befinden sich derzeit neun Reaktoren in Bau - sieben in Russland und zwei in Weißrussland. Dennoch erwartet die IAEA wegen des deutschen Atomausstiegs einen leichten Rückgang der Atomkraft. Derzeit beziffert die Behörde die Kapazitäten auf 50,5 Gigawatt, sie rechnet mit einem Rückgang bis 2030 auf 49,9 Gigawatt.

Betrachtet man nur Westeuropa, fällt der Rückgang aufgrund der größeren deutschen Rolle noch deutlicher aus. Weitgehenden Schätzungen zufolge werden 2030 dort noch 77 Gigawatt erzeugt - derzeit sind es 112,1 Gigawatt. Nach einer konservativen Schätzung könnte die Leistung aber auch auf lediglich 111,8 Gigawatt sinken.

Nach Angaben der IAEA lässt sich die Zukunft der Atomenergie nur schwer einschätzen. Unsicherheiten bestehen vor allem hinsichtlich der künftigen Energiepolitik einzelner Staaten und der Entwicklung älterer Atomkraftwerke. Seit der Atomkatastrophe von Fukushima hat sich das Wachstum allerdings verlangsamt.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP

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