Wirtschaft

Abschied von Verbrennungsmotor Daimler läutet "fundamentalen Wandel" ein

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Zukunft und Vergangenheit: Der vollelektrische EQC und der scheidende Daimler-Chef Dieter Zetsche im September 2018.

(Foto: picture alliance/dpa)

In den kommenden zwei Jahrzehnten will sich der Autohersteller Daimler komplett von Verbrennungsmotoren verabschieden. Dann sollen CO2-neutrale Fahrzeuge mit Batterie- oder Hybrid-Antrieb im Fokus stehen. Wie dieses Ziel konkret erreicht werden soll, darüber halten sich die Stuttgarter bedeckt.

Bis 2039 will Daimler dafür sorgen, dass die weltweit verkauften Neuwagen CO2-neutral unterwegs sind. 20 Jahre seien "kein langer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass fossile Treibstoffe unsere Industrie dominierten, seit Carl Benz und Gottlieb Daimler vor mehr als 130 Jahren das Auto erfunden haben", erklärte Entwicklungsvorstand Ola Källenius in Sindelfingen. Der Schwede folgt kommende Woche als Konzernchef auf Dieter Zetsche. Das Ziel bedeute einen "fundamentalen Wandel unseres Unternehmens in weniger als drei Produktzyklen".

Welche Technologien genau zum Einsatz kommen werden, will sich der Autobauer offen halten. "Jetzt zu sagen, exakt in jedem Markt der Welt, wo die Reise hingeht, das wäre nicht seriös", sagte Källenius. Aktuell liege der Fokus auf der batterieelektrischen Mobilität. Autos mit reinen Verbrennungsmotoren sind in dem Plan aber offensichtlich nicht mehr vorgesehen. Um das Ziel zu erreichen, plane man, nur noch Elektroautos und Fahrzeuge mit Plug-In-Hybrid-Motoren zu verkaufen, sagte der Leiter der Motorenentwicklung, Torsten Eder.

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Eine zweite Bedingung sei, dass die Verbrennungsmotoren in den Hybrid-Fahrzeugen mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden können, die aus regenerativen Energien gewonnen werden und somit CO2-neutral sind. Solche Kraftstoffe sind derzeit noch nicht am Markt verfügbar.

Die Klimaziele kommen nicht ganz freiwillig. Auf EU-Ebene ist Daimler angesichts der stark diskutierten Grenzwerte gezwungen, den CO2-Ausstoß der jährlich verkauften Autos zu senken. Bis 2021 muss der Wert von zuletzt 132 auf 102 Gramm je Kilometer sinken. Bis 2030 sollen davon noch einmal 37,5 Prozent abgehen. Dann sollen 50 Prozent aller weltweit von Daimler verkauften Autos vollelektrisch fahren oder mit Plug-In-Hybrid-Motor ausgestattet sein.

Werke sollen klimaneutral arbeiten

Parallel arbeitet der Hersteller auch weiter an der Brennstoffzelle. Auch die könne Verbrennungsmotoren ablösen, so Eder. Um die Strategie für den Umstieg auf neue Antriebsarten hatte es zuletzt Streit zwischen BMW und VW gegeben. VW-Chef Herbert Diess plädierte dafür, sich auf batteriebetriebene E-Autos zu konzentrieren.

Darüber hinaus sollen nicht mehr nur die deutschen, sondern auch die europäischen Pkw-Werke von Daimler bis 2022 klimaneutral arbeiten. Die Standorte weltweit sollen folgen - wann, das ließ der künftige Vorstandschef Källenius offen, ebenso, wie viel Geld der Konzern dafür in die Hand nimmt. Für den Ausbau der E-Auto-Palette investiert Daimler zehn Milliarden Euro.

Im Lkw-Geschäft arbeitet Daimler an einem ähnlichen Programm zur Klimaneutralität. Ein Ziel, wann der CO2-Fußabdruck des gesamten Konzerns auf Null reduziert wird, gab Källenius nicht aus. Damit bleibt Daimler hinter den Ankündigungen anderer Konzerne zurück. Der Autozulieferer Bosch hatte vergangene Woche mit dem Plan überrascht, Produktion und Verwaltung schon 2020 CO2-neutral zu gestalten. Volkswagen lässt sich länger Zeit. "Bis 2050 wollen wir den gesamten Volkswagen Konzern CO2-neutral machen", sagte VW-Chef Diess im März.

"Es ist höchste Zeit"

Die meisten Konzerne gehen dabei ähnlich vor. Sie versuchen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren - im Falle von Bosch etwa durch Energieeffizienz - und stellen auf erneuerbare Energien um. Wo das nicht hilft, werden vielerorts Emissionen mit Hilfe von CO2-Zertifikaten kompensiert. Die Frage, wie etwa Lieferanten zur Klimafreundlichkeit erzogen werden können, gehen die meisten Firmen erst in einem zweiten Schritt an. Daimler will CO2-Neutralität zur Bedingung für die Vergabe von Lieferanten-Verträgen machen.

Umweltschützer halten das Vorgehen für längst überfällig: "Es ist höchste Zeit, dass die Konzerne überlegen, wie sie umsetzen, was vor dreieinhalb Jahren bei der Klimakonferenz in Paris entschieden wurde", sagte ein Greenpeace-Sprecher. Damals war ein weltweiter Aktionsplan entworfen worden, der die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzen soll.

Dabei dürfe es nicht nur um "Ablasshandel" mit CO2-Zertifikaten und den Einkauf von Ökostrom gehen, so der Greenpeace-Sprecher. "Es braucht jetzt klare Schritte." Bislang setzen sich die Unternehmen solche Ziele größtenteils freiwillig. Nur Konzerne mit großen Industrieanlagen - wie eben auch Daimler - sind in der EU schon verpflichtet, Zertifikate für CO2-Emissionen zu kaufen.

Batterie bremst EQC-Produktion

Seit wenigen Tagen ist das erste vollelektrische Auto von Mercedes - ein SUV namens EQC - im Handel. Die Produktion des EQC werde zu Beginn allerdings von der langsamen Batteriefertigung gebremst, sagte EQC-Chefentwickler Michael Kelz der "Automobilwoche". "Die Batterie ist fast so komplex wie das Auto selbst, deshalb müssen wir die Fertigung langsam hochfahren."

In diesem Jahr würden "vom EQC 100 Einheiten pro Tag" gebaut, "ab 2020 sind es dann 200 und damit rund 50.000 Stück pro Jahr" sagte ein mit der Produktion vertrauter Mercedes-Manager dem Magazin. In den kommenden Jahren will Mercedes mehr als zehn neue E-Automodelle einführen.

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Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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