Wirtschaft

Fünf Jahre nach der Schlecker-Pleite "Der Staat verlängert das Elend nur"

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Geschlossene Schlecker-Filiale: Das Reich der Drogeriemarktkette brach am 23. Januar 2012 endgültig zusammen.

(Foto: REUTERS)

Es war eine der spektakulärsten Firmenpleiten Europas: Am 23. Januar 2012 schlitterte die Drogeriemarktkette Schlecker in den Bankrott. Gut 25.000 Beschäftigte verloren damals ihren Job. Zum fünften Jahrestag schaut Werner Eichhorst vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit zurück. Er erklärt n-tv.de, warum die Pleite genau zum richtigen Zeitpunkt kam und welche Parallelen es zum Fall Edeka/Kaiser's Tengelmann gibt.

n-tv.de: 25.000 Angestellte haben 2012 ihre Jobs verloren, überrascht war man nicht wirklich, da doch die marode Infrastruktur der Läden seit Jahren ins Auge stach. War die Pleite rückblickend betrachtet der richtige Schritt für Schlecker?

Werner Eichhorst: Absolut. Denn wenn ein Unternehmen schlecht wirtschaftet, muss es auch vom Markt verschwinden. Ohne Ausnahme. Gerade der Handel steht unter enormem Druck, da heute einfach bestimmte Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren. Es wäre nicht förderlich gewesen, die Kette künstlich am Leben zu erhalten – das hätte nur die Umstrukturierung im Drogeriemarktbereich behindert. Von daher ist die Pleite zwar tragisch für die einzelnen Beschäftigten, aber unvermeidlich gewesen und zu diesem Zeitpunkt richtig.

Das Beispiel Edeka und Kaiser's Tengelmann zeigt, dass es durchaus kurzfristig Erfolg haben kann, wenn der Staat Firmen unter seine Fittiche nimmt. Hätte er auch Schlecker damals unter die Arme greifen sollen?

Nein! Denn der ausgehandelte Deal bei Edeka zeigt ja: Es ist nur kurzfristig eine befriedigende Lösung gefunden worden. Was ist denn mit den ganzen Arbeitsplätzen, wenn in fünf Jahren die Jobgarantie ausläuft? Und genau dies hätte meiner Meinung nach auch auf Schlecker zugetroffen: Mit staatlichen Subventionen wäre das Elend nur verlängert worden – sie hätten langfristig nicht geholfen. Denn gerade im Handel herrscht gerade hoher Druck, sich zukunftsfähig aufzustellen. In diesem Prozess hat der Staat erst einmal nichts zu suchen, auch wenn es für Einzelne zunächst große Härte bedeutet.

Es gibt jedes Jahr rund 23.000 Firmenpleiten in Deutschland, dem gegenüber stehen rund 600.000 Neugründungen. Warum war ausgerechnet der Fall Schlecker so emotional?

Zum einen war ein Unternehmen betroffen, das jeder kannte, weil es in jedem Dorf mindestens eine Filiale gab. Zum anderen waren in großem Umfang auch die sogenannten "Schlecker-Frauen" betroffen. Diese waren nicht gerade in einer komfortablen Situation auf dem Arbeitsmarkt, weil sie beispielsweise mit ihrer Gewerkschaft jedes Jahr aufs Neue für eine Tarifbezahlung kämpfen mussten. Und dann war es schlicht auch vom Volumen her eine der größten Pleiten der jüngeren Vergangenheit.

Bei dem Gewicht, das Sie Schlecker einräumen: Hat der Arbeitsmarkt die "Schlecker-Frauen" gut verkraftet?

Man muss sagen, dass der Arbeitsmarkt diese Pleite, trotz der Größe des Unternehmens, überraschend gut verkraftet hat. Es hat zwar natürlich nicht jede "Schlecker-Frau" einen neuen Job gefunden. Aber die Pleite traf auf einen gut aufgestellten Arbeitsmarkt.

Anfang März muss sich Firmenpatriarch Anton Schlecker vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vorsätzlichen Bankrott vor. Zudem soll er vor der Pleite noch Millionen an die Seite geschafft haben. Hätte er die Pleite verhindern können?

Ich denke schon, dass es nicht optimal war, dass Anton Schlecker der Alleinverantwortliche im Schlecker-Imperium war und dadurch das Unternehmen intransparent war und es kaum Kontrollmechanismen gab. Sonst wäre der unrentable Expansionspfad auch nicht über so eine lange Zeit bestritten worden. Gerade die Leitung hätte viel agiler auf die Konkurrenz reagieren müssen. Andere Wettbewerber hatten sich bessere Standorte ausgesucht und moderne Geschäftsprogramme ausgearbeitet. Beispielsweise durch eine attraktivere Gestaltung des Sortiments. Dadurch konnten sie Schlecker dann eben auch bedrohlich werden und vom Markt drängen.

Mit Werner Eichhorst sprach Carlo Sporkmann.

Quelle: ntv.de