Wirtschaft

Schuldenkrise abgeschlossen? Griechenland zahlt letzte IWF-Schulden vorzeitig zurück

59279283.jpg

Der IWF stand gemeinsam mit den EU-Institutionen im Zentrum der Proteste gegen die verheerende Austeritätspolitik in Griechenland.

(Foto: picture alliance / Pacific Press)

Mehr als 30 Milliarden Euro leiht der Internationale Währungsfonds Griechenland in der Schuldenkrise vor gut zehn Jahren. Jetzt überweist Athen die letzten Raten deutlich früher als geplant. Anders als der griechische Finanzminister verkündet, ist das Kapitel Schuldenkrise für das Land aber keineswegs abgeschlossen.

Griechenland hat seine gesamten Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) fast zwei Jahre früher als geplant zurückgezahlt. Die am Montag erfolgte Rückzahlung "schließt das Kapitel" der Staatsschuldenkrise von 2010, erklärte Finanzminister Christos Staikouras. Das Land spare sich durch die vorzeitige Rückzahlung von 1,85 Milliarden Euro Notkrediten zudem 230 Millionen Euro an Zinsen.

Das hoch verschuldete Land hat während seiner akuten Finanzkrise mehr als 260 Milliarden Euro an Rettungskrediten von der Europäischen Union (EU) und dem IWF erhalten. Auf den IWF entfielen dabei etwas mehr als 30 Milliarden Euro. Die Fristen für die Rückzahlung an die EU-Institutionen sind erheblich länger als die des IWF. Die letzten Raten werden 2070 fällig. Der Staat war auf die Hilfspakete angewiesen, weil ihm private Investoren wegen des hohen Ausfallrisikos nur zu extrem hohen Zinsen Geld leihen wollten.

Seit 2018 deckt Griechenland seinen Finanzierungsbedarf ausschließlich wieder über die Anleihemärkte. Dabei hilft, dass die Europäische Zentralbank (EZB) eine Nullzinspolitik fährt und selbst als großer Käufer von Staatsanleihen auftritt. Zuletzt sind die Renditen griechischer Anleihen allerdings auf den höchsten Stand seit April 2020 gestiegen: zehnjährige Bonds rentieren nun mit rund 2,5 Prozent, verglichen mit 0,9 Prozent im September 2021. Für den Staat wird die Refinanzierung damit wieder deutlich teurer.

Griechenland hat trotz deutlicher Verbesserungen immer noch die höchste Staatsverschuldung in der Eurozone: Laut Regierungsprognosen soll sie Ende dieses Jahres 189,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen - gegenüber 197,1 Prozent im Vorjahr und 206,3 Prozent im Jahr 2020.

Quelle: ntv.de, mbo/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen