Wirtschaft

Autozulieferer sucht neue Wege Bosch strebt nach der KI-Weltspitze

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Der Stiftungskonzern Bosch will Milliarden in Zukunftstechnologien investieren.

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In der Zukunftsindustrie des Autonomen Fahrens will auch Bosch kräftig mitmischen. Deshalb investiert der Konzern Milliarden und forciert zudem die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. Im Hier und Jetzt stellt sich der Autozulieferer auf ein schwieriges Jahr ein.

Der Autozulieferer und Technologiekonzern Bosch plant weitere milliardenschwere Investitionen in das Autonome Fahren und in die Erforschung von Künstlicher Intelligenz (KI). Für die Entwicklung einer fahrerlosen Technologie strebt Bosch ein breites Bündnis mit den Autobauern und anderen Zulieferern an.

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Auf der CES in Las Vegas hat Bosch zu Beginn des Jahres ein neuartiges Konzept-Shuttle vorgestellt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Autos ohne Lenkrad und Pedal werden im kommenden Jahrzehnt nach den Worten von Bosch-Chef Volkmar Denner zum "Game Changer für die individuelle Mobilität". Damit wären neue Geschäftsmodelle wie Robotaxis oder Shuttle-Dienste mit riesigem Marktpotenzial möglich, erklärte er in Stuttgart. Dieses Feld werde deshalb zum Investitionsschwerpunkt für Bosch. "Allein bis 2022 rechnen wir mit Vorleistungen in Höhe von vier Milliarden Euro", sagte Denner.

Es sei ein Gebot der Wirtschaftlichkeit, die immensen Entwicklungskosten auf mehrere Schultern zu verteilen, sagte Denner. Der Zulieferer arbeitet beim Thema Autonomes Fahren bereits mit Daimler zusammen. "Wir haben immer gesagt, dass wir das nicht als exklusive Partnerschaft sehen, sondern dass wir offen sind in dieser Partnerschaft", sagte Denner: "Wir sprechen mit mehreren im Moment." Mehreren Medienberichten zufolge ist die deutsche Autoindustrie über ein ganz großes Entwicklungsbündnis im Gespräch.

Riesiger Bedarf an IT-Experten

In die Vollen will Bosch auch bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz gehen. Sämtliche Bosch-Produkte von Autoteilen über Industrie- und Gebäudetechnik bis hin zu Elektrowerkzeugen und Hausgeräten sollen mit KI ausgestattet und damit zum Lernen befähigt werden. Der Stiftungskonzern will hier Denner zufolge zur Weltspitze gehören. Die Zahl der KI-Experten im Unternehmen soll von derzeit rund 1000 bis zum Jahr 2021 auf 4000 steigen. In den kommenden fünf Jahren wolle man weitere 25.000 Experten für Software einstellen, erklärte Personalchef Christoph Kübel. Die Belegschaft zählt weltweit mittlerweile 410.000 Köpfe.

Unterdessen soll die Beschäftigung in der Diesel- und Benzinmotorentechnik weiter schrumpfen. Im vergangenen Jahr seien 600 Stellen im Dieselgeschäft über Altersteilzeit und Auslaufen befristeter Jobs abgebaut worden. So lange die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren nur langsam sinke, lasse sich der Wandel über die Alterfluktuation auffangen. "Bei abruptem Wandel wird es schwierig", ergänzte Bosch-Chef Denner.

Geopolitische Entwicklungen belasten

Um weiterhin die milliardenhohen Vorleistungen für neue Technologien - also Elektroautos, Digitalisierung und Mobilitätsdienste - stemmen zu können, will Bosch künftig stärker wachsen. Vor allem in Abgrenzung zu seinen einschlägigen Märkten, wie der Automobilproduktion.

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Die Abkühlung am weltweiten Automarkt, Handelsstreitigkeiten und ungünstige Wechselkurse belasteten die Bilanz im vergangenen Jahr. Konzernweit steigerte Bosch seinen Umsatz nach vorläufigen Zahlen lediglich um 1,5 Prozent auf 77,9 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen lag mit 5,3 Milliarden Euro oder 6,9 Prozent vom Umsatz auf Vorjahresniveau.

Die größte Sparte, die Autozulieferung Mobility Solutions, erlöste mit 47 Milliarden Euro 2,3 Prozent mehr. Für 2019 rechnet Bosch abermals mit einer rückläufigen Fahrzeugproduktion weltweit. Konsum- und Investitionsfreude litten unter dem Handelsstreit der USA mit China und der Unsicherheit über den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, erklärte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. Bei einem harten Brexit, auf den sich Bosch mit seinen Werken in Großbritannien vorbereitet, rechnet er allein mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag an Zöllen. Deshalb sei eine Umsatzentwicklung für 2019 "mit Blick auf die um uns herrschenden Unsicherheiten derzeit noch nicht abschätzbar", so Asenkerschbaumer.

Quelle: n-tv.de, cri/rts/dpa

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