Wirtschaft

Billigmode von Temu und SheinFranzösische Regierung erhebt Gebühr auf Fast-Fashion

28.08.2026, 16:39 Uhr
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48 neue Kleidungsstücke kauft jede Person in Frankreich im Schnitt pro Jahr ein. (Foto: picture alliance / Hans Lucas)

Asiatische Onlinehändler fluten Europa mit günstiger Kleidung, die oft nach kurzer Zeit im Müll landet. Frankreich führt eine Abgabe auf bestimmte Wegwerfmode ein. Die Strafzahlungen sollen schrittweise steigen und verteuern Fast-Fashion spürbar.

Eine Billigjacke eines Onlinehändlers wie Shein oder Temu kostet in Frankreich künftig bis zu zwölf Euro mehr. Die Regierung veröffentlichte im Amtsblatt die neuen Regeln, die die Verbreitung sogenannter Wegwerfmode einschränken sollen und ab dem 1. September greifen. Im laufenden Jahr werden demnach 50 Cent für Unterhosen oder Socken, zwei Euro für ein T-Shirt und neun Euro für Jeans fällig, die bestimmten Kriterien entsprechen. Frankreich wolle auf diese Weise gegen ein Geschäftsmodell vorgehen, "das darauf beruht, dass ein Kleidungsstück in Rekordzeit von der Ladenfläche in die Mülltonne wandert", schrieb der Umwelt-Staatssekretär Mathieu Lefèvre bei X.

"Die schädlichen Auswirkungen der Ultra-Fast-Fashion auf unsere Umwelt und unsere Wirtschaft sind bekannt und dokumentiert", fügte er hinzu. Die Kriterien sind so formuliert, dass sie in erster Linie asiatische Onlinehändler wie Shein und Temu treffen, nicht aber Ketten wie Zara oder H&M, die in Frankreich Arbeitsplätze schaffen. Entscheidend ist die Menge der Modelle, die auf den Markt gebracht werden. Auch der Preis im Verhältnis zu einer Reparatur beeinflusst, ob die Gebühr gezahlt werden muss.

Die Strafzahlungen sollen bis 2030 schrittweise steigen und dann etwa zwei Euro für Unterhosen und 19,50 Euro für eine Jacke erreichen. Das Geld soll in einen Fonds fließen, mit dem Unternehmen unterstützt werden sollen, die nicht auf Fast-Fashion setzen. Dazu sind bislang noch keine Details bekannt.

Grundlage dafür ist ein Anfang Juli verabschiedetes Gesetz, das zudem die Werbung für Wegwerfmode verbietet. Unternehmen sind demnach auch verpflichtet, Kunden zu "Genügsamkeit, Wiederverwertung und Reparatur" zu mahnen. Ähnliche Hinweise gibt es bereits bei der Werbung für Fastfood in Frankreich, wo Konsumenten gemahnt werden, Gemüse zu essen und Sport zu treiben. Der Erfolg dieser umstrittenen Moralbotschaften ist allerdings kaum messbar.

Jährlich 600.000 Tonnen Textilmüll in Frankreich

Die von der EU eingeführten Zölle auf kleine Pakete führten ihrerseits zu einem Rückgang der Kleinsendungen aus China um 30 bis 40 Prozent, wie der französische Zoll mitteilte. Seit dem 1. Juli ist eine Abgabe von drei Euro für Kleinsendungen fällig. 2025 waren knapp sechs Milliarden Kleinsendungen nach Europa gekommen, davon 93 Prozent aus China.

Der französische Markt wird nach einem parlamentarischen Bericht jährlich mit 3,3 Milliarden Kleidungsstücken überschwemmt, eine Milliarde mehr als noch vor zehn Jahren. Im Schnitt kommen auf jeden Einwohner jährlich 48 neue Kleidungsstücke. Dies führt dazu, dass Kleidung immer schneller weggeworfen wird - in zwei Dritteln der Fälle wären die Sachen jedoch noch brauchbar. Nach offiziellen Angaben werden in Frankreich jährlich 600.000 Tonnen Textilien weggeworfen.

Quelle: ntv.de, bho/AFP

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