Wirtschaft

US-Tech-Aktien müssen abspecken Dickes Minus bei Twitter, Facebook & Co

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Yelp wird auf Hungerkur gesetzt.

(Foto: AP)

Facebook, Twitter und Yelp haben eine gute Zeit hinter sich - die Aktien stiegen, die Anleger strahlten. Alle übertrieben. Jetzt müsste etwa Yelp mehr als 200 Jahre Gewinne scheffeln, um den Wert seiner Aktie auch zu verdienen.

Das Geschäft läuft einfach nicht, wie es soll. Erst als Twitter-Chef Jack Dorsey das in aller Deutlichkeit aussprach, kam die Botschaft auch bei den Börsianern an. Innerhalb von einer Stunde schrumpfte der Börsenwert von Twitter um satte 5,2 Milliarden Euro. Bei Yelp ging es schneller: Das Bewertungsportal findet einfach nicht mehr genug Anzeigenkunden und wurde dafür mit einem Kursabschlag von 25 Prozent bestraft. Geradezu niedlich dagegen das Minus bei Facebook: 2,2 Prozent fiel die Aktie nachbörslich. Doch im Gegensatz zu Yelp und Twitter konnte Facebook steigende Einnahmen und Nutzerzahlen vorweisen - der Quartalsbericht konnte lediglich mit den Erwartungen der Anleger nicht mithalten - Apple lässt grüßen.

Die Korrektur war nach Ansicht von Analysten bei den US-Techs fast durch die Bank hindurch überfällig. "Die Höhenluft am US-Markt ist verdammt dünn", schrieb Telebörse-Gastautor Daniel Saurenz bereits nach den Microsoft und Apple-Zahlen. Der Gesamtmarkt sei nicht billig. So werde der S&P 500 auf Basis der Gewinnschätzungen für die nächsten zwölf Monate mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,4 gehandelt.

Das erscheint aber geradezu wie ein Schnäppchen, wenn man sich die Bewertungen von Twitter oder Yelp anschaut: Nachdem die Titel bis etwa Ende 2014 nach oben liefen, liegt das geschätzte 2015er KGV von Twitter bei 95,49 und von Yelp bei 202,4. Nur noch mal zur Erinnerung: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt an, mit welchem Vielfachen des Ergebnisses des letzten Geschäftsjahres die Aktie an der Börse zurzeit bewertet wird. Anders gesagt drückt das KGV aus, wie viele Jahre es dauern würde, bis das Unternehmen den Wert seiner Aktie als Gewinn erwirtschaftet hat. Da hat Yelp eine Menge vor sich.

Facebook ist zwar auch nicht billig, lässt aber in Sachen Nutzerzahlen und Marktanteile die Konkurrenz wie Zwerge aussehen. So nähert sich das Soziale Netzwerk langsam aber sicher der Marke von 1,5 Milliarden bei den monatlichen Nutzerzahlen an. Bei Twitter sind es gerade mal 316 Millionen User pro Monat - Tendenz stagnierend. Zusammen mit Google teilt sich Facebook zudem mehr als die Hälfte des 69 Milliarden US-Dollar schweren weltweiten mobilen Anzeigengeschäfts. Google liegt zwar mit einem Anteil von 35 Prozent vorne, aber Facebook holt ordentlich auf.

Wie bei Google steigen derzeit auch bei Facebook die Kosten schneller als der Umsatz. Doch bei Google reichte den Anlegern das Versprechen des Konzerns, die Kosten in den Griff zu kriegen, um die Aktie nach oben zu katapultieren: An einem Tag baute Google seinen Marktwert um 65 Milliarden Dollar aus. Auch für Facebook, Apple & Co kein absolut abwegiges Szenario. Denn es ist nicht zu erwarten, dass die Anleger bei den US-Technologiewerten dauerhaft Maß halten werden - zu verlockend ist die Hoffnung auf "the next big thing". Dennoch ist es höchste Zeit für eine schöne Diät. Wer will schon so aufgebläht aussehen wie zu New-Economy-Zeiten?

 KGV (2015e)
Apple13,39
Facebook46,56
Google22,69
Microsoft17,05
Twitter95,39
Yelp202,40

Quelle: n-tv.de

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