Wirtschaft

Licht aus ohne Staatshilfen Corona treibt Luftfahrt an den Abgrund

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An vielen Flughäfen herrscht derzeit gähnende Leere.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kaum eine Branche leidet so sehr unter der Coronavirus-Pandemie wie die Luftfahrt. Allein bei der Lufthansa fallen bis Mitte April 23.000 Flüge aus, mehrere Airlines schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit. Ohne milliardenschwere Staatshilfe sind Zehntausende Jobs bedroht.

Der weltweite Flugverkehr liegt wegen der Coronavirus-Pandemie brach. Aus Angst, Touristen und Geschäftsreisende könnten das neuartige Virus Sars-CoV-2 einschleppen, schließen etliche Länder für Menschen aus Seuchenherden ihre Grenzen. Zehntausende Flüge fallen deshalb allein bei der Lufthansa aus, etliche Fluggesellschaften fürchten um ihre Existenz. Die Rufe nach milliardenschweren Rettungspaketen werden lauter, sonst droht eine Entlassungswelle, wie es sie zuletzt nach der globalen Finanzkrise 2008 gab.

Zuletzt soll einem Medienbericht zufolge die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic einen Brandbrief an ihre Regierung geschrieben haben. Der Nachrichtensender Sky News meldet, dass die Airline von Milliardär Richard Branson 7,5 Milliarden Pfund Sterling, umgerechnet fast 8,3 Milliarden Euro, an Nothilfen für die Luftfahrtbranche fordert. Sollte die Regierung in London nicht eingreifen, würden Zehntausende Jobs in der Branche verloren gehen, denn es stehe die schlimmste Woche der britischen Luftfahrtgeschichte bevor.

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Demnach wollen ab Montag neben Virgin Atlantic auch die Fluggesellschaften British Airways, Easyjet und Ryanair massive Flugausfälle ankündigen, um die Ausbreitung der tödlichen Lungenkrankheit Covid-19, die durch das neuartige Coronavirus verursacht wird, einzudämmen. Mit der Rückzahlung der Milliardenhilfen wollen die Airlines laut "Sky News" beginnen, sobald sich die Lage normalisiert hat. Die Annahme ist demnach, dass es frühestens im Herbst soweit sein könnte.

Lufthansa: keine Dividende, dafür Kurzarbeit

Am Freitag hatte in Deutschland bereits die Lufthansa angekündigt, dass sie mit der Bundesregierung über Staatshilfen spricht, um die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Angesichts des weltweiten Ausbruchs hatte die Fluggesellschaft ihr Angebot bis Ende März halbiert, bis 24. April weitere 23.000 Flüge und ihre Dividende gestrichen. Ihre Mitarbeiter will die Lufthansa in Kurzarbeit schicken, um Geld zu sparen. Wie viele Beschäftigte betroffen sind, kann das Unternehmen noch nicht sagen.

Auch andere europäische Airlines sehen sich nach eigenen Angaben ohne Staatshilfen in ihrer Existenz bedroht. So hatte die norwegische Billigfluggesellschaft Norwegian Air ihre Regierung in Oslo aufgefordert, " starke und außerordentliche Maßnahmen" zu ergreifen, um die Liquidität des Unternehmens in einer Phase zu sichern, "in der Kreditmärkte im Wesentlichen nicht zugänglich" sind. Zuvor hatte die norwegische Regierung bereits die Luftverkehrssteuer ausgesetzt - das sei aber nicht ausreichend, hieß es von Norwegian.

Schlimmer als Finanzkrise und 11. September

Die niederländische Fluggesellschaft KLM fordert bisher noch kein Rettungspaket, ergreift dafür aber selbst "einschneidende" Maßnahmen, um die Corona-Pandemie zu meistern. Am Freitag kündigte die Airline die Streichung von bis zu 2000 Jobs und Kurzarbeit an. Im März müsse man mindestens 25 Prozent der Flüge streichen, von April bis Juni bis zu 40 Prozent, teilte KLM mit. Zur Begründung verwies das Unternehmen unter anderem auf das Einreiseverbot für Europäer, das die USA am Mittwoch verhängt hatten.

Wie dramatisch sich die Situation für die Luftfahrtindustrie darstellt, hatte unter der Woche der Vorstandsvorsitzende der nationalen britischen Airline British Airways, Alex Cruz, klargestellt. Er erklärte, dass die Corona-Pandemie schlimmer sei als die Finanzkrise von 2008, die Sars-Pandemie von 2002/03 und die Terroranschläge vom 11. September 2001.

In der europäischen Luftfahrt arbeiten nach EU-Angaben etwa 4,5 Millionen Menschen. Die Branche ist für etwa ein Viertel des weltweiten Luftverkehrs verantwortlich und spült jedes Jahr etwa 220 Milliarden Euro in die Kassen.

Quelle: ntv.de, mit dpa/rts/DJ