Wirtschaft

Branche in Goldgräberstimmung Cannabis-Industrie lauert auf Bundestagswahl

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Bald könnte Cannabis nicht nur für medizinische Zwecke in Deutschland legal sein.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Vier Parteien fordern die Legalisierung von Cannabis. Kommen Rot-Gelb-Grün oder Rot-Rot-Grün an die Macht, könnte Berlin das neue Amsterdam werden. Deutsche Unternehmen wittern ein Milliardengeschäft.

Nach all der Aufregung im Wahlkampf erst einmal einen völlig legalen Joint zur Entspannung? Dieses Szenario könnte Realität werden: SPD, Grüne, FDP und Linke fordern schon länger die Legalisierung von Cannabis. Eine politische Machtverschiebung Richtung links, egal ob als Ampel oder Rot-Rot-Grüne Koalition, könnte den Turbo dazu zünden.

Deutsche Unternehmen im legalen medizinischen Cannabismarkt haben sich bereits in Stellung gebracht: "Den Ausgang der Wahl verfolgen wir sehr gespannt, da unter bestimmten Konstellationen die Einführung von Modellprojekten als sehr wahrscheinlich betrachtet werden kann", sagt Johannes Gallois, Importeur und Geschäftsführer der GECA Pharma ntv.

Bislang beschränkt sich der legale Markt für psychoaktiv wirkendes Cannabis hierzulande ausschließlich auf den medizinischen Einsatz. Seit März 2017 können Ärzte es auf Kassen-Rezept verschreiben. Damit startet Deutschland im europäischen Markt von der Poleposition. Im internationalen Ranking kommt die Branche mit einem Umsatz von 230 Millionen Euro im vergangenen Jahr immerhin auf Platz 3 - wenn auch mit viel Luft nach oben. Spitzenreiter sind die USA mit einem Umsatz von umgerechnet 6 Milliarden Euro für medizinisches Cannabis, gefolgt von Kanada mit 400 Millionen Euro.

Mit Cannabis als legalem Genussmittel machen die beiden nordamerikanischen Länder hingegen eineinhalb- bis fünfmal so viel Umsatz. Käme die vollständige Legalisierung für Erwachsene auch in Deutschland, rechnet sich Alfredo Pascual, Analyst bei Seed Innovations, im ntv-Interview eine geradezu berauschende Marktentwicklung aus. "In Kanada gab es 2020 einen Umsatz von über 2 Milliarden Euro, sowohl als Medizin, als auch als Genussmittel. Aber Kanada hat die Hälfte der Bevölkerung von Deutschland. Das heißt, wenn es hier als Genussmittel legalisiert wird, wird das ein riesiges Potenzial sein." Deutschland könnte seinen Umsatz nach seinen Worten um etwa das Siebzehnfache steigern.

Legalisierung ja - aber wie?

Um eine florierende Cannabis-Industrie in Deutschland geht es den Parteien in erster Linie jedoch nicht, vielmehr darum, den Schwarzmarkt und die Kriminalisierung auszutrocknen. Uneins sind sie sich allerdings bei der Frage der konkreten Ausgestaltung.

Die SPD plädiert für die Abgabe an Erwachsene in Form von Modellprojekten in bestimmten Städten und Kommunen. Die Grünen und die FDP sind für den bundesweiten legalen Verkauf in lizensierten Fachgeschäften und Apotheken. Und die Linke will neben vorläufigen Modellprojekten und dem Anbau zum Eigenbedarf auch "den genossenschaftlich organisierten und nichtkommerziellen Anbau über Cannabis-Social-Clubs" - eine Art Verein - ermöglichen, heißt es in einem Themenpapier der Fraktion.

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So oder so, "eine Legalisierung wäre mit weitreichenden Gesetzesänderungen verbunden, die neue Absatzmärkte schaffen würde", sagt Importeur Johannes Gallois ntv.de. "Jedoch sind wir überzeugt, dass der therapeutische Nutzen im Vordergrund stehen und eine Cannabinoid Therapie möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden sollte."

Um die Versorgung von Patienten zu sichern und den Zugang zu erleichtern, will etwa die Linke die Regulierungen beim Anbau in Deutschland lockern und den Genehmigungsvorbehalt der Krankenklassen zur Kostenübernahme einer Therapie kippen. Momentan werden noch rund 40 Prozent aller Anträge von den gesetzlichen Kassen abgelehnt. Für Apotheken ist es deshalb ein noch eher unrentables Nischengeschäft. Auch der Anbau von Cannabis in Deutschland ist aktuell ein zartes Pflänzchen. Drei Unternehmen halten eine Lizenz, doch ihre Anbaumengen sind staatlich streng reguliert - zumindest derzeit noch. Eine cannabisliberale Regierung könnte in den nächsten vier Jahren einiges daran ändern.

Quelle: ntv.de

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