Wirtschaft

Ich bin dann mal weg Der Schuldenschnitt wird kommen

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

(Foto: imago/Metodi Popow)

Griechenlands Gläubiger sind sich einig: Die Schulden des Landes sind nicht tragfähig. Dennoch geht die Retterei weiter. Es ist bizarr.

Eines muss man Wolfgang Schäuble lassen: Er ist konsequent und zieht sein Ding durch – als gäbe es kein Morgen. Und so wird in Sachen Griechenland munter die so genannte Rettung auf die Art und Weise fortgesetzt, die – vorsichtig ausgedrückt – krachend gescheitert ist.

Es ist ein absurdes Theater: Griechenland bekommt neue Kredite, um alte zu bedienen. Der Schuldenberg wird nicht kleiner, sondern größer. Das Land wird seine gewaltigen Verbindlichkeiten niemals komplett tilgen können. Diese Erkenntnis dürfte sich mittlerweile auch im Bundesfinanzministerium durchgesetzt haben – nur zugeben will das dort natürlich niemand.

Schließlich wäre das für Schäuble ein Eingeständnis des Scheiterns. Und das kommt für den 73-Jährigen nicht in Frage. Deshalb bleibt er knallhart, selbst der Internationale Währungsfonds (IWF) ist machtlos. Der hatte Schuldenerleichterungen gefordert und vor den Verhandlungen vorhergesagt, dass andernfalls Griechenlands Verschuldung bis zum Jahr 2060 auf rund 290 Prozent des Bruttoinlandsprodukts klettern wird. IWF-Europa-Chef Poul Thomsen sagt nach den Verhandlungen: Es gebe nun Übereinstimmung, dass die Schulden des Landes nicht tragfähig seien.

Und dennoch wird so weitergemacht wie bisher. Denn für den Finanzminister des mächtigsten Gläubigers kommen substanzielle Erleichterungen für Griechenlands Schuldendienst nicht in Frage – zumindest nicht vor 2018, wenn das aktuelle, 86 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm ausläuft. Dann soll es tatsächlich Schulderleichterungen geben – selbst wenn die Ankündigung vage bleibt. Mit anderen Worten: Es kommt zur großen Konferenz, auf dem Griechenland ein Teil seiner Schulden erlassen wird – auch und vor allem von Deutschland.

Warum das Unvermeidliche herausgezögert wird? Weil die Bundesregierung erst die Bundestagswahl abwarten will, die in der zweiten Hälfte kommenden Jahres stattfinden wird. Bis dahin wird Griechenland mit immer neuen Krediten am Tropf gehalten – und die Probleme werden nicht gelöst. Das muss noch warten.

Es ist wie mit einem Zahnarztbesuch. So unangenehm der auch ist: Je länger er herausgezögert wird, umso schmerzhafter wird das Ganze. Und Schäuble? Der hat einen Weg gefunden, seinen Nachfolger zum Termin zu schicken.

Quelle: n-tv.de

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