Wirtschaft

"So noch nicht gesehen" Bankenverband erwartet Wirtschaftseinbruch

131093200.jpg

In Deutschland sind weite Teile des öffentlichen Lebens lahmgelegt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr ordentlich Federn lassen. Im zweiten Quartal dürfte das BIP in beinahe historischen Dimensionen sinken. Und auch die Erholung wird dauern. In jedem Fall aber versichern die Banken, handlungsfähig zu sein und an der Seite ihrer Kunden zu stehen.

Die privaten Banken in Deutschland rechnen angesichts der Corona-Krise mit einem Einbruch der Wirtschaft in diesem Jahr. "Für Deutschland befürchtet der Bankenverband inzwischen einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung um vier bis fünf Prozent in diesem Jahr", erklärte der Bundesverband deutscher Banken. Zuletzt war die deutsche Wirtschaft 2009 in der Folge der globalen Finanzkrise geschrumpft, damals um mehr als fünf Prozent. "Sollten die täglichen Neuinfektionen in den nächsten Wochen ihren Höhepunkt überschreiten, könnten sich im Verlauf des zweiten Halbjahres Nachfrage und Produktion wiederbeleben."

Es handele sich um einen "Einbruch, den wir so noch nicht gesehen haben", sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bankenverbandes, Stefan Schneider. Im zweiten Quartal rechne er mit "irgendetwas um minus siebeneinhalb Prozent", erklärte der Chefökonom der Deutschen Bank. Es handele sich um sehr grobe Schätzungen. "Das sind dramatische Zahlen, aber das ist sicherlich nicht der Weltuntergang." Insgesamt funktioniere die deutsche Wirtschaft recht gut. Zuvor hatte der Bankenverband Ende September 2019 für 2020 einen Zuwachs der deutschen Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent vorhergesagt.

Konjunkturprogramme werden wohl kommen


Stelle sich heraus, dass es später eine Nachfrageschwäche gebe, werde es auch zu klassischen Konjunkturprogrammen kommen, sagte Schneider. "Davon gehen wir mit großer Wahrscheinlichkeit aus." Mit wirtschaftlichen Anschub-Maßnahmen sei 2021 dann wieder "ein Wachstum von gut zwei Prozent möglich". Diese Prognose bedeutet, dass der Rückgang der Wirtschaftsleistung aus diesem Jahr nicht aufgeholt würde. Erwartet werde ein v-förmiger Konjunkturverlauf, sagte Schneider weiter. Die Prognose sei allerdings unter der Annahme getroffen worden, dass es im Winter keine "zweite Welle" der Corona-Epidemie gebe.

Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern, "muss den Unternehmen jetzt rasch und unkompliziert geholfen werden", forderte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Christian Ossig. "Die Krise trifft eine zuvor gesunde Wirtschaft wie eine unvermittelte Naturkatastrophe." Es handele sich nicht um eine Finanzkrise.

"Banken stehen bereit, ihren Beitrag zu leisten"

Das Kreditprogramm der Bundesregierung über die staatliche Förderbank KfW sei ein richtiger erster Schritt. Allerdings seien die Geschäftsbanken mit in der Haftung. "Das ist kein Durchreichen von Subventionen, sondern das ist Kreditgeschäft", betonte Ossig. Auch solche Kreditvergaben müssten sorgfältig geprüft werden. Dies werde aber angesichts der Dringlichkeit schnell geschehen: "Die Banken können das innerhalb von Wochenfrist stemmen", sagte Ossig. "Die Lage ist sehr ernst, aber die Banken und Sparkassen sind fest entschlossen, an der Seite unserer Kunden zu stehen", versicherte Ossig. "Die Banken stehen bereit, ihren Beitrag zu leisten, dass die Folgen dieser Krise beherrschbar bleiben."

Damit Unternehmen weiter mit Liquidität versorgt werden könnten, sollten "Spielräume in der Regulierung überprüft und flexibel ausgelegt werden", forderte er weiter. Die Europäische Zentralbank solle die Belastungen der Banken mit dem Negativzins deutlich verringern. Er verlangte eine größere Freistellung von Überschussliquidität von den negativen Zinsen.

Wie schon Bundeskanzlerin Angela Merkel trat auch der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes Gerüchten entgegen, nach denen das Bargeld knapp werde. "Die Bargeldversorgung, die ist gesichert hier in Deutschland", unterstrich Ossig. "Es gibt keine Bargeldklemme, da muss man sich keine Sorgen machen. Das gilt auch für den Fall, dass sich der Virus weiter ausbreitet." Merkel hatte die Gerüchte "gegenstandslos" genannt und betont, die Verfügbarkeit von Geld sei "gewährleistet".

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/DJ