Wirtschaft

Konjunktureller Epidemie-Effekt Bundesbank warnt vor Virus-Risiko

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Kann für 2019 fast sechs Milliarden Euro Gewinn an die Staatskasse überweisen: Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

(Foto: imago images/Hannelore Förster)

Die deutsche Wirtschaft muss mit eiskaltem Gegenwind rechnen. Die Nebenwirkungen des Coronavirus-Ausbruchs könnten laut Bundesbank Europas größte Volkswirtschaft zusätzlich belasten. Bundesbank-Chef Weidmann geht davon aus, dass sich das Risiko "materialisiert".

Die Bundesbank stuft die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Europa als zusätzliches Risiko für die abgeschwächte deutsche Konjunktur ein. "Nach den derzeitigen Informationen erwarte ich, dass dieses Risiko sich zum Teil auch materialisieren dürfte", sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Wie groß dieser Effekt sein könnte, lasse sich derzeit aber kaum seriös abschätzen.

"Insgesamt könnte das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr in Deutschland etwas geringer ausfallen, als unsere Experten im Dezember vorausgeschätzt haben", sagte Weidmann. Die Bundesbank war zuletzt von einem Wachstum von kalenderbereinigt 0,6 Prozent ausgegangen. Weidmann zufolge dürfte die Epidemie die Wirtschaftsleistung in China im ersten Quartal drücken und sich damit auch spürbar im globalen Wachstum niederschlagen.

China mache inzwischen fast ein Fünftel der Weltwirtschaft aus, betonte Weidmann. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist zudem ein wichtiger Markt für Waren "Made in Germany". Deutsche Firmen produzieren auch in großem Stil in dem Land. Inwieweit sich die Einschränkungen in China auf die Lieferketten und die Produktionsplanungen in Deutschland auswirken werden, ist noch offen, dürfte aber vor allem auch von der Dauer des herrschenden Ausnahmezustands abhängen.

Auch die Bundesregierung geht den Worten von Regierungssprecher Steffen Seibert zufolge davon aus, dass die Coronavirus-Epidemie nicht komplett spurlos an der deutschen Wirtschaft vorbeigehen wird. Seriös seien die Folgen aber derzeit nicht abzuschätzen, betonte er.

Mittlerweile hat sich das Virus in vielen anderen Ländern ausgebreitet. Wirtschaftliche Beeinträchtigungen gebe es derzeit vor allem in Südkorea und Italien, wie Bundesbank-Chef Weidmann bestätigte. "Das dürfte auch auf die deutsche Wirtschaft ausstrahlen. Beispielsweise über geringere Nachfrage nach Waren, ausbleibenden Touristen oder Lieferschwierigkeiten bei wichtigen Zwischenprodukten."

Unsicherheiten für die exportorientierte deutsche Wirtschaft etwa mit Blick auf den internationalen Handel sieht Weidmann auch nach dem Abschluss eines ersten Abkommens im Handelskonflikt zwischen den USA und China. Auch seien die künftigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Europäischen Union (EU) und Großbritannien nach dem EU-Austritt des Landes noch nicht generell geregelt.

Im vergangenen Jahr hatten globale Handelsstreitigkeiten und die Abkühlung der Weltkonjunktur Europas größte Volkswirtschaft belastet. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,6 Prozent. Das war deutlich weniger als in den beiden Vorjahren.

Fast sechs Milliarden für den Staat

Inmitten der schwelenden Unsicherheiten kann die Bundesbank einen staatlichen Betrag für die Staatskasse beisteuern. Die Deutsche Bundesbank überwies dem Bund an diesem Freitag einen Überschuss aus dem vergangenen Jahr für das vergangene Jahr 5,85 Milliarden Euro.

Im Vorjahr waren es noch 2,4 Milliarden Euro. Es war den Angaben der Bundesbank zufolge der höchste Bilanzgewinn seit 2008. Der Jahresüberschuss der Notenbank legte auf rund 5,83 Milliarden Euro (2018: 2,5 Mrd.) zu. "Hinter dem kräftigen Anstieg des Jahresüberschusses steht insbesondere eine niedrigere Risikovorsorge", erklärte Weidmann.

Durch die Auflösung von Rücklagen ergab sich ein Bilanzgewinn von 5,85 Milliarden Euro. Das Finanzministerium plant traditionell einen Bundesbankgewinn in Höhe von 2,5 Milliarden Euro in den Bundeshaushalt ein. Was darüber hinausgeht, fließt in der Regel in den Schuldenabbau.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa