Wirtschaft

Aktienkurs rutscht 40 Prozent abDer SpaceX-Kurssturz kommt für Anleger gerade noch rechtzeitig

29.07.2026, 17:09 Uhr
imageVon Max Borowski
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Für den Rekordbörsengang von SpaceX änderte unter anderem der Börsenbetreiber Nasdaq die Regeln für seinen Leitindex Nasdaq 100. (Foto: picture alliance / newscom)

Viele Anleger sind dank beliebter ETFs zum Höchstkurs bei SpaceX eingestiegen - allerdings in homöopathischen Dosen. Auf die Gesamtentwicklung der Fonds wirkt sich der katastrophale Kursverlauf der Aktie daher bislang kaum aus. Das dürfte sich bald ändern.

Nach dem Rekord-Börsengang von SpaceX ist genau das eingetreten, wovor viele Experten gewarnt hatten: Der Kurs der Aktie schoss kurzzeitig um rund 70 Prozent nach oben. Auf oder nahe diesem Höchstkurs nahmen viele Anbieter die Aktie in ihre Indizes auf. Teilweise hatten sie, etwa im Fall des Technologieindex Nasdaq 100, sogar die eigenen Regeln verändert, um das Unternehmen von Elon Musk möglichst schnell aufnehmen zu können.

Passive Aktienfonds, wie bei Privatanlegern beliebte ETFs, die sich strikt nach solchen Indizes richten, mussten die SpaceX-Aktie zum hohen Preis kaufen. Die Anteilsscheine des Börsenneulings landeten so in den Depots von Millionen von ETF-Sparern, die damit einen herben Verlust machten. Denn vom Höchstkurs bei etwas über 200 Dollar stürzte die Aktie auf inzwischen weniger als 120 Dollar ab - ein Verlust von mehr als 40 Prozent. Der Ausgabekurs beim Börsengang am 12. Juni hatte bei 135 Dollar gelegen.

Dass viele ETF-Anleger durch die übereilte Aufnahme der Index-Anbieter zum ungünstigsten Zeitpunkt bei SpaceX einstiegen und so den - bislang - größtmöglichen Kursverlust mit der Aktie verbuchten, kommt nicht überraschend. Die Ankündigung von Unternehmen wie Nasdaq und MSCI, dem Anbieter des populären MSCI World Index, SpaceX schon wenige Wochen nach dem Handelsdebüt zu berücksichtigen und die entsprechenden Fonds zum Kauf der Aktie zu zwingen, heizte die Nachfrage zusätzlich an. Gleichzeitig ist das Angebot an SpaceX-Aktien zunächst sehr begrenzt, denn bei der Erstausgabe wurden weniger als fünf Prozent der Anteile an dem Konzern in den Handel gebracht.

Es liegt also nahe, dass Spekulanten versuchten, die Aktien direkt nach dem Börsengang zu kaufen und darauf zu wetten, sie zu Höchstpreisen an die Fonds weiterverkaufen zu können. Anschließend ließ die Nachfrage nach den Raumfahrtaktien schlagartig nach, der Kurs sackte ab. Das dürfte auch daran liegen, dass in den kommenden Wochen und Monaten weitere SpaceX-Aktien auf den Markt kommen werden - deutlich mehr, als beim Börsengang ausgegeben wurden.

Gewicht in Fonds dürfte stark steigen

In diesem Zusammenhang ist es für die ETF-Anleger eine gute Nachricht, dass der massive Kursrückgang bei SpaceX so schnell eingesetzt hat. Denn bislang wirkt sich der herbe Verlust dieser einzelnen Aktie für sie insgesamt nur sehr gering aus. Die Indizes und die Fonds, die sich nach ihnen richten, gewichten die Anteile einzelner Aktien nach dem Wert der Anteilsscheine, die frei handelbar sind, dem Streubesitz. Der ist mit weniger als fünf Prozent bei SpaceX bislang außergewöhnlich gering. Deswegen macht das Unternehmen trotz des gewaltigen Gesamtwertes von mehr als einer Billion Dollar in den meisten Fonds einen geringeren Anteil aus als viele kleinere Konzerne, von denen aber mehr Aktien an der Börse frei handelbar sind.

Im MSCI World Index etwa hatte SpaceX am Anfang dieses Monats ein Gewicht von nur etwa 0,09 Prozent. Selbst ein Kursverlust von mehr als 20 Prozent seither drückt den Kurs eines entsprechenden ETF insgesamt also um weniger als 0,02 Prozent. Deutlich stärker mit 1,3 Prozent hat die Technologiebörse Nasdaq SpaceX in ihrem Leitindex Nasdaq 100 gewichtet, weshalb Anleger mit EFTs auf diesen Index den Kursverlust der Aktie schon deutlicher spüren.

Das Gewicht von SpaceX in den Indizes dürfte allerdings schon bald steigen. Am 6. August läuft eine erste Sperrfrist für einige Investoren ab, die ihre SpaceX-Anteile bislang nicht verkaufen dürfen. Noch im selben Monat dürfen weitere Aktienpakete erstmals verkauft werden, im September ebenfalls. Insgesamt könnte der Streubesitz bis Ende dieses Jahres auf 40 Prozent steigen. Im kommenden Jahr laufen alle Sperrfristen einschließlich der Aktien im Besitz von Elon Musk selbst aus, wobei dieser angekündigt hat, keine substanziellen Anteile verkaufen zu wollen.

Der zunehmende Streubesitz wird voraussichtlich dazu führen, dass sich das Gewicht von SpaceX in den Indizes vervielfacht . ETFs werden jedes Mal, wenn neue Aktien handelbar sind, zukaufen. Der aktuelle Kursrückgang könnte die Fonds davor bewahren, deutlich größere Mengen SpaceX-Aktien zu Höchstpreisen kaufen zu müssen. Ein vergleichbarer Kursverlauf im kommenden Jahr würde ETF-Anleger allerdings deutlich härter treffen.

Quelle: ntv.de

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