Wirtschaft

Die Angst vor fallenden Preisen Fed wirft die Presse an

Trotz milliardenschwerer Starthilfen von Staat und Notenbank kommt der Konjunkturmotor in den USA nicht auf Touren. Notenbank-Chef Bernanke dürfte daher unmittelbar nach den Kongresswahlen eine Hunderte Milliarden umfassende neue Konjunkturspritze aufziehen.

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Ben Bernanke.

(Foto: REUTERS)

Am kommenden Mittwoch dürfte es soweit sein: Weltweit stellen sich Ökonomen und Börsianer darauf ein, dass die US-Notenbank dann erneut beginnen wird, die Wirtschaft der Vereinigten Staaten mit Konjunkturspritzen per Notenpresse zu stimulieren.

Nach entsprechenden Äußerungen von Notenbank-Chef Ben Bernanke und weiterer Zentralbanker gilt es als so gut wie sicher, dass die Federal Reserve dann abermals Hunderte von Milliarden Dollar in die Hand nehmen und Staatsanleihen kaufen wird. Bernanke hatte bereits auf dem Höhepunkt der Finanzkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers für 300 Mrd. Dollar US-Treasuries gekauft und Immobilienpapiere im Gegenwert von mehr als einer Billion Dollar erworben.

Angst vor Deflation

Dieser geldpolitische Impuls reichte zwar zusammen mit den gigantischen Konjunkturprogrammen der Regierung aus, um die US-Wirtschaft aus dem Sumpf zu ziehen. Doch das Wachstum lahmt. Besonders ärgerlich: die Arbeitslosenquote ist noch immer sehr hoch, sie liegt deutlich über neun Prozent.

Außerdem ist die Teuerungsrate mit rund einem Prozent für den Geschmack der Fed um einiges zu niedrig; ein Abrutschen in eine Spirale fallender Preise (Deflation) wie in Japan kann nicht ausgeschlossen werden. Deshalb diskutieren die Notenbanker bereits über den Einsatz von Instrumenten, die nach der zweiten Runde der geldpolitischen Lockerung bei der Teuerung direkt ansetzen, sollte der jetzt anstehende Stimulus immer noch nicht ausreichen. Sollte dann eine Deflationsspirale beginnen, wäre dies gefährlicher als ein Anstieg der Preise. Das Kalkül der Fed ist deshalb: So viel Inflation wie nötig, so wenig wie möglich!

Im Gegensatz etwa zur Europäischen Zentralbank (EZB) oder der Bank von England peilt die US-Notenbank offiziell keinen Zielwert bei der Inflationsrate an. Zwar hat sie immer wieder betont, dass sie langfristig von einer jährlichen Teuerung in den USA von 1,7 bis zwei Prozent ausgeht und damit quasi durch die Hintertür eine Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit verankert. In- und außerhalb der Zentralbank gibt es jedoch Widerstände gegen ein explizites Inflationsziel: Anders als anderen Notenbanken muss die Fed nicht nur für stabile Preise sorgen, sondern auch das Wirtschaftswachstum ankurbeln und für ein möglichst hohes Beschäftigungsniveau sorgen.

Volumen bleibt unklar

Vor diesem Hintergrund wird die Fed den Startschuss für ihr schon länger erwartetes Anleihekaufprogramm geben und damit eine neue Runde des "Quantitative Easing" einläuten. Zwar gehen die Meinungen über den Nutzen und die Risiken eines solchen Programms innerhalb der Federal Reserve auseinander, doch gibt es im Offenmarktausschuss (FOMC) in seiner jetzigen Zusammensetzung eine überwältigende Mehrheit für die von Chairman Ben Bernanke angedeuteten Pläne.

Bernanke hatte erstmals beim diesjährigen Treffen in Jackson Hole angedeutet, dass die Fed zu weiteren Maßnahmen bereit sei, mit denen das Zinsniveau weiter gesenkt werden könnte. Später hatte der FOMC die Sorge geäußert, dass es zu lange dauern könnte, bis die Inflationsraten wieder in den von der Fed angestrebten Bereich zurückkehrten. Spätestens an diesem Punkt, Mitte September, bestand kaum noch Zweifel an der Absicht Bernankes, "QE2" ins Rollen zu bringen.

Unklarheit besteht derzeit immer noch über Volumen, Dauer und Fokus des Kaufprogramms. Presseberichten zufolge haben Fed-Ökonomen geprüft, wie sich das allgemeine Zinsniveau über den Kauf langlaufender Staatsanleihen möglichst effektiv senken lässt. Demnach könnte die Fed dabei Zielrenditen für bestimmte Laufzeiten nennen. Erreicht würden diese Zielsätze dann über entsprechend großvolumige, notfalls unbegrenzte Käufe. Dabei hofft die Fed aber wohl, dass sich die Zielrenditen an den Märkten von alleine aufgrund von entsprechenden Erwartungen einstellen.

Quelle: n-tv.de, rts/DJ

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