Wirtschaft

Anhebung im dritten Quartal? EZB belässt die Zinsen bei null Prozent

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Die Europäische Zentralbank (EZB) rund um ihre Chefin Christine Lagarde belässt die Zinsen im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die EZB ist optimistisch, dass noch dieses Jahr die Zinsen im Euroraum erstmals wieder steigen können. Aktuell bleibt aber alles beim Alten und der Zins bei null Prozent. Die Hüter der Geldpolitik sehen in einer Anhebung aktuell kein Mittel, um die hohe Inflation zu bekämpfen.

Trotz Rekordinflation bleiben die Zinsen im Euroraum vorerst unverändert. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beließ den Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent, wie die Notenbank im Anschluss an die Ratssitzung mitteilte. Europas Währungshüter bekräftigten zugleich aber, auf ein Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik zuzusteuern. Ökonomen halten einen ersten Zinsschritt noch in diesem Jahr für möglich. Die EZB habe mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik begonnen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die wegen einer Corona-Infektion online an der Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung teilnahm.

Aktuelle Daten verstärkten die Erwartung, dass der Erwerb zusätzlicher Anleihen von Staaten und Unternehmen im Rahmen des Kaufprogramms APP im dritten Quartal 2022 enden sollte, erklärte die Notenbank. Die Währungshüter haben sich darauf festgelegt, erst nach dem Ende der Nettokäufe die Zinsen zu erhöhen. Im Juni werde er zusammen mit seinen Kollegen im EZB-Rat auf der "Basis frischer Daten" über die künftige Geldpolitik entscheiden, sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel jüngst im Interview mit dem ARD-Magazin Plusminus. "Was wir jetzt sehen, deutet darauf hin, dass sich möglicherweise auch der Sparer bald wieder über höhere Zinsen freuen kann."

Bankenvertreter halten Zögern für riskant

Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ist das Abwarten der Notenbank allerdings riskant. "Je länger die EZB an ihrer sehr lockeren Geldpolitik festhält, desto mehr steigen die Inflationserwartungen der Menschen und setzt sich die sehr hohe Inflation dauerhaft fest." Der Bankenverband BdB begrüßte die Aussicht auf ein Ende des milliardenschweren Anleihenkaufprogramms im dritten Quartal. "Das reicht allerdings noch nicht. Das Ende der Negativzinsen muss dieses Jahr kommen", sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig. Der Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) warf der Notenbank fehlende Entschlossenheit vor. "Die Inflation im Euroraum klettert in ungekannte Höhen, dem muss die EZB Einhalt gebieten", mahnte DSGV-Präsident Helmut Schleweis. "Die aktuellen, hohen Inflationsraten dürfen sich nicht dauerhaft verfestigen".

Der Ukrainekrieg belastet die Wirtschaft im Euroraum und heizt die Energiepreise weiter an, die bereits zuvor Haupttreiber der Teuerung waren. Die EZB, deren oberstes Ziel stabile Preise bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent sind, ging zuletzt von einem schwächeren Wirtschaftswachstum und einer deutlich höheren Inflation im laufenden Jahr aus als noch im Dezember vorhergesagt. "Der Krieg in der Ukraine trifft die Wirtschaft hart und hat die Unsicherheit deutlich erhöht", sagte Lagarde. Der Inflationsdruck sei gestiegen und die Inflation werde in den nächsten Monaten hoch bleiben. Im Euroraum erreichte die Teuerungsrate im März mit 7,5 Prozent den höchsten Stand seit Einführung des Euro als Verrechnungswährung 1999. "Die Inflationsdaten sprechen eine deutliche Sprache. Die Geldpolitik darf nicht die Gelegenheit verpassen, rechtzeitig gegenzusteuern", mahnte Bundesbank-Präsident Nagel.

Zinspolitik bleibt ein Balanceakt

Für die Notenbank ist es allerdings ein Balanceakt: Erhöht sie die Zinsen zu schnell oder zu kräftig, besteht die Gefahr, dass die Konjunktur abgewürgt wird. Reagieren die Währungshüter zu spät, müssten die Zinsen womöglich umso schneller oder höher steigen. Ein abrupter Zinsanstieg könnte die Wirtschaftsentwicklung ebenfalls belasten.

EZB-Direktor Fabio Panetta warnte zuletzt, ein zu starkes Einschreiten der Notenbank gegen die gestiegene Inflation würde das Wirtschaftswachstum im Euroraum abwürgen. Eine solche Straffung der Geldpolitik würde sich zudem nicht direkt auf die gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise auswirken, die von weltweiten Einflussgrößen und jetzt vom Ukraine-Krieg angetrieben würden.

Der Leitzins im Währungsraum der 19 Länder liegt seit nunmehr rund sechs Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent. Banken, die Gelder bei der EZB parken, müssen darauf seit Juni 2014 Zinsen zahlen, aktuell liegt dieser Einlagenzins bei minus 0,5 Prozent. Freibeträge für bestimmte Summen sollen die Institute bei den Kosten dafür entlasten. Im Rahmen des seit 2015 genutzten Programms APP steckte die EZB schon mehr als drei Billionen Euro in Staatsanleihen und Unternehmenspapiere, was die Konjunktur stützt. Das in der Corona-Pandemie aufgelegte, besonders flexible Anleihenkaufprogramm PEPP war Ende März ausgelaufen. Seitdem erwirbt die Notenbank keine neuen Wertpapiere mehr im Rahmen dieses Programms. Gelder aus auslaufenden PEPP-Papieren werden aber vorerst weiter neu angelegt.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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