Wirtschaft

Keine überraschende Entwicklung Hedgefonds sichern sich gegen Hellas-Krise

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(Foto: REUTERS)

Die jüngsten Entwicklungen der Griechenland-Krise haben die großen Hedgefonds kaum überrascht. Fast alle waren gewappnet. Sie haben ihre Engagements zurückgefahren. Doch ganz aus dem Blick verloren, habe sie das Land nicht.

Die Griechenlandkrise hat die meisten Hedgefonds nicht kalt erwischt. Als in Griechenland am Montag Banken und Aktienmarkt geschlossen blieben, hatten die Fondsmanager ihre Schäfchen schon längst ins Trockene gebracht. Schließlich bahnte sich das Drama über Monate an und die Finanzexperten hatten somit mehr als genug Zeit, ihr Portfolio um direkte Griechenland-Beteiligungen weitestgehend zu bereinigen.

Der französische Fondsmanager Lyxor Asset Management erklärte, von den 80 auf seiner Plattform angebotenen Hedgefonds seien nur 11 überhaupt in Griechenland investiert gewesen. Denn viele Hedgefonds hätten das Griechenland-Risiko einfach als zu "vielschichtig in der Bewertung und Absicherung" eingeschätzt, sagte Philippe Ferreira, Leiter Research bei Lyxor.

Unter den Vermögensverwaltern, die ihr Griechenland-Exposure zurückgefahren haben, ist auch APG Asset Management, der in den Niederlanden nach eigenen Angaben die Renten jeder fünften Familien verwaltet. Vergangenen Monat hätten sie alle Anteile an griechischen Banken abgestoßen, sagte ein Sprecher. Ende 2014 lag das Exposure nur noch bei 61 Millionen Euro.

Ein Londoner Hedgefondsmanager erklärte diese Woche, sein Fonds investiere nicht in Griechenland, weil es zu schwierig sei, Geld aus dem Land zu bekommen.

Peripherie-Länder im Fokus

Der US-Hedgefonds PAAMCO hat zwar Griechenland-Beteiligungen, diese wurden aber in den vergangenen Monaten nicht aufgestockt. Derzeit prüfe sie Investitionen in anderen Ländern wie Portugal, Spanien und Italien, die durch die Griechenlandkrise in Mitleidenschaft gezogen werden könnten, sagte Portfolio-Managerin Putri Pascualy.

Florian Ielpo, Leiter Macroeconomic Research bei Unigestion, einer der größten Investoren in Hedgefonds in Europa, erklärte, Unigestion habe seit April eine Reihe von Schritten unternommen, sein Griechenland-Exposure zu reduzieren, und dabei auch seine Investitionen in europäische Aktien insgesamt zurückgefahren.

Folgen überschaubar

"Die Auswirkung auf Europa ist nicht allzu groß", sagte Colin Lancaster, Senior Managing Director bei Balyasny Asset Management, der rund neun Milliarden US-Dollar an Vermögen verwaltet. "Wenn sie sich nur auf Griechenland beschränkt, ist sie zu vernachlässigen. Wenn sie auf Spanien und Italien überschwappt, ist es schon ein größeres Problem", erklärte er.

Balyasny habe sein direktes Griechenland-Exposure vor drei Wochen zurückgefahren. Allerdings sei der Ausverkauf bei europäischen Staatsanleihen in den vergangenen zwei Monaten sehr viel störender gewesen als die Griechenlandkrise, sagte Lancaster. Denn dieser hatte die Umkehr eines jahrelangen Trends bedeutet, auf den viele Hedgefonds gesetzt haben.

Zuversicht nicht völlig verflogen

Einige Manager sind nach wie vor der Meinung, dass es noch zu irgendeiner Einigung zwischen Griechenland und seinen Gläubigern kommt und halten die Folge eines möglichen Euro-Austritts sowieso für beschränkt: Denn die griechische Volkswirtschaft sei innerhalb der Eurozone vergleichsweise klein, die Aktien seien in Europa im Vergleich zu den USA günstig und außerdem habe die EZB auch die Gelddruckmaschine angeschmissen.

Savvas Savouri, Chefvolkswirt bei Toscafund, einer der größten Aktien-Hedgefonds in Europa, hält es für am wahrscheinlichsten, dass Griechenland seine Schuldenrückzahlungen bis nach dem Referendum nächste Woche verschieben kann. Bei diesem würde sich das griechische Volk für den zeitlich "begrenzten Schmerz durch die von ihnen verlangten Sparmaßnahmen, statt den unbegrenzten Schmerz bei einem Euro-Austritt" entscheiden. Falls Griechenland die Eurozone aber verlassen sollte, empfiehlt Savouri deutsche und britische Staatsanleihen als Absicherung gegen die dann von ihm erwartete Deflation.

Nicht alle meiden Griechenland

Fondsmanager wappnen sich gegen einen Abschwung, indem sie sich gegen einen Eurorückgang absichern, Barmittel aufstocken, Derivate kaufen, die gegen Rückgänge am europäischen Aktienmarkt schützen, und gegen französische Staatsanleihen wetten, die im Vergleich zu Bundesanleihen stärker in Mitleidenschaft gezogen werden könnten, sollten sich die Folgen eines Grexits ausbreiten.

Ein halbes Dutzend Fonds haben es trotz allem gewagt, in Griechenland zu investieren. Der Schweizer Hedgefonds Swan Asset Management, der knapp eine Milliarde Dollar verwaltetes Vermögen hat, kaufte erst kürzlich Anleihen der griechischen Unternehmen Titan Global Cement und Hellenic Petroleum im Volumen von insgesamt fünf Milliarden bis sechs Millionen Euro.

Swans CIO Fabrizio Biondo war zwar überrascht über die Zuspitzung der Griechenlandkrise am Wochenende. Aber er hält es dennoch für wahrscheinlicher, dass die Griechen für den Verbleib in der Eurozone stimmen werden.

Gennaro Pucci, Gründer von PVE Capital mit einem verwalteten Vermögen von rund eine Milliarde Dollar, erklärte, er habe einen Korb mit hochverzinslichen Anleihen, darunter auch einige griechische Unternehmenspapiere.

Allerdings sagte er im Gegensatz zu den anderen Stimmen, er wäre sehr beunruhigt, wenn Griechenland sich für einen Austritt aus der Eurozone entscheiden würde. "Ich glaube, dass es sehr schlimm enden wird. Es gibt sehr viel Selbstgefälligkeit am Markt, was eine mögliche Ansteckung angeht. Meiner Meinung nach wird die Ansteckung sehr schlimm werden und jeder scheint das zu unterschätzen."

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ

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