Wirtschaft

Gamestop-Turbulenzen abgehakt Dax läuft sich wieder warm

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Das erste Quartal dürfte für die Wirtschaft noch schwierig werden, dann wird es aber wohl rasch besser werden. Börsianer blicken gespannt auf den Corona-Gipfel am Mittwoch.

(Foto: imago images/Chris Emil Janßen)

Die jüngste kleinere Schwächephase ist überwunden und der Weg frei für neue Allzeithochs. Die Kursturbulenzen rund um Gamestop hatten keinen nachhaltigen Effekt auf die Märkte. Die Risiken lauern woanders.

Der Sprung der Börsen auf neue Rekordhochs ist Experten zufolge nur eine Frage der Zeit. Der Lockdown schadet der europäischen Wirtschaft weniger als zunächst befürchtet. Die Wirtschaftsleistung in der Eurozone ist im Schlussquartal 2020 gegenüber dem dritten Quartal um 0,7 Prozent geschrumpft. Das ist nicht schön, aber auch keine Katastrophe. Die Industrieproduktionsdaten in der kommenden Woche sollten dies bestätigen.

Das erste Quartal dürfte noch schwierig werden, dann wird es aber wohl rasch besser werden. Italien und Österreich haben bereits gelockert beziehungsweise Lockerungen angekündigt, in Deutschland ist die Debatte in vollem Gange.

"Die Impfprogramme nehmen weltweit stetig an Fahrt auf, und auch die Konjunkturaussichten hellen sich auf, gestützt durch zusätzliche fiskalische Anreize", sagt Luca Paolini, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Pictet. Auch Analyst Konstantin Oldenburger vom Online-Broker CMC Markets blickt optimistisch in die Zukunft. "Wenn man sich die Wirtschaftsdaten anschaut, scheint die Weltwirtschaft derzeit unter Hochspannung zu laufen."

Nachdem sie die Aufregung um die Kursturbulenzen bei den Aktien des US-Videospielehändlers Gamestop und anderen Werten gelegt habe, konzentrierten sich Anleger wieder auf die Fundamentaldaten. Dennoch könnte die weiter grassierende Coronavirus-Pandemie und die schleppenden Massenimpfungen den Optimisten aber einen Strich auch durch die Rechnung machen, warnt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. Eine schwelende Gefahr ist eine Covid-19-Mutation, die sich resistent gegen die bislang entwickelten Impfstoffe zeigen könnte.

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Börsianer blicken vorerst gespannt auf den Corona-Gipfel am Mittwoch. Dort wollen Bund und Länder über die Pandemie-Beschränkungen beraten.  Gesundheitsminister Jens Spahn drängte in einem Interview auf eine Lockerung. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt dagegen zur Vorsicht.

Dax setzt zum Sprung auf Rekordhoch an

In der alten Woche gaben Spekulationen auf eine rasche Verabschiedung weiterer Corona-Staatshilfen in den USA, ein Ende der Regierungskrise in Italien und starke Firmenbilanzen dem Dax Rückenwind. Der deutsche Leitindex stieg um insgesamt fünf Prozent und stand vor dem größten Wochengewinn seit drei Monaten. Außerdem flirtete er mit seinem Rekordhoch von 14.131,52 Punkten aus dem Januar.

Frischen Rückenwind könnte der Dax von der erneuten Flut von Firmenbilanzen bekommen. Laut der Commerzbank haben von den Dax-Unternehmen, die bislang ihre Zahlen vorgelegt haben, 46 Prozent die Markterwartungen übertroffen. Im MDax seien es sogar 61 Prozent der Unternehmen gewesen. "Diese Bilanz ist umso bemerkenswerter, als eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von Unternehmen bereits im Verlauf des vierten Quartals ihre Erwartungen für das Gesamtjahr 2020 nach oben angepasst hatte", heißt es.

Auch in den USA laufe die Bilanzsaison gut, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. "Die Gewinne lagen bisher 17 Prozent über den Erwartungen, die Umsätze drei Prozent. Erstmals seit Beginn der Coronavirus-Pandemie hätten die Unternehmen ihre Gewinne damit im Jahresvergleich wieder gesteigert."

In Deutschland legen in der neuen Woche unter anderem Deutsche Börse, der Essenslieferdienst Delivery Hero und die Commerzbank Geschäftszahlen vor. Aus dem Ausland öffnen Firmen wie der Autobauer General Motors (GM), der Kosmetik-Hersteller L'Oreal und die Brauerei Heineken ihre Bücher.

Relevante Konjunkturdaten stehen dagegen nur wenige auf dem Terminplan. Hierzu gehören Zahlen zur deutschen (Montag) und europäischen (Freitag) Industrieproduktion. Außerdem werden Inflationsdaten aus Deutschland und den USA (jeweils Mittwoch)veröffentlicht.

Gamestop-Hype verpufft

Die Turbulenzen rund um Gamestop & Co und die damit verbundenen kurzen Verzerrungen an den Gesamtmärkten sind derweil abgeebbt. Der Siegeszug der über Reddit organisierten Privatanleger gegen die Hedgefonds, die durch die konzertierte Aktion gezwungen wurden, Short-Positionen teuer zu decken, hat sich als kurzfristig erwiesen. Die Gamestop-Aktie ist in der Zwischenzeit völlig zusammengebrochen. Der Versuch der Reddit-Gemeinde, den Silberpreis nach oben zu manipulieren, ist ebenfalls kläglich gescheitert.

Zurück bleiben Hegdefonds, die unter dem Strich ihren Reibach gemacht haben dürften, und einige Private, die trotz "Schwarmintelligenz" etwas über die Machtverhältnisse an den Finanzmärkten gelernt haben. "Es bleibt die Erkenntnis, dass solche... Aktionen auch auf Ebene des Gesamtmarktes erhebliche Volatilität auslösen und größere Marktteilnehmer in Schwierigkeiten bringen können. Das Finanzsystem hat den Lackmustest jedoch bestanden", so die LBBW. Die globale Geldschwemme treibe die Anleger dazu, höhere Risiken einzugehen.

Quelle: ntv.de, ddi/rts/DJ

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