Wirtschaft

E-Mail-Austausch mit Betrüger Bank-Boss fällt auf "Chef-Masche" herein

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Jes Staley hat mehrere harte Auseinandersetzungen um seinen Posten hinter sich. Wohl deshalb hat er sich so über die schmeichelhafte E-Mail des Betrügers gefreut.

(Foto: REUTERS)

Immer wieder fallen nicht nur alte Mütterchen auf den "Enkel-Trick" herein, sondern auch Unternehmen auf Unbekannte, die in E-Mails behaupten, sie seien der Chef. Der Boss von Barclays übersieht gleich mehrere eindeutige Hinweise - hat aber Glück im Unglück.

Jes Staley hat gerade das drohende Ende seiner Karriere abgewendet, als ihn eine vermeintliche E-Mail seines Chefs erreicht. Einige Aktionäre hatten Staley, Vorstandschef der britischen Großbank Barcleys, absetzen wollen. Mehrere Skandale hatten es zuletzt fraglich erscheinen lassen, ob Staley die Führungsqualitäten besitzt, um eine der größten Banken der Welt zu leiten. Doch auf der Barcleys-Hauptversammlung kann der Manager mit Hilfe von Chairman (entspricht etwa einem Aufsichtsratschef in Deutschland) John McFarlane die Rebellion abwenden.

Barclays
Barclays 2,07

Staley rettet an diesem Tag sein Amt, aber die E-Mail, die ihn am Abend erreicht, wirft erneut ein zweifelhaftes Licht auf seine Urteilskraft, zumindest im Bereich Computersicherheit. Der Betreff "Der Narr glaubt, er ist weise" hätte ihn schon skeptisch machen müssen. Doch Staley ist offenbar so erfreut über die ermutigende Botschaft seines vermeintlichen Chefs, dass er nicht einmal bemerkt, dass sie nicht von dessen offiziellen E-Mail-Konto, sondern von einem Google-Account "john.mcfarlane.barclays@gmail.com" stammt - ein klarer Hinweis auf eine Fälschung.

Der vermeintliche Chairman versichert Staley seine weitere Unterstützung. Einen Aktionär, der diesen scharf kritisiert hatte, bezeichnet er als "ebenso schroff wie falsch informiert". Die E-Mail endet mit: "Sie schulden mir einen großen Scotch." Offensichtlich überzeugt, dass er es mit seinem Chef zu tun hat, überhäuft Staley McFarlane in seiner Antwort mit Lob und Komplimenten. "Sie sind ein einzigartiger, Mann", schreibt er und bescheinigt ihm einen "Mut, wie er nicht bei vielen Leuten zu finden ist".

"Wen soll ich zum Schweigen bringen?"

Nach dieser Antwort wagt sich der Scherzbold noch etwas weiter hervor. Der vermeintliche McFarlane nennt sich selbst Mackie Messer und stellt die Frage: "Wen soll ich als nächstes zum Schweigen bringen." Zuletzt schickt der Unbekannte noch ein Gedicht, bei dem die ersten Buchstaben jeder Zeile zusammen das Wort "Whistleblower" ergeben. Staleys Versuch, illegalerweise die Identität eines unbequemen Whistleblowers in der Bank zu enthüllen, war einer der Skandale, die fast zu seinem Sturz geführt hatte. 

Gegenüber der "Financial Times", die den E-Mail-Austausch enthüllte, wollte Barclays sich nicht äußern. Ein finanzieller Schaden scheint der Bank nicht entstanden zu sein. In ähnlichen Fällen hatten allerdings Betrüger mit der sogenannten Chef-Masche schon Millionen von Unternehmen erschlichen. Bekannt wurde etwa der Fall des deutschen Automobilzuliefers Leon, den Unbekannte so um rund 40 Millionen Euro betrogen hatte.

Ob Staley einem Betrüger im Zweifelsfall auch Geld überwiesen hätte, bleibt unklar. Nach eigener Aussage hatte der Unbekannte das aber auch gar nicht vor. Gegenüber der "Financial Times" erklärte er, er sei ein Barclayskunde. Den E-Mail-Austausch betrachte er als Teil einer "Schlacht" um eine "Kundenangelegenheit".

Quelle: ntv.de, mbo