Wirtschaft

Hohe Nachfrage bei Niedrigwasser Binnenschiffe können nur noch halb beladen fahren

imago0163001126h.jpg

Niedriger Rheinpegel am Pegel Emmerich am 17. Juli: Für die Binnenschifffahrt stellt das ein Problem dar. Sinkt der Pegel zu weit ab, dürfen Schiffe nicht mehr voll beladen werden.

(Foto: IMAGO/Rüdiger Wölk)

Artikel anhören
Diese Audioversion wurde mit Sprachproben unserer Moderatoren künstlich generiert.
Wir freuen uns über Ihr Feedback zu diesem Angebot.

Die Nachfrage ist enorm hoch, aber sie kollidiert mit dem niedrigen Wasserstand: Durch die geringen Pegelstände der Flüsse derzeit dürfen die Binnenschiffer ihre Schiffe nur noch zur Hälfte beladen. Und das, wo durch die Gaskrise wieder mehr Kohle nachgefragt wird. Eine Folge: Die Preise steigen.

Die Trockenheit schränkt das Geschäft der Frachtschiffe auf dem Rhein und anderen Flüssen in Deutschland stark ein. "Wir dürfen nur noch etwa 50 Prozent der Menge transportieren, die wir transportieren könnten", sagte der Vorstand der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt, Roberto Spranzi, in Duisburg. Die Pegelstände der Flüsse sind derzeit niedrig. Durch die geringere Ladungsmenge sind die Schiffe weniger schwer und nicht so tief im Wasser. Die Kapazitäten sind also reduziert, die Nachfrage ist aber hoch.

"Wir sind ausgebucht", so Spranzi. Schweres Frachtgut sind zum Beispiel Chemikalien, Kies und Rohstoffe wie Kohle. Da Deutschland wegen der Gaskrise wieder verstärkt auf Kohlekraftwerke setzt, ist die Nachfrage nach Kohle deutlich gestiegen. Das merken auch die Reeder. Die Versorgung mit Frachtgut über Schiffe ist aus seiner Sicht noch sichergestellt. Aber die Lage sei angespannt, zumal keine großen Regenfälle in Sicht seien.

Noch droht kein Lieferstopp

Ein Lieferstopp droht nach einer Einschätzung aber längst noch nicht - "das wird zwar eng, aber die Schiffe werden weiter fahren". Ein Teil der Binnenschiffe, die üblicherweise auf deutschen Flüssen fahren, ist derzeit in Europa in den Transport von ukrainischem Getreide eingebunden. "Das hat die Frachtkapazitäten hierzulande spürbar verknappt", sagt Spranzi, dessen Genossenschaft mehr als 100 Schiffe hat.

Mehr zum Thema

Der ebenfalls in Duisburg ansässige Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) spricht von einer "enorm hohen Nachfrage nach Schiffsraum", etwa für Kohle, Container und Getreide. Diese Nachfrage balle sich nun wegen der Getreidetransporte und des Wiederhochfahrens der Kohlekraftwerke. "Deshalb kann es passieren, dass nicht jeder Kunde in dem Umfang bedient werden kann, wie er es sich wünscht", sagt Verbandsgeschäftsführer Jens Schwanen. Das führe "zu einer gewissen Verschärfung der Situation, die durch das Niedrigwasser ohnehin bereits gegeben ist".

Wenn Binnenschiffer weniger Frachtgut laden dürfen als sie können, werden sie in der Regel nicht wesentlich schlechter bezahlt. "Die geringere Abladung wird kompensiert durch den sogenannten Kleinwasserzuschlag", erklärt Branchenvertreter Spranzi. Dieser Zuschlag werde bei gewissen Pegelständen fällig - "und das kompensiert zu großen Teilen den Verlust", sagt er. "Für die Firmenkunden heißt das: Sie bekommen weniger Ware und die ist teurer."

Quelle: ntv.de, abe/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen