Wirtschaft

Neue Nummer 1 hat altes Problem Bei VW läuft nicht mehr alles rund

Gerade schwingt sich VW zum weltgrößten Autohersteller auf, da gibt es Wachstumsprobleme im wichtigen Markt China. Gleichzeitig meldet der Konzern einen Gewinnrückgang - und kann das Absatzziel nicht mehr halten. Die Anleger reagieren prompt.

Volkswagen kämpft mit dem Konjunktureinbruch in China, doch profitiert von der Euroschwäche und den eigenen Sparbemühungen. Der nun weltgrößte Automobilkonzern hat vor diesem Hintergrund im zweiten Quartal zwar abermals den operativen Gewinn gesteigert, aber unter dem Strich deutlich weniger verdient als noch ein Jahr zuvor. Trotz der Entwicklung in China sehen sich die Volkswagen-Verantwortlichen weiter auf dem Weg, die meisten Jahresziele für das laufende Geschäft zu erreichen. Die entsprechenden Gewinn- und Umsatzprognosen ließen sie bei der Quartalszahlenvorlage unverändert. Mit einem Wachstum der Auslieferungszahl rechnen die VW-Chefs aber nicht mehr.

VW Vorzüge
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Das operative Gewinnwachstum fiel im vergangenen Quartal so deutlich aus wie von Analysten erwartet: Der Volkswagen-Konzern verdiente wie von den Branchenexperten geschätzt 3,49 Milliarden Euro und damit rund 5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz des Autoherstellers erhöhte sich allerdings noch deutlicher um etwa 10 Prozent auf 56,04 Milliarden Euro. Die operative Marge des Konzerns lag damit bei 6,2 Prozent, nach 6,5 Prozent ein Jahr zuvor.

"VW mag in der Stückzahl die weltweite Nummer Eins sein, bei der Rendite - und das ist die viel wichtigere Kennzahl - ist Toyota aber nach wie vor unerreicht", kommentiert n-tv.de-Autoexperte Helmut Becker. "Dieses grundlegende Problem muss Volkswagen im Auge behalten und angehen, ohne allerdings sein eigenes hohes Qualitätsniveau zu verletzen - ein Spagat."

Dennoch die Nummer 1

Die Zahl der weltweiten Auslieferungen entwickelte sich gegensätzlich zu Umsatz und Gewinn: Wie aus Daten hervorgeht, über die Volkswagen schon Mitte Juli berichtet hatte, übergaben die Konzernmarken im zweiten Quartal rund 2,55 Millionen Fahrzeuge an ihre Kunden. Das waren fast 3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Volkswagen war gemessen an den Auslieferungszahlen in der ersten Hälfte dieses Jahres gleichwohl der weltgrößte Autohersteller: Die Auslieferungen des zuvor größten Autokonzerns Toyota schrumpften noch stärker. Grund für das Minus bei Volkswagen ist vor allem der Absatzeinbruch in China. In dem Land, das in den vergangenen Jahren zu Volkswagens größtem Markt geworden ist, lieferte der Konzern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 9 Prozent weniger Fahrzeuge aus.

Schwacher Euro hilft

Weil Volkswagen die Geschäfte in China gemeinsam mit Partnern betreibt, wirkt sich die Entwicklung in dem Land allerdings kaum auf den operativen Gewinn des Konzerns aus. Der Erfolg der sogenannten at-equity bilanzierten chinesischen Joint-Ventures fließt stattdessen zum größten Teil in das Finanzergebnis ein. Zu diesem leisteten die Gemeinschaftsunternehmen im vergangenen Quartal nach Berechnungen von Dow Jones Newswires nur noch einen Beitrag von rund 1,1 Milliarden Euro, nach etwa 1,4 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Ohne die derzeitige Schwäche des Euro wäre der Rückgang offenkundig noch deutlicher ausgefallen.

Nach Steuern verdiente Volkswagen wegen der Entwicklung in China und angesichts weiterer Veränderungen im Finanzergebnis nur noch 2,73 Milliarden Euro und damit rund 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum sowie deutlich weniger als von Analysten mit 3,00 Milliarden Euro geschätzt. "Die Ergebnisse im ersten Halbjahr zeigen, dass Volkswagen auch in einem immer härteren Marktumfeld sehr gut aufgestellt ist und eine überzeugende Produktpalette hat", sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn.

Absatzziel enttäuscht

Für das Gesamtjahr sagt VW denn auch unverändert eine operative Gewinnspanne zwischen 5,5 und 6,5 Prozent voraus. Der Konzern wiederholt zudem die Prognose, nach der der Konzernumsatz in diesem Jahr um bis zu 4 Prozent steigen soll. Für die PKW-Sparte gehen die Volkswagen-Chefs unverändert von einer Gewinnspanne zwischen 6,0 und 7,0 Prozent aus. Die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge soll den Angaben zufolge aber nur noch "auf dem Niveau des Vorjahres" liegen.

"Wenn China weiter kippt und kein Wachstum mehr bringt, wird sich das direkt und heftig in den Konzernbilanzen niederschlagen", warnt Autoexperte Becker. "Die jüngsten Zahlen deuten das bereits an. Deshalb muss der Konzern schleunigst für Kompensation auf anderen Märkten sorgen."

Die VW-Aktie drehte nach anfänglichen Gewinnen ins Minus. Rund 2,5 Prozent ging es am Ende abwärts. "Die Kursbewegung erinnert an die Daimler-Aktie, die am Donnerstag nach sehr guten Quartalsergebnissen am Ende auch nachgegeben hat", sagte ein Händler. Dass die Wolfsburger den Absatz in China in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr steigern könnten, komme am Markt schlecht an und drücke auf den Kurs. "Die Story vom Ausstieg der Investoren aus einer Branche, die ihre Top-Absätze hinter sich hat, geht weiter", so der Händler. Volkswagen gaben 1,3 Prozent ab.

Quelle: ntv.de, bad/jwu/DJ/rts/dpa

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