Wirtschaft

Trendwende in der Geldpolitik? Euro-Banken vergeben mehr Kredite

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Bringt der Sommer 2018 die Wende? Die Daten der EZB deuten eine Belebung innerhalb der Eurozone an.

(Foto: picture alliance/dpa)

Jahre nach der Öffnung aller Geldschleusen zeigt die Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank offenbar Wirkung. Die Kreditvergabe im Euroraum zieht im Sommer deutlich an. Banken gewähren nicht nur Unternehmen, sondern auch Privatkunden großzügige Darlehen.

Im Inneren der Eurozone verzeichnet die Europäischen Zentralbank (EZB) Hinweise auf eine größere Trendwende: Die Banken des gemeinsamen Währungsgebiets gewährten Unternehmen im Juli 4,1 Prozent mehr Darlehen als vor Jahresfrist, wie die EZB mitteilte. Das ist der höchste Zuwachs bei der Kreditvergabe seit der Finanzkrise vor rund zehn Jahren. Schon im Juni hatte EZB ähnlich starke Steigerungen registriert. An private Haushalte wurden im Juli 3,0 Prozent mehr Darlehen vergeben.

Für die Währungshüter rund um EZB-Chef Mario Draghi ergeben sich aus den Daten Anzeichen für einen Erfolg ihrer energischen Krisenpolitik in bislang nie gekannten Ausmaßen: Seit mehr als drei Jahren pumpt die EZB durch den Erwerb von Staatsanleihen und anderer Wertpapiere Monat für Monat Milliarden in das Finanzsystem. Dazu kommt auch ein Leitzins, den die EZB in mehreren Stufen auf ein historisch niedriges Niveau von 0,00 Prozent drückte.

Seit März 2016 liegt der für alle Kreditgeschäfte im Euroraum maßgebliche Zinssatz bei 0,00 Prozent. Damit ist Geld, so heißt es, so billig zu haben wie noch niemals zuvor. Erklärtes Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Kreditvergabe anzukurbeln und ein Abgleiten der Eurozone in eine Deflationsspirale zu verhindern.

Da die europäische Konjunktur inzwischen wieder besser läuft, wollen die Euro-Wächter die Käufe bis Jahresende auslaufen lassen. Wie die Märkte auf den billionenschweren Exit-Plan der Zentralbank reagieren werden, ist noch offen. Analysten halten vor diesem Hintergrund Ausschau nach den kleinsten Bewegungen aller maßgeblichen Kennzahlen.

Geldmenge deutet Inflation an

Die von der EZB erfasste Geldmengengröße M3 nahm im Juli um 4,0 Prozent zu und blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Plus von 4,3 Prozent gerechnet. Die M3-Daten umfassen neben Bargeld und Einlagen auf Girokonten auch das Volumen der Geldmarktpapiere sowie der Schuldverschreibungen. Experten zufolge ist die Entwicklung dieser Kennziffer mittel- bis langfristig eng mit der Inflation verbunden.

Die Notenbank peilt als idealen Wert für die Konjunktur eine Teuerungsrate in einem Bereich von knapp unter zwei Prozent an. Zuletzt lag die Inflation im Euroraum mit 2,1 Prozent bereits leicht über der Zielmarke. Der Anstieg der Verbraucherpreise befeuerte unter anderem auch in Deutschland die Sorge, die Krisenpolitik der vergangenen Jahre könnte zu überschießenden Reaktionen bei der Teuerung führen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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