Wirtschaft

Keine Sonne, kein SolarstromBritische Haushalte erhalten Gratisstrom für Mitarbeit bei Sonnenfinsternis

12.08.2026, 14:11 Uhr
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Keine Sonne, kein Solarstrom: Die Energieversorgung ist jedoch nicht gefährdet. (Foto: REUTERS)

Ab etwa 19 Uhr schiebt sich der Mond langsam an der Sonne vorbei. Die Solarstromerzeugung sinkt in dieser Zeit spürbar. Ein britischer Energieversorger schenkt seinen Kunden Strom am Wochenende, wenn sie heute sparen. Deutsche Haushalte gucken wegen fehlender Infrastruktur in die Röhre.

Die europäische Energieversorgung wird heute Abend auf ihre Belastbarkeit getestet. Grund ist die Sonnenfinsternis. Über Deutschland verdeckt der Mond je nach Standort ab 19 Uhr etwa 84 bis 90 Prozent der Sonne. Es bleibt nur eine schmale Sichel übrig. Weiter westlich ist der Effekt größer: In Spanien ist eine totale Finsternis in einem Streifen von Oviedo im Norden über Burgos hin zur Baleareninsel Mallorca zu sehen. Auch der nordöstlichste Zipfel Portugals versinkt für wenige Sekunden in Dunkelheit.

Insgesamt dauert selbst die totale Sonnenfinsternis über Spanien weniger als zwei Minuten. Bis der Mond allerdings vollständig an der Sonne vorbeigezogen ist, dauert es gut zwei Stunden. Die Solarstromerzeugung wird in weiten Teilen Europas daher deutlich früher sinken als an einem gewöhnlichen Sommerabend. Nach Berechnungen des Übertragungsnetzverbands ENTSO-E könnte die Einspeisung zwischen 19.15 und 21.30 Uhr MEZ um bis zu knapp zehn Gigawatt zurückgehen. Am stärksten betroffen sind demnach Spanien und Deutschland. Um den Rückgang abzufedern, wurden zusätzliche Reservekraftwerke eingeplant und Wartungsarbeiten verschoben.

Die deutschen Netzbetreiber versichern, dass die Sonnenfinsternis keine Auswirkungen auf die Stromversorgung haben wird. Ein deutlicher Effekt ist dagegen bei den Börsenstrompreisen zu sehen: Die Preise für kurzfristig gehandelte Strommengen liegen für den Abend teilweise bei mehr als 400 Euro pro Megawattstunde. Das entspricht 40 Cent je Kilowattstunde und ist ein Vielfaches des üblichen Preisniveaus. In Haushalten mit intelligenten Stromzählern und dynamischen Stromtarifen werden Energieversorger deshalb den Einsatz von vernetzten Geräten wie der Wärmpumpe, eines Batteriespeichers oder den Ladevorgang des E-Autos an die Sonnenfinsternis anpassen.

Das gilt auch für Großbritannien. Dort wird der Mond bis zu 95 Prozent der Sonne verdecken. Durch die Zeitverschiebung fällt die Sonnenfinsternis dort auch genau in die Zeit, wenn Millionen von Menschen von der Arbeit nach Hause kommen und Wäsche waschen, kochen oder den Geschirrspüler nutzen.

Um das System zu entlasten und eine Preisfalle zu vermeiden, ruft Großbritanniens größter Energieversorger Octopus Energy seine acht Millionen Kunden auf, Waschmaschine und Herd zwischen 18 und 20 Uhr Ortszeit nicht einzuschalten. Als Ausgleich erhalten teilnehmende Haushalte am kommenden Sonntag eine Stunde kostenlosen Strom.

Deutsche Kunden des Energieversorgers gucken jedoch in die Röhre. "Was unsere Kolleginnen und Kollegen in Großbritannien machen, würden wir liebend gerne auch in Deutschland anbieten", erklärt Octopus-Energy-Chef Bastian Gierull auf Anfrage von ntv.de. "Millionen Haushalte könnten für ein bisschen Flexibilität Gratisstrom bekommen. Ganz ohne neue Kraftwerke oder Leitungen. Das Problem ist nicht die Idee, sondern die Infrastruktur: In Großbritannien haben praktisch alle Haushalte (70 Prozent, Anm. d. Red.) einen Smart Meter, bei uns sind es bisher nur wenige Prozent. Ohne intelligente Zähler lässt sich Verbrauch weder in Echtzeit messen noch gezielt belohnen."

An diesem Status quo wird sich auch bis zur nächsten Sonnenfinsternis eher nichts ändern. Die nächste Verdunkelung ereignet sich am 2. August 2027 und wird nach Angaben der deutschen Netzbetreiber größere Auswirkungen auf die Solarstromerzeugung haben: "Nach unseren Prognosen wird die Verdunkelung auf den frühen Morgen fallen", schreiben sie in ihrer Mitteilung. In Deutschland soll der Smart-Meter-Rollout nach jahrelangem Streit um Sicherheitsvorkehrungen und überforderten Netzbetreibern jedoch erst zwischen 2030 und 2032 erledigt sein.

Quelle: ntv.de, chr

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