Wirtschaft

Ökonomen zur Athen-Einigung "Das war kein Meisterstück der Diplomatie"

Der Weg für das dritte Hilfspaket ist geebnet. Doch bis das Geld nach Athen fließt, sind noch Klippen zu umschiffen. Volkswirte sehen die Gefahren eines Grexit noch nicht endgültig gebannt. Einige beklagen zudem einen erheblichen politischen Schaden.

Nach einem Sitzungsmarathon in Brüssel haben sich die Staats- und Regierungschefs der Euroländer mit Griechenland auf ein neues - drittes - Hilfspaket verständigt. In den kommenden Jahren soll Athen bis zu 86 Milliarden Euro erhalten. Dafür verpflichtet sich das Land zu einem drastischen Spar- und Reformprogramm. In ersten Einschätzungen begrüßen Volkswirte die Einigung. Die Gefahr eines Grexits ist gesunken. Doch gelöst ist die Krise noch lange nicht.

Die Lage bleibe schwierig, sagte Holger Sandte von der Nordea. "Der Euroraum ist tief gespalten. Das war kein Meisterstück der Diplomatie." Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble habe viel Porzellan zerschlagen. "Das war bestimmt nicht der letzte Gipfel zu Griechenland. Es gibt noch eine Menge Stolpersteine - auch in Griechenland."

Wahrscheinlich müsse Tsipras eine neue Regierung bilden. "Mir ist nicht klar, wie er in zweieinhalb Tagen die geforderten Gesetze formulieren kann. Es gibt nach wie vor mehr Fragen als Antworten", sagte der Volkswirt.

Auch sein Kollege von der VP Bank sieht noch keinen Grund, die Korken knallen zu lassen. Denn die Einigung müsse noch von etlichen Parlamenten abgesegnet werden, sagte Thomas Gitzel. Dabei stünden "in der Slowakei, in Estland und Finnland schwierige Abstimmungen an". Angesichts der vielen Aufgaben in Athen in kürzester Zeit gehe der "Nervenkrimi ... in den nächsten Tagen also weiter".

"Eurogruppe hat Risse"

Für Holger Schmieding von der Berenberg Bank ist die Kuh "nicht vom Eis, aber das Eis ist dicker geworden". Die Zugeständnisse Griechenlands seien nahezu das Gegenteil von dem, was Regierungschef Alexis Tsipras seinen Wählern im Januar und beim Referendum versprochen hatte. "Was mir gefällt an dem Abkommen, ist, dass Strukturreformen stärker betont werden. Allerdings dürften die weiteren fiskalischen Belastungen die Wirtschaft belasten, da sie die Nachfrage dämpfen." Doch wenn die "selbst glauben, dass ihre Regierung die Reformen umsetzen kann, dürfte ihr Vertrauen in die Zukunft langsam zurückehren". Dann könne auch außer Landes geschafftes Geld, zurückfließen und die Wirtschaft in Gang bringen.

Jürgen Michels von der BayernLB verweist darauf, dass es unglaublich schwer sein werde, die Sofortmaßnahmen und die Reformen durchzusetzen. "Die Folgerung daraus lautet: 'Grexit' nicht heute, aber später. Das bleibt eine heikle Angelegenheit." Das Konstrukt der Eurogruppe habe Risse bekommen.

Auch nach Ansicht von Marco Bargel von der Postbank bleibt die Situation angespannt. "Da ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. In Griechenland kann es erheblichen Widerstand geben - etwa beim Thema Privatisierungen. Eventuell kommt es zu Neuwahlen oder einer Regierungsumbildung."

Quelle: ntv.de, jwu/rts