Wirtschaft
Isar 2 ist eines der letzten AKW, die vom Netz gehen werden.
Isar 2 ist eines der letzten AKW, die vom Netz gehen werden.(Foto: Armin Weigel/dpa)
Montag, 30. April 2018

Eine Milliarde für Versorger: Bund will RWE und Vattenfall entschädigen

Die Bundesregierung will am Atomausstieg 2022 nicht rütteln. Im Gegenzug müssen zwei Branchenriesen entschädigt werden. Denn kurz vorm Beschluss zum Atomausstieg waren sie noch um jahrelange Produktion gebeten worden.

Die Atomkraftwerks-Betreiber RWE und Vattenfall sollen nach einem Gesetzentwurf für Nachteile beim Atomausstieg 2011 finanziell entschädigt werden. Die genaue Summe steht noch nicht fest, das Bundesumweltministerium geht aber davon aus, dass die Kosten für die Steuerzahler "einen niedrigen einstelligen Milliardenbereich nicht überschreiten, wahrscheinlich jedoch im oberen dreistelligen Millionenbereich liegen".

Bei den Laufzeiten für die Kraftwerke bleibt alles beim Alten - 2022 geht das letzte AKW in Deutschland vom Netz. Über den Entwurf, der zwischen den Bundesministerien abgestimmt wird, hatte zuerst die "taz" berichtet. Damit setzt das Haus von Bundesumweltministerin Svenja Schulze ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember 2016 um.

Die Richter hatten RWE und Vattenfall eine Entschädigung für sinnlos gewordene Investitionen und verfallene Produktionsrechte zugesprochen. Es ging um die atompolitische Kehrtwende 2011. Damals beschlossen Union und FDP unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima den Atomausstieg bis 2022.

Das Problem: Wenige Monate zuvor hatten sie den rot-grünen Atomausstieg von 2002 noch um Jahre gestreckt und den Konzernen größere Reststrommengen zugesprochen, die sie noch produzieren und verkaufen sollten. Die Verfassungsrichter hätten statt einer finanziellen Entschädigung zum Beispiel auch längere Laufzeiten einzelner Kraftwerke akzeptiert. Das lehnt die Bundesregierung aber ab.

Die genaue Summe wird erst 2023 ermittelt. Denn erst dann stehen die tatsächlich nicht produzierte Strommenge und damit die entgangenen Gewinne fest.

Quelle: n-tv.de