Wirtschaft

Deutsche Bank macht Anleger schwindelig Bankenkrise, Niedrigzinsen und dann?

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Was bewegt die Börsenkurse?

(Foto: picture alliance / dpa)

So schnell kann Börse sein: Kaum macht die Meldung über eine milde US-Strafe für die Deutsche Bank die Runde und die Kurse ziehen nach oben. Ist die Börsenwelt damit wieder in Ordnung?

Am schnellsten auf dem Börsenkarussell drehen sich derzeit die europäischen Banken, im Mittelpunkt steht dabei die Deutsche Bank. Dass die Strafzahlung der Deutschen an die US-Justiz möglicherweise deutlich niedriger sein könnte als die kolportierten 14 Milliarden Dollar, sorgte bei Investoren merklich für Erleichterung. Gestützt wird die Börse aber nicht nur dadurch.

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Die Kurse steigen auch, weil die lockere Geldpolitik der Notenbanken weiterhin Bestand hat. Damit zusammen hängen auch die immer weiter sinkenden Zinsen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren bereits bei minus 0,1 Prozent, bald dürften sie das Rekordtief von minus 0,18 vom Anfang Juli ins Visier nehmen.

Das weltweite Volumen an Staats- und Unternehmensanleihen, die Strafzinsen abwerfen, zeigt die Bredouille, in der die Anleger stecken. Das Volumen ist auf umgerechnet 11,6 Billionen Dollar gestiegen. Es liegt damit nur noch knapp unter dem Rekord vom Juni von 11,9 Billionen. Es ist also kein Wunder: Auf der verzweifelten Suche nach Rendite greifen Investoren immer weiter bei Aktien zu - und treiben so die Kurse nach oben.

Die sinkenden Zinsen sind aber nicht ausschließlich das Ergebnis der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken. Sie sind auch eine Folge der trüberen Aussichten für die Weltwirtschaft. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) senkte die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft für 2016 von 3,0 auf 2,9 Prozent.

Allein der Ausblick für die USA liegt bei nunmehr 1,4 Prozent. "Das wäre das niedrigste Wachstum seit der 2009er-Schuldenkrise", sagt Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank. Auch der IWF hat ein Wachstumstumsproblem der USA diagnostiziert, er erwartet aber immerhin noch ein Weltwirtschaftswachstum von 3,1 Prozent in diesem Jahr.

Die 2016er-Prognose für die Euro-Zone reduzierte die OECD zwar vergleichsweise nur leicht auf 1,5 Prozent, dafür senkte sie aber jene für 2017 von 1,7 auf 1,4 Prozent.

Konjunkturprogramme rücken auf die Agenda

Wegen der Abkühlung der Weltwirtschaft rückt neben der Geldpolitik zunehmend die Fiskalpolitik in den Fokus. "Die Rufe nach einer deutlichen Ausweitung der staatlichen Fiskalprogramme werden nach unserer Beobachtung wesentlich lauter. Beispiele hierfür finden sich im Abschlusskommuniqué des G20-Gipfels, in Äußerungen von IWF-Chefin Christine Lagarde und sogar in Verlautbarungen aus der deutschen Politik," schreibt Michael Kopmann, Leiter Privatkundenstrategie bei der DZ Bank.

"Solche Rufe dürften nicht nur im Süden Europas auf offene Ohren treffen, sondern auch im Wahlkampf in Frankreich, Deutschland und den USA eine wichtige Rolle spielen," so der Finanzprofi. Fiskalprogramme bedeuten, dass die Länder zusätzliche Schulden machen, um beispielsweise in Infrastruktur zu investieren, die Steuern zu senken oder höhere Sozialausgaben zu finanzieren. Etliche Experten sehen das kritisch, weil die ohnehin hohe Staatsverschuldung vieler Länder dadurch noch stärker steigt. Allerdings würde das zusätzliche Geld auch die Wirtschaft ankurbeln.

Kopmanns Kollegen von der Saxo Bank stoßen in das gleiche Horn: "In den vergangenen drei Monaten haben verschiedene Zentralbanken betont, dass Geldpolitik nur Zeit erkaufen kann. Darüber hinaus sind jedoch zusätzliche Maßnahmen erforderlich. Insofern besteht kein Zweifel daran, dass Fiskalausgaben für Investoren überall auf der Welt im neuen Quartal ganz oben auf der Agenda stehen werden," sagt Christopher Dembik, Volkswirt bei der Saxo Bank.

Größere Fiskalprogramme wären für Dax, EuroStoxx50 oder den S&P 500 eine gute Nachricht, würden sich doch bei einer Belebung der Weltwirtschaft die Perspektiven für die Unternehmen aufhellen, gerade für die exportstarken Firmen aus dem Dax. "Der Aktienkursaufschwung der letzten Jahre, der fundamental nur bedingt gerechtfertigt ist, könnte somit eine fundamentale Unterfütterung erhalten und folglich die zuweilen recht hohe Aktienbewertung relativieren," so die Analysten der DZ Bank.

Quelle: ntv.de

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