Mistral erhält MilliardenspritzeEuropäisches Startup will US-KI-Riesen die Stirn bieten

US-Konzerne dominieren den KI-Markt, doch Europa hält dagegen. Das Pariser Startup Mistral positioniert sich als Alternative zu OpenAI und Co. und erhält nun eine Milliardenfinanzierung. Mit dem neuen Kapital will das Unternehmen seine Position deutlich ausbauen.
Im globalen Wettlauf um die Vorherrschaft bei Künstlicher Intelligenz legt Europa nach - zumindest ein wenig: Das französische KI-Startup Mistral hat sich in einer neuen Finanzierungsrunde drei Milliarden Euro gesichert und stellt sich damit US-Schwergewichten wie OpenAI, Google und Anthropic noch entschiedener entgegen. Durch die sogenannte Series-D-Runde steigt die Bewertung des erst vor drei Jahren gegründeten Unternehmens auf über 21 Milliarden Euro - die bislang größte Eigenkapitalfinanzierung eines europäischen Technologieunternehmens überhaupt.
Mistral wird als europäische Antwort auf OpenAI und Anthropic gesehen, deren Bewertungen jedoch bei umgerechnet jeweils rund 900 Milliarden Euro liegen. Beide US-Startups wollen in den kommenden Monaten an der Wall Street debütieren. Für Mistral sei ein Börsengang zwar prinzipiell eine Option, der Zeitpunkt hierfür jedoch völlig offen, sagte Mistral-Finanzchef Johan Bergqvist. "Derzeit führen wir keine Gespräche über dieses Thema."
Mistral positioniert sich im Schatten der US-Giganten jedoch bewusst als europäischer Gegenentwurf: Während Konkurrenten wie OpenAI überwiegend auf geschlossene Ökosysteme setzen, fokussieren sich die Pariser auf quelloffene "Open-Weight"-Modelle, die eine technologische Souveränität ermöglichen sollen. Kunden sollen modernste KI nutzen können, ohne die Kontrolle über ihre Recheninfrastruktur oder vertrauliche Geschäftsdaten an US-Konzerne abzutreten.
Mistral sei auf gutem Weg, bis Ende 2026 den jährlich wiederkehrenden Umsatz auf eine Milliarde Euro zu steigern, fügte der Manager hinzu. Die Kunden kämen nicht nur aus Europa, sondern verstärkt auch aus Asien und Nordamerika.
Breite Allianz hinter Parisern
Zu den neuen Investoren zählten der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung und der Scaleup Europe Fund der Europäischen Union (EU) sowie der Bestandsinvestor PSG Equity. Zudem beteiligen sich unter anderem die Beteiligungsgesellschaft Advent, von BlackRock verwaltete Fonds sowie das Großherzogtum Luxemburg als neue Geldgeber. Frühere Investoren wie der niederländische Halbleiterausrüster ASML, Nvidia, Andreessen Horowitz (a16z) und Index Ventures zogen erneut mit.
Arthur Mensch, Mitbegründer und CEO von Mistral, sagte, Unternehmen wollten KI in bereits komplexe Systeme integrieren: ihre eigenen Daten, ihre eigenen Tools, ihre eigenen Compliance-Vorgaben. "Das ist das eigentliche Problem. Deshalb haben wir Mistral auf offenen Modellen und einer Infrastruktur aufgebaut, die wir durchgängig kontrollieren - damit unsere Kunden dies ebenfalls machen können." Diese Nachfrage sei überall zu beobachten.
"Diese Finanzierungsrunde bedeutet, dass wir in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produkte und Infrastruktur schneller vorankommen und Unternehmen weiterhin ermöglichen können, KI in großem Maßstab nach ihren eigenen Vorstellungen einzusetzen", sagte er.
Das frische Kapital soll vor allem in die Forschung an neuen Spitzenmodellen fließen und die massiv steigenden Ausgaben für Rechenkapazitäten decken, die für das Training moderner KI-Systeme nötig sind. Zugleich möchte Mistral seine internationale Präsenz ausbauen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben mittlerweile in 20 Ländern aktiv und unterstützt mehr als 125 Großkunden bei unternehmenskritischen KI-Projekten, darunter Airbus, ASML und die Großbank HSBC.
