Wirtschaft

Teilung von Kaiser's Tengelmann Edeka soll Vorrang bei Filialverkauf haben

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Statt dem Gesamtpaket sollen nun Einzelfilialen von Kaiser's Tengelmann verkauft werden.

(Foto: dpa)

Beim Verkauf von Einzelfilialen von Kaiser's Tengelmann soll Edeka Vorrang eingeräumt werden, sagt Tengelmann-Chef Haub. Er spricht zwar von großem Interesse an einzelnen Standorten, befürchtet aber auch, dass Tausende Stellen wegfallen.

Tengelmann will Edeka ein bevorzugtes Zugriffsrecht auf attraktive Standorte einräumen, wenn der Einzelverkauf von Filialen der schwer angeschlagenen Supermarktkette beginnt. "Wenn Edeka Märkte von Kaiser's Tengelmann übernehmen will, die kartellrechtlich unproblematisch sind, dann hat Edeka für mich den Vorrang", sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub dem "Handelsblatt". "Das gebietet alleine der Anstand nach zwei Jahren Zusammenarbeit", so Haub.

Tengelmann hatte mit Edeka vor rund zwei Jahren den Verkauf vereinbart, doch hatte das Kartellamt dies im April vergangenen Jahres wegen der steigenden Marktmacht Edekas untersagt. Daraufhin wandten sich die beiden Unternehmen an die Politik und beantragten eine Ministererlaubnis, um die Übernahme doch noch zu retten, welche das Oberlandesgericht Düsseldorf jedoch einkassierte. Geklagt hatten die Unternehmen Rewe, Norma und Markant.

Frist bis Dienstag

Die Gespräche über die Zukunft von Kaiser's Tengelmann waren am Donnerstag für gescheitert erklärt worden. Jetzt sieht es so aus, als würde die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann endgültig zerschlagen. Die Unternehmen schieben sich jeweils gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

Die Bundesregierung hat Kaiser's Tengelmann unterdessen noch nicht aufgegeben. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel habe erklärt, dass es "erschütternd" wäre für die Beschäftigten, wenn es zu einem Scheitern der Verhandlungen käme, sagte ein Sprecher am Freitag. Man müsse abwarten, "was nun final bei den Gesprächen herauskommt", sagte der Ministeriumssprecher. Die Beteiligten hätten sich eine Frist bis zum 17. Oktober gesetzt. "Wir sehen das so, dass die Verantwortung jetzt erst einmal bei den Beteiligten liegt."

Gleichwohl kündigte Haub im "Handelsblatt" an, nicht nur einzelne Märkte, sondern möglichst große Pakete von Standorten zu vermarkten. "Auf keinen Fall werden wir uns aber noch einmal in ein fusionskontrollrechtliches Risiko begeben", so Haub. "Geschwindigkeit ist jetzt unsere oberste Priorität." Für Einzelfilialen lägen bereits viele Interessensbekundungen vor. "Auf die gehen wir jetzt alle zu".

Verkauf von mehr als 400 Filialen

Am Montag will Haub die Zerschlagung einleiten. Interessenten werden dann aufgefordert, für jede einzelne der über 400 Filialen zu bieten. Auch Lager, Logistik und eigene Produktion kommen wohl auf die Resterampe. Haub selbst sieht bei der nun beginnenden "Verwertung" bis zu 8000 Stellen gefährdet. Von den 105 Supermärkten in Nordrhein-Westfalen etwa räumt er nur einem Bruchteil Zukunftschancen ein. "Ich wäre froh, wenn wir für 30 bis 40 Filialen Betreiber finden", sagte Haub der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Der Tengelmann-Chef bekräftigte zugleich: "Ich bin bis zur letzten Minute offen für eine einvernehmliche Lösung, die Kaiser's Tengelmann als Ganzes erhält". Das "Zeitfenster" schließe sich erst, wenn die erste Filiale verkauft sei. Das werde einige Wochen in Anspruch nehmen. Denn mit möglichen Interessenten müssen Preis und andere Bedingungen der Übernahme ja noch ausgehandelt werden.

Haub machte Rewe-Chef Alain Caparros dafür verantwortlich, dass bislang kein Kompromiss der Konkurrenten Rewe, Edeka, Norma und Markant zustande gekommen ist. "Herr Caparros hat von Anfang an alles unternommen, um den Deal zu zerstören", sagte er der "WAZ". Ähnlich wie Tengelmann-Chef Haub sieht man auch bei Edeka das Vorgehen von Rewe kritisch.

Für Caparros wiederum ist die von Haub angekündigte Zerschlagung ein "Droh-Szenario". "Das tritt nur ein, wenn Herr Haub sich weiter stur stellt", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er hoffe, dass es eine Einigung am Verhandlungstisch gebe, damit Edeka und Rewe sich die Supermärkte aufteilen. Für dieses Vorhaben habe der Rewe-Chef Wirtschaftsminister Gabriel als Vermittler angefragt. "Er hat gesagt, dass er darüber nachdenken will. Auf jeden Fall will er alle nochmal an einem Tisch haben", sagte Caparros.

Quelle: ntv.de, mli/DJ/dpa

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