Bestandteil des SparprogrammsBericht: Porsche holt Cayenne-Produktion wieder nach Deutschland

Auch Volkswagen-Konzern-Tochter Porsche geht es nicht gut. Es soll gespart werden. Gleichzeitig sollen die nicht ausgelasteten Werke effizienter genutzt werden. Aus diesem Grund soll der Cayenne wieder in Deutschland gebaut werden. Doch dafür muss sich etwas ändern.
Einen Tag nach Bekanntwerden des großen Sparprogramms von Volkswagen konkretisieren sich laut Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) auch bei der Tochtergesellschaft Porsche AG die Umbaupläne. Demnach plant der Sportwagenhersteller die Produktion des wichtigen SUV-Modells Cayenne mit allen drei Antriebsvarianten von Bratislava nach Leipzig zu verlagern. Wie die FAZ aus Arbeitnehmerkreisen erfuhr, will der Vorstandsvorsitzende Dr. Michael Leiters so die Auslastung des Werks in Sachsen langfristig absichern. Voraussetzung sei allerdings, dass die Arbeitnehmerseite sich auf eine spürbare Absenkung der Löhne einlässt, weil die Entgelthöhen in der Slowakei deutlich unter dem Niveau der deutschen Porsche-Mitarbeiter liegen.
Dass Leiters die gesamte Produktion des Cayenne trotzdem aus der Slowakei abziehen wolle, gründet auf den Überkapazitäten in Deutschland. Porsche hat das Problem, dass weder das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, in dem die Sportwagen vom Band laufen, noch die SUV-Fabrik in Leipzig ansatzweise ausgelastet ist.
Das Unternehmen selbst wollte sich auf Anfrage der FAZ nicht zu dem Plan äußern. Ein Sprecher bestätigte aber laufende Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite. Auch der Gesamtbetriebsrat bestätigte die Gespräche. "Allerdings sind noch einige Themen offen, über die es zu diskutieren gilt", ließ der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Ibrahim Aslan mitteilen. "Im Sinne der Belegschaft und des Unternehmens ist es unser Anliegen, zügig voranzukommen. Wann und wie das der Fall sein wird, hängt von den nächsten Wochen ab."
Hunderte Stellen sollen wegfallen
Klar ist aber, dass vor allem das Werk in Leipzig eine Durststrecke überstehen muss. Bis die neuen Modelle kommen, dauert es noch. Die Verlagerung der Cayenne-Produktion ist ebenfalls keine kurzfristige Lösung. Nachdem Porsche in den vergangenen Monaten bereits die Verträge von mehreren 100 Zeitarbeitern nicht verlängert hat, will das Unternehmen bis August 200 Arbeitsplätze mit freiwilligen Aufhebungsverträgen und Abfindungsangeboten abbauen. Zudem sollen bis zu 400 Mitarbeiter mit einer sogenannten "Drehscheibe" zeitweise nach Wolfsburg abgeordnet werden.
Die Maßnahmen sind alle Teil einer umfassenden Neuausrichtung, die Leiters in allen Einzelheiten auf einem Kapitalmarkttag im Oktober vorstellen will. Der Porsche-Chef will die Zahl der verschiedenen Modellvarianten reduzieren, die Entwicklung des Herstellers umbauen und Synergien mit der Muttergesellschaft VW nutzen. Vor allem aber plant er einen weiteren Stellenabbau. Am Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach stehen nach Informationen der FAZ aus Unternehmenskreisen Stellen in niedriger vierstelliger Höhe zur Disposition.