Wirtschaft

Klagewelle abgewendetBayer gewinnt im Glyphosat-Streit vor US-Supreme-Court

25.06.2026, 16:10 Uhr
Eine-Frau-haelt-in-ihrem-Garten-eine-Flasche-des-Unkrautvernichters-Roundup-mit-dem-Wirkstoff-Glyphosat-von-Bayer-in-der-Hand-gestellte-Szene-Die-USA-haben-Glyphosat-als-unverzichtbar-fuer-die-Ernaehrung-und-Verteidigung-der-USA-eingestuft
In den USA muss Bayer keine Warnhinweise auf krebserregende Inhaltsstoffe auf den Unkrautvernichter drucken. (Foto: picture alliance/dpa)

Bayer erringt im milliardenschweren US-Rechtsstreit um mutmaßliche Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Glyphosat einen entscheidenden Sieg vor dem Obersten Gerichtshof der USA. Die Entscheidung des Supreme Court dürfte das Unternehmen somit vor Tausenden Klagen bewahren.

Der Bayer-Konzern hat in den milliardenschweren Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA einen wichtigen Erfolg vor dem Obersten Gericht des Landes erzielt. Dem Urteil zufolge kann Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden.

Das Oberste Gericht berief sich darauf, dass in den USA von der Regierung einheitliche Markierungen vorgeschrieben seien - damit könne es keine abweichenden Anforderungen einzelner Bundesstaaten geben. Vielen Klagen im Zusammenhang mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen werden.

Die Bayer-Aktie legte nach dem Urteil zeitweise um rund 15 Prozent zu. Der Konzern begrüßte das Urteil in einer Stellungnahme als "gut für die Wissenschaft, Landwirte und für Branchen, die auf regulatorische Klarheit für Innovationen angewiesen sind". Bayer verneint ein Krebsrisiko von Roundup.

Eine Studie aus dem Jahr 2000, die eine zentrale Rolle in der Debatte um die Sicherheit des Pestizids Glyphosat spielte, wurde Ende 2025 von der Fachzeitschrift "Regulatory Toxicology and Pharmacology" allerdings formell zurückgezogen. Das Papier war lange Zeit ein wichtiges Argument für Angaben des damaligen Herstellers Monsanto, das Herbizid Roundup und sein Wirkstoff Glyphosat hätten keine krebserregenden Wirkungen.

Kläger wurde Millionensumme zugesprochen

Der Fall des Klägers John Durnell war ursprünglich im Oktober 2023 in St. Louis verhandelt worden. Die Geschworenen kamen zu dem Schluss, dass das Unternehmen zu einer Krebswarnung auf dem Unkrautvernichter Roundup verpflichtet gewesen sei, und sprachen dem Kläger 1,25 Millionen Dollar (1,1 Mio. Euro) zu. Bayer wählte den Fall dann später für den Gang vor den obersten US-Gerichtshof aus, um ein Grundsatzurteil zu erzielen.

Bayer argumentierte, dass die US-Umweltbehörde EPA in dem Mittel keine Gesundheitsrisiken sehe, wenn es entsprechend den Vorschriften angewendet werde. Die EPA hatte das Produktlabel folglich ohne Warnung genehmigt. Daher sollten laut Bayer auch Schadenersatzansprüche "basierend auf dem Recht einzelner Bundesstaaten vor Gericht keinen Bestand haben".

Bayer gewann Großteil der Verfahren

Bayer-Chef Bill Anderson, der das Ruder in Leverkusen im Juni 2023 übernommen hatte, verfolgt das Ziel, die US-Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 signifikant einzudämmen. Diese hatte sich Bayer 2018 mit der Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto ins Haus geholt. Nach einer ersten Niederlage in einem Glyphosat-Prozess stiegen dann die Klägerzahlen. Ende 2025 gab es in den USA etwa 65.000 Kläger.

Insgesamt hat Bayer in 17 der letzten 25 Verfahren einen positiven Ausgang erzielt. Für die Roundup-Rechtsstreitigkeiten stellte der Konzern rund 9,6 Milliarden Euro zurück.

Aus Sicht von Bayer dürfte das Urteil "dazu führen, dass aktuelle Klagen abgewiesen und mögliche künftige Klagen verhindert werden - soweit sie auf angeblich fehlenden Warnhinweisen beruhen". Zugleich strebt der Konzern weiterhin die finale Genehmigung eines angekündigten großen Sammelvergleichs an.

In der EU ist Glyphosat auch zugelassen, allerdings zeitlich beschränkt. Bislang muss die Genehmigung regelmäßig erneuert werden. Glyphosat war 2023 in einem solchen Verfahren für weitere zehn Jahre zugelassen worden. Die EU-Kommission will allerdings bestimmte Pestizide, auch Glyphosat, künftig zeitlich unbegrenzt zulassen. Das geht aus einem Gesetzesvorschlag hervor, mit dem die Kommission Genehmigungsverfahren vereinfachen will. Die Kommission begründet ihren Vorschlag damit, dass die meisten Pestizide auf dem Markt bereits mehrere Prüfverfahren durchlaufen hätten.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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