Wirtschaft

Vergleichende Arbeitsmarktstudie Frauen im Osten gehen häufiger zur Arbeit

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Ostdeutsche Frauen sind beruflich mehr auf Augenhöhe mit Männern als Frauen im Westen.

(Foto: imago images/Future Image)

Die berufliche Gleichstellung von Frauen in Ost- und Westdeutschland ist noch lange nicht erreicht: Laut einer Studie ist insbesondere der Arbeitsmarkt im Westen traditionell geprägt, die Lohnlücke bleibt groß. In den neuen Bundesländern haben mehr Frauen einen Job - ein Detail ist dabei entscheidend.

Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es bei der Berufstätigkeit und der Bezahlung von Frauen und Männern deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Bei Erwerbsbeteiligung, Arbeitszeit und Einkommen seien die Abstände zwischen Männern und Frauen im Osten spürbar kleiner - allerdings beim Einkommen auf insgesamt niedrigerem Niveau als im Westen, heißt es in der Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung.

Insgesamt bleibe die durchschnittliche berufliche, wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen im Osten wie im Westen weiterhin oft schlechter als die von Männern, betont Studienautorin Aline Zucco. Demnach stieg die Beschäftigtenquote bei Frauen seit Beginn der 90er Jahre in beiden Landesteilen zwar, die Abstände zu den Männern wurden geringer. Frauen im Osten gehen demnach immer noch häufiger einer beruflichen Tätigkeit nach als Frauen im Westen. Die Erwerbstätigenquote westdeutscher Frauen lag laut Studie im Jahr 2018 mit 71,6 Prozent um gut acht Punkte unter der von westdeutschen Männern. In Ostdeutschland betrug der Abstand demnach nur gut vier Prozentpunkte.

Allerdings beruht diese Entwicklung laut WSI vor allem auf mehr weiblicher Teilzeitarbeit: In Ostdeutschland sei der Anteil der Teilzeitstellen von Frauen zwischen 1991 und 2018 um 17,2 Prozentpunkte gewachsen, in Westdeutschland um 14,3 Prozentpunkte. Demnach haben aktuell 48,6 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Westdeutschland eine Teilzeitstelle, in Ostdeutschland seien es nur 34,7 Prozent. Der Anteil der Frauen, die lediglich einen Minijob haben, sei im Westen mit 17,1 Prozent sogar fast doppelt so hoch wie in Ostdeutschland mit 9,9 Prozent.

Auch Löhne unterscheiden sich deutlich

Der deutliche Unterschied beim zeitlichen Umfang der Erwerbsarbeit hängt der WSI-Analyse zufolge maßgeblich mit dem unterschiedlichen Angebot an Betreuungsplätzen für Kinder zusammen: In Ostdeutschland werden 41,4 Prozent der Kinder unter 3 Jahren und 74,8 Prozent der 3- bis 6-Jährigen ganztags außer Haus betreut. Dagegen seien es im Westen nur 14,3 beziehungsweise 40,5 Prozent.

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Die Unterschiede bei Kinderbetreuung und Arbeitszeiten trügen - unter anderem wegen geringerer Karrieremöglichkeiten - wesentlich dazu bei, dass die Lohnlücke in Westdeutschland weiterhin deutlich größer sei als in Ostdeutschland. Im Westen liege der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen 21 Prozent unter dem von Männern, der Abstand sei damit dreimal so groß wie in den neuen Ländern. Allerdings seien die Stundenlöhne ostdeutscher Männer wesentlich niedriger als die von männlichen Beschäftigten in den alten Ländern.

Auch bei der Verteilung der Arbeitszeit innerhalb von Paarbeziehungen gebe es deutliche Ost-West-Unterschiede. In den neuen Ländern arbeiteten bei 44 Prozent der Paare mit Kindern beide Partner Vollzeit, im Westen treffe das nur auf 20 Prozent zu.

Quelle: ntv.de, cri/dpa/AFP