Wirtschaft

Griechenlands Schuldentragfähigkeit EU-Institutionen sorgen sich sehr

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Athen soll mehr Zeit zur Kreditrückzahlung bekommen.

(Foto: dpa)

2022 soll die griechische Verschuldungsrate 110 Prozent betragen - darauf haben sich die Euro-Finanzminister verständigt. Allerdings sind EU-Kommission, EZB und ESM in dieser Hinsicht skeptisch. Sie halten korrigierende Maßnahmen für nötig.

Die europäischen Institutionen bewerten die künftige Verschuldung Griechenlands offenbar wesentlich pessimistischer als bisher. Es gebe ernste Sorgen über die Schuldentragfähigkeit, heißt es in einem Dokument, das von der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Europäischen Rettungsfonds ESM vorbereitet wurde.

Im Rahmen einer neuen Bewertung kommen die Institutionen zu dem Schluss, dass korrigierende Maßnahmen notwendig seien. Bisher lehnen einige Regierungen in der Eurozone weitere Maßnahmen für Griechenland ab, mit denen man dem Land entgegen kommen würde.

In dem dreiseitigen Dokument, in das das Wall Street Journal Einblick hatte, werden die Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht aufgeführt. Das lässt darauf schließen, dass es erneut Differenzen zwischen dem in Washington ansässigen Fonds und den Partnern aus Europa gibt. Vor wenigen Tagen hatten sich die vier Institutionen auf ein neues Rettungsprogramm mit der griechischen Regierung geeinigt.

Verschuldung weit über der Zielmarke

Die nun in dem Dokument genannten Zahlen verdeutlichen die schwierige Situation: Auch wenn Athen das komplette Programm umsetzt und es schafft, 13,9 Milliarden Euro Erlöse aus der Privatisierung von Staatsvermögen einzusammeln, dürfte die griechische Verschuldung im Jahr 2022 bei 159,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen.

Das Jahr 2022 ist entscheidend, da sich die Eurozone-Finanzminister ursprünglich darauf verständigt hatten, die Verschuldung Griechenlands bis dahin auf unter 110 Prozent des BIP zu bringen. Dieses, wie es nun scheint, überehrgeizige Niveau wurde seinerzeit in Aussicht gestellt, damit der IWF weiterhin in die Verhandlungen eingebunden und bei dem Programm an Bord bleibt.

Sollte Griechenland das Rettungsprogramm nur teilweise umsetzen, würde die Verschuldung im Jahr 2022 bei 173,7 Prozent des BIP liegen, heißt es in dem Dokument. Sollten Wirtschaftswachstum und Privatisierungserlöse über den Erwartungen ausfallen, könnte das die Verschuldung auf 148,2 Prozent des BIP bringen.

Anleihegewinne an Griechenlands Zentralbank

Da sich die wirtschaftliche Lage in Griechenland verschlechtert habe, gebe es "ernste Sorgen" hinsichtlich der Frage, ob das Land seine Schulden wird zurückzahlen können. Die Institutionen erwarten dem Dokument zufolge, dass die Wirtschaft dieses Jahr um 2,3 Prozent und im kommenden Jahr um 1,3 Prozent schrumpft.

Um die Schuldentragfähigkeit zu gewährleisten, werden zwei Vorschläge unterbreitet: Die Regierungen in der Eurozone sollten sich erneut darauf verständigen, Gewinne, die sie aus griechischen Staatsanleihen erzielt haben, an die griechische Zentralbank zu überweisen. Zusätzlich sollten sie Athen mehr Zeit einräumen, Rettungskredite und die Zinsen darauf zurückzuzahlen. Dadurch könnten die Regierungen möglicherweise einen klassischen Schuldenschnitt verhindern.

Quelle: ntv.de, wne/DJ

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