Wirtschaft

Maastricht-Vorgabe erste 2017 Frankreich kassiert Wachstumsprognose

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Die Grande Nation kommt nicht wirklich in Tritt.

(Foto: Reuters)

Schlechte Nachricht aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone: Die Regierung in Paris kann ihre Konjunkturannahmen nicht aufrecht erhalten. Immerhin gibt es ein Wachstum. Doch Anleger sind enttäuscht - und ein bischen froh.

Frankreich hat die Prognosen für sein Wirtschaftswachstum in den kommenden beiden Jahren nach unten korrigiert. Wie das Finanzministerium mitteilte, geht es nun für 2016 und 2017 von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von jeweils 1,5 Prozent aus. Zuvor war für kommendes Jahr ein Wachstum von 1,7 Prozent und für 2017 eine Wachstumsrate von 1,9 Prozent anvisiert worden. Die Wachstumsprognose für das laufende Jahr in Höhe von einem Prozent behielt Finanzminister Michel Sapin bei.

Frankreich arbeitet derzeit daran, sein Haushaltsdefizit nach Jahren wieder unter die in der Eurozone vorgeschriebene Drei-Prozent-Grenze zu bringen. Für dieses Jahr wird ein Defizit in Höhe von 3,8 Prozent des BIP erwartet. Kommendes Jahr sollen es 3,3 Prozent sein. Erst 2017 soll mit 2,7 Prozent die Vorgabe aus Brüssel wieder eingehalten werden.

Höheres Wachstum im ersten Quartal

Derweil blickt die französische Notenbank optimistischer auf die aktuelle Wirtschaftsentwicklung. Das Bruttoinlandsprodukt in der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft in der Eurozone sei im ersten Jahresviertel auf Quartalssicht wohl um 0,4 Prozent gewachsen, teilte sie mit.

Bisher hatte die Zentralbank nur ein Plus von 0,3 Prozent veranschlagt. Sie begründete ihre Zuversicht nun mit einer stärkeren Nachfrage aus dem Ausland. Die Stimmung der Industrie habe sich im März etwas verbessert, während sie bei den Dienstleistern stagniert habe. Die französische Wirtschaft war Ende 2014 nur leicht um 0,1 Prozent gewachsen.

Ende Februar hatte die EU-Kommission der sozialistischen Regierung in Paris diesen zweijährigen Aufschub gewährt. EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici forderte aber, dass Frankreich bis April einen Reformplan vorlegt. Die EU-Kommission will diesen dann im Mai prüfen.

Markt: Dramatische Lage

Als "negativ und daher gut" werten Händler die gesenkten Wachstumsprognosen. Die positive Beurteilung dieser Nachricht ergebe sich allein aus dem Blick auf die EZB: "Wenn ein Kernland der EU seine sicherlich zu hohen Wachstumserwartungen so deutlich nach unten revidieren muss, wird die EZB ihr QE noch auf Jahre aufrechterhalten müssen", sagte ein Händler. Der Markt interpretiere dies so, dass das Negativzinsumfeld noch lange anhalten und die Kurse treiben werden.

Per Saldo zeige die Revision aber, wie dramatisch die Lage in Frankreich sei. Angesichts ausgebliebener Strukturreformen, vor allem am Arbeitsmarkt, komme das Land nicht in die Gänge. Die Verschuldung sei zu hoch, das Wachstum zu gering.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/rts