Wirtschaft

"Sorgenkind Raps" Extremwetter macht Bauern zu schaffen

In vielen Regionen Deutschlands gab es auch in diesem Jahr zu wenig Regen. Die Quittung dafür bekommen die Landwirte bei der Ernte. Der Ertrag geht im Vergleich zu den vergangenen Jahren zurück. Doch es ist nicht allein der Klimawandel, der dem Bauernverband Kopfzerbrechen bereitet.

Dürre, Starkregen, Hitze: Die deutschen Bauern klagen wegen schwieriger Witterungsverhältnisse über Ernteausfälle. Die Getreideernte sei in diesem Jahr um rund sechs Prozent niedriger ausgefallen als im Schnitt der Jahre 2013 bis 2017, teilte der Deutsche Bauernverband in Berlin mit. Der Ertrag lag bei 45 Millionen Tonnen. "Die Klimaveränderungen spüren wir", sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied. "Das ist eine zunehmende Herausforderung."

Vor allem der Raps habe "enttäuscht" und sei "mittlerweile unser Sorgenkind", sagte Rukwied weiter. Für die Fruchtfolge sei der Rapsanbau allerdings enorm wichtig. Für die bevorstehende Rapsaussaat sei baldiger Regen dringend nötig. Besonders in Mittel- und Ostdeutschland sowie in Teilen des Nordens habe es erneut zu wenige Niederschläge gegeben. Hier seien die Ernteerträge besonders schlecht gewesen, während etwa in Bayern und Baden-Württemberg durchschnittliche Ergebnisse verbucht werden konnten.

Rukwied forderte Hilfe von der Politik. "Das Witterungsrisiko, das immer größer wird, liegt beim Landwirt", sagte er. Doch durch eine steuerliche Förderung sowie Anschubkapital für den Aufbau einer Versicherung könne geholfen werden, damit sich Bauern gegen solche Risiken absichern könnten. Die Bauern selbst würden wegen der Klimaveränderungen vermehrt resistente Samenmischungen einführen.

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Auch der Obst- und Gemüseanbau ist den Angaben nach angesichts von Extremniederschlägen, vielen Hitzetagen und Trockenheit schwierig. Je nach Sorte fielen die Ernteergebnisse allerdings unterschiedlich aus. Bei Erdbeeren etwa gab es einen Rückgang, bei Äpfeln wird nach der Rekordernte des vergangenen Jahres ebenfalls ein Minus erwartet, während bei Süßkirschen ein Anstieg vorausgesagt wird. Für den Wein sagte Rukwied erneut eine "sehr gute Qualität" voraus, wenngleich die Erntemenge nicht an die Rekordzahlen des vergangenen Jahres heranreichen werde.

Hofreiter fordert Ackerbaustrategie

Ministerin Julia Klöckner hatte die Ernteschäden im Dürrejahr 2018 als Ereignis "nationalen Ausmaßes" eingestuft. Bauern mit existenzbedrohenden Finanznöten haben inzwischen rund 228 Millionen Euro staatliche Hilfen bekommen. Die größte Einzelsumme aus dem Bund-Länder-Programm entfiel mit Stand 31. Juli auf Brandenburg mit 69,7 Millionen Euro. Auszahlungen sind noch bis 31. August möglich.

Bund und Länder hatten Hilfen von jeweils bis zu 170 Millionen Euro zugesagt. Daran beteiligten sich 14 Länder. Auch in diesem Jahr sollen Viehhalter mit knappen Futtervorräten wegen Trockenheit wieder zusätzliche Flächen nutzen können. Das Ministerium legt seinen Erntebericht am 29. August vor.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte CDU-Politikerin Klöckner auf, eine Ackerbaustrategie vorzulegen. "Viele Bäuerinnen und Bauern stehen das zweite Jahr in Folge vor einer existenzbedrohenden Situation, während Agrarministerin Klöckner mit leeren Händen dasteht", sagte Hofreiter der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Spätestens nach dem Dürresommer 2018 hätte das Landwirtschaftsministerium "alle Register ziehen müssen, um schnell einen Plan für einen zukunftsfähigen, klimarobusten Ackerbau vorzulegen".

Zu schaffen machen den Bauern allerdings nicht nur Klimaveränderungen, sondern auch Personalengpässe. Der Verband appellierte deshalb an die Politik, wirksame Abkommen für die Beschäftigung von Saisonarbeitskräften mit nicht zur EU gehörenden Ländern abzuschließen.

Quelle: n-tv.de, fzö/rts/dpa/AFP

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